| Widerstand
gegen das geplante Kohlekraftwerk von EnBW und die Verbrennungsanlage von
Stora Enso in Karlsruhe!
(10.10.2007)
Was kommen soll: Die Firma
EnBW plant eine Kraftwerkserweiterung am Karlsruher Rheinhafen. Durch den
Umbau eines bestehenden Gasblocks sollen 465 Megawatt Strom und durch den
Neubau eines zusätzlichen Steinkohleblocks 912 MW erzeugt werden.
Im Jahr 2010 soll das Gaskraftwerk, 2011 das Kohlekraftwerk in Betrieb
gehen.
Damit erhöht sich die Gesamtleistung von 900 MW auf 2100 MW, was zu
einer erheblichen Zunahme des Schadstoffausstoßes führt.
Die anerkannten
Naturschutzverbände lehnen das Vorhaben ab und fordern die EnBW auf,
statt in ein neues Kohlekraftwerk in die regenerative Energieerzeugung
(sogenannte erneuerbare Energien) zu investieren. (rtf-Datei)
Die Erweiterung wird damit begründet,
- dass für Deutschland auch in Zukunft
ein gleich bleibend hoher Stromverbrauch angenommen wird
- dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden
müssen
- dass ältere Kohlekraftwerke außer
Betrieb gehen.
Noch mehr Belastung durch StoraEnso:
Zeitgleich plant die Firma Stora Enso eine eigene Anlage zu bauen, in der
neben den Abfällen aus der Altpapieraufbereitung ebenfalls Kohle,
dazu aber auch Abfälle wie Kunststoffe und belastetes Altholz verbrannt
werden sollen.
Direkte Folgen: Die EnBW
beantragte am 29.10.2007 neu eine Genehmigung für den jährlichen
Ausstoß folgender Schadstoffe:
- 6.000.000 Tonnen CO2
CO2 gilt als einer der Hauptverursacher für die globale Erwärmung
und für den Klimawandel. Zum Vergeich: im Jahr 2004 lag der gesamte
CO2- Austoß Karlsruhes bei ca. 7.000.000 t.
- 207 Tonnen Staub / Feinstaub
Feinstaub dringt besonders tief in die menschliche Lunge ein und
ist ein Verursacher von Lungenerkrankungen, Herz- Kreislaufproblemen Asthma.
In 2004 lag die Feinstaubbelastung durch Verkehr in Karlsruhe bei 311 t.
- 2.067 Tonnen Stickoxide
Diese schädigen die Atemwege und die Blutgefäße,
sie sind beteiligt an der Entstehung des sauren Regens.
- 11 Tonnen Blei, Arsen, Cadmium
Blei ist leber- und nierenschädigend, Cadmium kann Lungenkrebs
und Osteoporose verursachen, Arsen ist krebserregend.
- 613 kg Quecksilber
Quecksilber kann u.a. das Zentrale Nervensystem vergiften.
- 2 g Dioxine und Furane,
die schon in allerkleinsten Mengen krebserregend sind.
Die Papierfabrik Stora Enso beantragt
die Genehmigung für den jährlichen Ausstoß folgender Schadstoffe:
- 300.000 Tonnen CO2
- 30 Tonnen Staub / Feinstaub
- 612 Tonnen Stickoxide
- 2 Tonnen Blei, Arsen, Cadmium
- 92 kg Quecksilber
- 0,3 g Dioxine und Furane
Im Gegensatz dazu werden bei der
Verbrennung von Gas nur halb so viel Kohlendioxid, keine Feinstäube
und keine Schwermetalle ausgestoßen, andere Schadstoffe gelten als
vernachlässigbar.
Warum wir das Kohlekraftwerk und
die Verbrennungsanlage verhindern müssen:
- Eine weitere Verschmutzung der
Luft wollen wir nicht hinnehmen! Karlsruhe, insbesondere der Westen, und
Umgebung sind bereits eine hoch belastete Region, da sich hier mit der
Firma MIRO die größte Erdölraffinerie Deutschlands befindet.
Selbst in diesem hoch belasteten Gebiet wird das sogenannte „Irrelevanzkriterium“
bei Schwermetallen nicht eingehalten, d.h. die festgelegten Grenzwerte
werden um mehr als 3% überschritten. Offensichtlich gilt: Wo schon
viel Schmutz ist, kann auch noch viel dazu!
- Die von der EnBW angestrebte Fernwärmeauskoppelung
zur Effizienzsteigerung ist unrealistisch, da kein Bedarf an einer Auskopplung
dieser Größenordnung besteht.
- Es gibt keine klimaschädlichere
Art der Stromerzeugung als die Verbrennung von Kohle und Müll.
- Ärzte warnen: Eine weitere
Belastung z.B. durch Feinstaub gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung
in der hochbelasteten Region und ist nicht akzeptabel.
- Der Bau neuer großer Kohlekraftwerke
verhindert den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien, die Umwelt und
Klima schonen.
- Der Bau von Kohlekraftwerken verhindert,
dass der Stromverbrauch massiv reduziert wird.
