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Schwerin, den 15.02.08 / 10-08
Baumfällungen in Sellin auf Rügen --
BUND kritisiert Waldzerstörung an Steilküste
"Was hier passiert, ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben". Arndt
Müller, Biologe und Naturschutzexperte des Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt sich angesichts der Baumfällungen
im Küstenschutzwald der Insel Rügen in Sellin erschüttert. Seit dem 12.
Februar werden für ein geplantes Luxuswohngebiet an der Steilküste der
Insel Rügen über 1000 Bäume in einem Waldstück gefällt und Teile des
Waldes komplett beseitigt.
Auch in diesem Winter hat es erneut starke Küstenabbrüche auf der
Insel Rügen gegeben. Geologen warnen vor weiterem Küstenrückgang, raten
dazu, die Küstenlinie nicht weiter zu bebauen. Bürger wehren sich,
treten für den Erhalt ihrer natürlichen Lebensumwelt ein und trotzdem:
Mit einer unfassbaren Ignoranz genehmigte die Gemeinde Sellin die
Errichtung eines Eigenheimgebietes in nur 90 Meter Entfernung zur
Steilküste. Der gesetzlich festgelegte Küstenschutzstreifen in dem nicht
gebaut werden sollte, beträgt jedoch 200 Meter.
Arndt Müller: "Die Gier eines Bürgermeisters und willfährige
Gemeindevertreter lassen vernünftige Argumente verhallen."
Besonderen Wert erhält das jetzt für Eigenheime zerstörte Gebiet auch
durch Zeugen der einstigen Bewirtschaftung als Niederwald. Zahlreiche
Hainbuchen, Buchen und Haselsträucher zeigen deshalb malerische
Mehrstämmigkeit. In früheren Zeiten wurden ausgewählte Bäume in
regelmäßigen Abständen heruntergeschnitten, um das Holz zu nutzen. An
den Schnittstellen trieben sie dann immer wieder neu aus.
Arndt Müller: "Derartige Wälder mit ihren prächtigen Frühjahrsblühern
Leberblümchen, Buschwindröschen und Lerchensporn, und noch dazu in
unmittelbarer Küstennähe gelegen, sollten unbedingt erhalten werden. Und
das nicht nur in Nationalparks oder anderen Schutzgebieten. Es ist
unfassbar, wie die Naturschutzbehörden so ein Gebiet für die Bebauung
frei geben können."
Besonders in Küstennähe haben Wälder eine wichtige Bedeutung für den
Küstenschutz. Sie bremsen den Wind und puffern den Niederschlag. Darüber
hinaus sind sie hochattraktive Erholungsräume für die Bewohner und die
zahlreichen Gäste der Insel Rügen. Mit dem Vorgehen in Sellin werden
egoistische Einzelinteressen einer Gemeinde über das öffentliche
Interesse am Erhalt von Waldflächen gestellt.
Arndt Müller: "Die Bürgerinnen und Bürger der Insel Rügen haben es
selbst in der Hand, sich in den Gemeindevertretungen durch Menschen
vertreten zu lassen, denen nicht das schnelle Geld, sondern eine
nachhaltige Entwicklung Rügens am Herzen liegt. Nur über den Erhalt der
herrlichen Natur- und Kulturlandschaften der Insel wird sie auf Dauer
ihre Attraktivität behalten. Eine Bewahrung unverbauter Küsten gehört
unbedingt dazu."
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| Rote
Punkte besiegeln das Ende von über 1000 Bäumen an der Küste von
Rügen. |
Malerische Zeugin einstiger Nutzung als Niederwald - Mehrstämmige
Buche
bei Sellin. Jetzt steht sie nicht mehr. |
Wo
einst das malerische Leberblümchen den Frühling ankündigte, sollen
nun teure Eigenheime entstehen. |
Die Bilder sind zur kosten- und lizenfreien Nutzung. Bildautor: BUND
M-V Die Bilder zeigen Impressionen aus dem Waldgebiet, das derzeit
gefällt wird.
Weitere Informationen zum Thema "Küstenrückgang" unter
http://www.ikzm-d.de/modul.php?show=131
V.i.S.d.P. Arndt Müller, Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470,
Mobil: 0151-50154932
E-Mail: arndt.mueller@bund.net |