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Schwerin, 29.August 2006 / 45-06

Schon wieder Tierkadaver in der Sonne: BUND stellt Antrag auf Schließung der Schweinemastanlage Medow

BUND stellt Antrag auf Entzug der Betriebsgenehmigung für Schweinemastanlage Medow bei Anklam / Investor plant auch Anlagen in Alt Tellin bei Demmin und Wendisch-Priborn bei Plau am See

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat heute beim Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) in Stralsund den Entzug der Betriebsgenehmigung für die umstrittene Weitere BilderSchweinemastanlage Medow bei Anklam und die Überprüfung der Zuverlässigkeit des Investors Adrianos Gerardus Maria Straathof beantragt. Das StAUN will sich am morgigen Mittwoch, den 30.8.2006 ein Bild von den Zuständen der noch im Bau befindlichen aber dennoch bereits produzierenden stark umstrittenen Schweinemastanlage machen.

BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag: „Erst auf Presseberichte wurde jetzt ein Kadaverhaus gebaut, trotzdem lagen am vergangenen Freitag wieder - wie schon im Juli 2006 - tote Schweine haufenweise unter freiem Himmel in der Augustsonne.* Das ist kein verantwortungsbewußter Anlagenbetrieb! Der BUND hat deshalb ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit des Anlagenbetreibers Adrianos Gerardus Maria Straathof beim StAUN in Stralsund angemeldet. Auch der Umgang mit der Gülle entspricht nicht den Auflagen der Behörden. Im Dorf stinkt es zum Himmel. Die Anwohner können seit Wochen tageweise ihre Terrassen und Gärten nicht nutzen und nicht bei offenem Fenster schlafen. Obwohl die Anlage noch im Bau ist, werden bereits Tiere gehalten. Zahlreiche Bestimmungen der Genehmigung sind nicht eingehalten worden. Deshalb hat der BUND bei der zuständigen Behörde in Stralsund den Entzug der Betriebserlaubnis und eine Überprüfung des Investors beantragt.“

Die Genehmigung der Anlage für die Haltung von für 15.000 Tieren auf Betonspalten vom 27.9.2002 schreibt unter anderem ein für die Intensivtierhaltung unverzichtbares Lüftungssystem, riesige Güllebehälter und ein Kadaverhaus vor. An der Baustelle sind jedoch bislang offenbar weder Güllebehälter errichtet worden, noch Maßnahmen zur Geruchsminderung durch die Gülle eingeleitet worden. Mit dem Bau des Kadaverhauses ist erst nach dem ersten Kadaver-Skandal im Juli begonnen worden. Dennoch lagen die Kadaver am Freitag wieder in der Sonne.

„In den industriellen Tierhaltungsanlagen ist es aufgrund der besonderen Enge, des fehlenden Auslaufs und der atemhygienischen Bedingungen des Vollspaltenbodens für die Tiere unverzichtbar für ausreichende Belüftung und – vor allem im Hochsommer - für Temperierung der harten Liegeflächen zu sorgen. Ist dies nicht der Fall, steigert sich die Krankheitsanfälligkeit der ohnehin empfindlichen Tiere. Es sind an der Anlage keine verteilten Abluftführungen sichtbar. Da der Betrieb noch vor der Fertigstellung der Anlage aufgenommen wurde und auch eine Anfrage des Bauamtes nach den offensichtlich erfolgten Änderungen des Baukonzeptes unbeantwortet blieb, steht zu befürchten, daß neben anderen Bauauflagen auch keine ausreichende Lüftung existiert. Die große Tiersterblichkeit ist Hinweis auf den unsachgemäßen Anlagenbetrieb. Und für die Anwohner ist so eine Nachbarschaft einfach unzumutbar.“ so Corinnna Cwielag vom BUND.

Der BUND klagt seit dem 1. Dezember 2004 vor dem Verwaltungsgericht Greifswald gegen die Anlagengenehmigung, die nach BUND-Ansicht auch gegen Naturschutzanforderungen verstößt. Die holländischen Antragsteller haben die Genehmigung inzwischen schon zweimal weiterverkauft. „Brisant ist, daß der jetzige Inhaber noch eine weitere sehr große Schweine-Anlage mit industriellen Haltungsbedingungen in Alt Tellin bei Demmin in Mecklenburg-Vorpommern bauen und betreiben will." warnt Corinna Cwielag vom BUND

* Siehe Fotos
Rückfragen: BUND-Landesgeschäftsstelle, Corinna Cwielag, Tel.: 0385/565470 oder: 0178 5654700