Ist das EnBW-Kohlekraftwerk notwendig,
um ein Atomkraftwerk zu ersetzen? Es stimmt nicht, dass das Licht
ausgeht, wenn die Atomkraftwerke vom Netz gehen: Die 12 deutschen AKW haben
eine Leistung von rund 20.000 Megawatt. Als „Ersatz“ sind jedoch 45 neue
Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 40.000 MW geplant. Wozu
das Doppelte? Warum nicht auf Energieeinsparung setzen?
Warum bevorzugen Energiekonzerne
gerade Kohlekraftwerke? Mit Kohlekraftwerken wird besonders viel
Geld verdient. Die Energiekonzerne bekommen die Emissionsrechte (die Rechte,
klimaschädliches CO2 in die Luft zu blasen) vom Staat geschenkt, können
sie aber dem Verbraucher in Rechnung stellen (und tun dies bereits schon)
oder weiterverkaufen, wenn sie sie nicht brauchen.
Deshalb fordern wir:
- Keine zusätzlichen Belastungen
der Luft in und um Karlsruhe durch Feinstäube und Schwermetalle!
- Keine Genehmigung des Kohlekraftwerks
und der Verbrennungsanlage!
- Das zuständige Regierungspräsidium
Karlsruhe muss die geplanten Anlagen von Stora Enso und EnBW im Zusammenhang
sehen und darf keine Luftverschlechterung zulassen!
- Stattdessen: Es muss im Interesse
der Gesundheit der Bevölkerung und des globalen Klimaschutzes alles
getan werden, was die Luftqualität verbessert!
Was bringt
es, sich zu wehren? Damit steigt der Druck auf die EnBW, ein möglichst
umweltfreundliches Kraftwerk zu bauen. Der Standort Karlsruhe ist der erste
in einer ganzen Reihe von geplanten Kohlekraftwerken. Was bei uns geschieht,
wird deshalb Vorbildfunktion für andere Genehmigungsverfahren haben.
Ist die EnBW
nicht eine Nummer zu groß für erfolgreichen Bürgerprotest?
Eindeutig nein. 6300 Unterschriften haben Wirkung gezeigt. Die EnBW musste
ihre Planung ändern. Dies ist ein großer Erfolg! Ihr Rückzieher
zeigt, dass bessere Lösungen möglich sind.
Ja, ist dann
nicht alles gut? Leider nein. Der Ausstoß von Feinstaub und
Treibhausgasen ist immer noch viel zu hoch. Der nun beantragte Ausstoß
an Schadstoffen pro Jahr wurde halbiert, pro Stunde ist er aber genauso
hoch wie bei der alten Planung. Dies ist nicht plausibel. Und dies ist
bei den häufigen Inversionswetterlagen, wenn die Schadstoffe sich
nicht weiträumig verteilen können, nicht hinnehmbar. Nach unserem
jetzigem Kenntnisstand ist auch bei einem Kohlekraftwerk eine weitere Verringerung
der Schadstoffe pro Tag möglich. Und es gilt: zum umweltbelastenden
Brennstoff Kohle gibt es Alternativen! Es geht nicht um technische Machbarkeit,
sondern um das Abwägen gegensätzlicher Interessen. Das Interesse
der EnBW an einem möglichst billigen Kraftwerk und billigem Brennstoff
steht gegen das Interesse der Karlsruher Bürgerinnen und Bürger
an sauberer Luft und das Interesse aller Menschen an einer Begrenzung der
Erderwärmung.
Deshalb bitten
wir Sie:
Machen Sie weiter Druck!!!
Wir können noch mehr erreichen!!!
Stellungnahme
der Umweltverbände gegen das EnBW-Kohlekraftwerk im immissionsschutzrechtlichen
Verfahren (rtf-Datei)
Gegen Klimaschutz-Fiasko
in Karlsruhe - BUND gegen voreiligen Baubeginn für Kohlekraftwerk
(23.2.2008)
BUND
Baden-Württemberg: Kohlekraftwerk in Karlsruhe blockiert Klimachutz
(29.2.2008)
Angebliche
Halbierung von Schadstoffmengen des geplanten Kohlekraftwerks in Karlsruhe
kurz vor dem Erörterungstermin ist nicht nachvollziehbar
(19.11.2007, pdf-Datei)
Pläne
für Kohlekraftwerk in Karlsruhe stehen dem Klimaschutz entgegen
BUND
protestiert gegen Pläne von Stora Enso - Gigantische Müllverbrennungsanlage
in Karlsruhe ist ökologisch und ökonomisch nicht zu verantworten
(13.2.2007)
Aktionsbündnis
Saubere Luft Region Karlsruhe
(außerhalb unserer Seiten)
u.a. BUND Karlsruhe, NABU Karlsruhe, BUZO Bürgeraktion,
Bürgerverein Knielingen, Bürger für Karlsruhe, Bündnis
90/ Die Grünen Karlsruhe, Bündnis 90/ Die Grünen Karlsruhe-Land,
Aktion Partnerschaft 3. Welt e.V., Schöpfung nachhaltig bewahren e.V.,
ADFC Karlsruhe
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