Schwerin,
den 28.02.08/ 11-08Trotz 350
Unterschriften -- weitere Bäume im Schlossgarten Schwerin gefällt
BUND kritisiert Landesbetrieb für Bau und
Liegenschaften (BBL M-V) für baumfeindliche Umgestaltung des
Schlossgartens
"Wir sind entsetzt über das
kaltschnäuzige Vorgehen der Planer im Schlossgarten. Denkmalpflege
orientiert sich hier willkürlich an Plänen des 18. Jahrhunderts und
respektiert nicht die bisherige Entwicklung des Gartens." kritisiert
Jürgen Friedrich, Baumschutzexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) die kurzfristige Fällung von weiteren 26 Ahornbäumen
im Schlossgarten Schwerin.
"Bereits 400 Bäume wurden in den letzten
zwei Jahren im Schlossgarten gefällt, weil sie angeblich den
Vorstellungen früherer Gartenplaner nicht entsprechen. Mit dieser
Argumentation müsste auch das Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz
II. aus dem Schlossgarten verschwinden, das zu dieser Zeit noch nicht
vorhanden war."
Noch am Dienstag hat der BUND die in
wenigen Tagen gesammelten 350 Unterschriften für den Erhalt der Bäume im
Schlossgarten an den Vorhabensträger, den Landesbetrieb für Bau und
Liegenschaften, und an Oberbürgermeister Claussen, als Vertreter der
Genehmigungsbehörde, gesendet. Am nächsten Tag wurden bereits Tatsachen
geschaffen. Noch immer gehen Unterschriftenlisten beim BUND ein.
Jürgen Friedrich: "Die Menschen, die bei
uns anrufen sind maßlos enttäuscht. Das Bürgervotum ist den Planern
völlig egal. Hier geht es allein um die ehrgeizigen Pläne von
Denkmalpflegern, die ihr teures Umbaukonzept verwirklichen wollen. Mit
diesem Konzept wurde gar nicht versucht, gewachsene Strukturen, die
ebenso Zeitgeschichte widerspiegeln, zu erhalten. Fördermittel machen
hier auf Kosten von 400 Bäumen Luxussanierung möglich. Am Burgsee war es
hingegen uninteressant, ob die alten Pläne eines Georg Adolf Demmler in
Form eines Landschaftsparks umgesetzt werden. Dies macht die
denkmalpflegerische Herangehensweise höchst unglaubwürdig."
Der BUND kritisiert seit langem die
Vorgehensweise in der Stadt Schwerin, in der mehrere Vorhabensträger in
Abstimmung mit der BUGA GmbH die Ziele der Bundesgartenschau 2009
umsetzen und mit millionenschweren Fördermittelgaben die Stadtnatur zu
großen Teilen beseitigen oder rigoros umbauen. Weit über 1000 Bäume sind
im Zusammenhang mit den BUGA-Vorbereitungen im Bereich der Innenstadt
Schwerins bereits gefällt worden.
Jürgen Friedrich: "Es macht einen großen
Unterschied, ob schon Jahrzehnte gewachsene, gesunde und am Standort
etablierte Bäume erhalten werden oder mit hohem finanziellen Aufwand
Bäume gefällt und durch weit jüngere Bäume statistisch ersetzt werden.
Altbäume haben weitaus positivere Effekte auf das Mikroklima der Stadt.
Neupflanzungen haben hingegen wegen zahlreicher Umwelteinflüsse heute
eine deutlich geringere Chance, gesund ein hohes Alter zu erreichen."
Als besonders skandalös empfinden die
Schwerinerinnen und Schweriner an der Seite des BUND die geplante
Beseitigung von drei imposanten Sumpfzypressen in der Nähe des
Schlosses. Diese sind noch auf den Schlossgärtner Theodor Klett
zurückzuführen, der gestern auf einem Symposium im Schweriner Schloss
gewürdigt wurde. Bei den Bäumen handelt es sich um dendrologische
Kostbarkeiten, die nach Auskunft von Stadtführern bisher mit
interessanten Geschichten den Gästen der Stadt vermittelt wurden.
V.i.S.d.P. Arndt Müller, BUND M-V,
Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470
Die beiliegenden Bilder können lizenz-
und kostenfrei genutzt werden. Autor: BUND M-V
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| Beliebte Spaziermeile mit schönem
Baumbestand - die Lennestrasse im Schweriner Schlossgarten. |
Ein trauriges Bild bot sich am
gestrigen Mittwoch. Weitere 26 Bäume erhöhten die Zahl der
Baumfällungen im Schweriner Schlossgarten auf rund 400 in nur zwei
Jahren. |
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