5. April 2003

Frieden für Vogelschutzgebiete

BUND zum SPD-Parteitag in Neustrelitz: Aufruf zum politischen Widerstand gegen Bombenabwurfplatz / Erste Abwürfe schon nach Ostern geplant

Akuten politischen Handlungsbedarf zum Bombenabwurfplatz südlich der Müritz sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei der Landes-SPD.

Auf dem Landesparteitag in Neustrelitz forderte der BUND die Regierungspartei auf, die im Koalitionsvertrag auf Bundesebene vereinbarte Überprüfung des geplanten Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide bei der Bundesregierung einzufordern. Verteidigungsminister Struck will noch in diesem Monat die Erlaubnis für die ersten Bombenabwurftrainings geben.

BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag: „Der BUND beteiligt sich an der Sammelklage der Gemeinden gegen das Bundesverteidigungsministerium. Die Planungen zum Bombenabwurfplatz sind voller Fehler und Darstellungs­lücken. Die geplanten Tiefanflüge auf den Bombenabwurfplatz stellen die vorgesehenen FFH-Gebiete und die bestehenden Vogelschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in Frage. Betroffen sind 24 Schutzgebiete. Aber auch andersherum stellen die massiven Ansammlungen von Zug- und Nistvögeln eine Gefahr für die anfliegenden Flugzeuge dar.“

Allein im Müritz-Nationalpark brüten 15 Seeadlerbrutpaare, 18 Fischadlerbrutpaare, 60 Kranichbrutpaare. Hinzu kommen ca. 7.000 rastende Kraniche. Der gesamte Nationalpark ist internationales Vogelschutzgebiet.

Betroffen sind jedoch auch mehr als 2.050 Dauerarbeitsplätze im einzigen Wachstumssektor der Wirtschaft des Landes: im Tourismus. Im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte übernachten mehr als 4 Millionen Besucher im Jahr. Neben den zahlreichen gastronomischen Einrichtungen gibt es im Tieffluggebiet 26 Hotels, 20 Ferienhaussiedlungen, 33 Campingplätze, 4 Schifffahrtslinien, 9 Charterunternehmen, 7 Kanureiseunternehmen und 6 Radreiseunternehmen. Bisher sind Investitionen in Höhe von 548,9 Mio. Euro in die Region geflossen.

„Der Erfolg von 12 Jahren Aufbauarbeit darf nicht für fragwürdige Militärinteressen zur Disposition gestellt werden. Wir rufen deshalb die SPD Mecklenburg-Vorpommern auf, alle Register des politischen Handelns zu nutzen. Der geplante Bombenabwurfplatz darf nicht zum Verhängnis für Menschen und Natur der Mecklenburgischen Seenplatte werden!“ sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.