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Schwerin, den
01.03.2008 / 12-08
Keine Stickstoffbrühe in den Schweriner See!
BUND klagt gegen Entwässerung eines
Moorgebietes in der Landeshauptstadt
Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) Mecklenburg-Vorpommern hat sich am Donnerstag an das
Verwaltungsgericht Schwerin gewandt. Dieser Schritt war notwendig
geworden, weil der Wasser- und Bodenverband Schweriner See/ Obere Sude
an Plänen festhält, das Gebiet der Karausche, eines der schönsten und
wertvollstes Naturareale in der Landeshauptstadt, durch einen Ausbau des
Grabensystems zu entwässern. Die Stadt Schwerin hatte für dieses Projekt
die Genehmigung erteilt. Begründung: Man brauche das Gebiet für die
Ableitung von Regenwasser aus einem künftigen Eigenheimgebiet und für
Ausstellungsflächen der BUGA 2009.
Der BUND hatte mehrfach auf Alternativen
verwiesen, war aber systematisch durch die Stadt ausgebremst und zuletzt
sogar getäuscht worden. Noch während sich Mitte 2007 BUND und Stadt
Schwerin über den Sinn und die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen
austauschten, hatte die Stadtverwaltung, ohne den BUND in Kenntnis zu
setzen, den ersten Bauabschnitt bereits genehmigt. Dies war erst mit der
Ende Januar 2008 ergangenen Genehmigung für den 2. und 3. Bauabschnitt
öffentlich bekannt
geworden. In diesen Tagen will der Wasser- und Bodenverband beginnen,
neue Gräben auszuheben, alte Gräben zu verbreitern, zu vertiefen und an
den Schweriner anzuschließen. Es sollen zahlreiche Gehölze fallen.
"Entwässerungen von Moorgebieten sind ein
Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Sie wurden durchgeführt, um in den
Mooren landwirtschaftlich wirtschaften zu können. Indem man Mooren das
Wasser abgräbt, erzeugt man allerdings zahlreiche Umweltprobleme. Große
Stickstoffmengen werden aus den Böden frei und fließen, wie in diesem
Fall, in den Schweriner See. 2
bis 3 Tonnen Stickstoff jährlich wären als Zusatzbelastung für den See
zu erwarten. Seine Wasserqualität würde sehr darunter leiden. Dies
können wir als Umweltverband nicht hinnehmen und wissen uns dabei mit
den Schwerinerinnen und Schwerinern einig. Schließlich ist der See die
Perle der Stadt", betont Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND, der
weiß wovon er spricht. In den 1990er Jahren absolvierte er seine
Ausbildung bei "Moorschutzpapst" Professor Succow an der Universität
Greifswald.
"Schon lange hat man den Wert von
Moorgebieten für den Wasserhaushalt und den Klimaschutz erkannt. Intakte
Moore speichern Kohlendioxid und halten überschüssige Nährstoffe aus dem
Grundwasser zurück. Sie sind die Niere und die Leber der Landschaft.
Nicht umsonst gibt Mecklenburg-Vorpommern Millionen für den Schutz der
Moore aus und hebt in den Niederungen die Wasserstände an."
Im Gebiet der Karausche allerdings, so
der BUND, hat der Wasser- und Bodenverband einfach die Argumentation
umgedreht und behauptet, mit einem Ausbau der Gräben die Wassersituation
des Gebietes zu verbessern und die geschützten Biotope des Gebietes
dadurch zu erhalten.
"Diese Argumentation ist absurd.", so
Arndt Müller. "Wer etwa von Mooren versteht, erkennt anhand der Pläne
sofort, dass in sommerlichen Trockenphasen das Grundwasser in den
Feuchtwiesen über einen Meter tief absinken kann. Das ist das Ende der
Blütenpracht! BUGA-Pläne sollen hier Flächen zerstören, die eigentlich
schon jetzt einen perfekten 'Naturgarten' repräsentieren und nur noch
mit einer Informationstafel versehen werden müssten."
Dass die Stadtverwaltung Schwerins
offenbar mit der BUGA völlig überfordert ist, wird dadurch belegt, so
der BUND, dass das Amt für Ordnung und Umwelt nicht nur im Fall der
Karausche gegen seine eigenen Planungen arbeitet. Erst 2006 hatte das
Amt einen neuen "Landschaftsplan" für das Stadtgebiet aufgelegt. Mit
diesem durch ein Gutachterbüro erstellten Fachplan wird für die nächsten
rund 10 Jahre die Landschaftsplanung der Landeshauptstadt und damit die
ökologische Grundlage für die Bauleitplanung festgelegt. Darin heißt es
über das Gebiet der Karausche: "Aufgrund der Biotoptypenausstattung, der
Lage, der Größe, der Geschlossenheit und besonderen Lebensraumfunktion
für viele verschieden Artengruppen (Vögel, Schmetterlinge, Laufkäfer und
Pflanzen) von sehr hoher Bedeutung für Arten und Biotope. Das Gebiet
wird zur Ausweisung als Naturschutzgebiet vorgeschlagen."
Das gleiche Amt genehmigt nun das
Vorhaben des Wasser- und Bodenverbandes Schweriner See / Obere Sude, mit
dem es zu schwersten Eingriffen in das wertvolle Naturareal der
Karausche kommen soll. Um den Grabenausbau überhaupt realisieren zu
können, müssen zunächst auf dem schlüpfrigen und empfindlichen Moorboden
Baustraßen angelegt werden, der Schlamm aus den Gräben soll aus
Kostengründen im Gebiet verbleiben und würde dadurch empfindliche
Vegetation mit Nährstoffen überschwemmen. Schließlich führt die
zusätzliche Stickstoffbelastung aus den Gräben zu Veränderungen der
Wasserpflanzen und damit der Vogelwelt auf dem angrenzenden Schweriner
See, der als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist.
"Nicht nur die Eingriffe in die Natur
sind katastrophal.", verweist Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin
des BUND auf die in diesem Fall zwielichtige Förderpraxis durch
Landesbehörden. "Zu Beginn der Planungen war die Stadt Schwerin selbst
der Antragsteller. Sie konnte aber nicht an entsprechende Fördermittel
gelangen. So wurde von Seiten der Stadt der Wasser- und Bodenverband
gewonnen, der anschließend mit Einverständnis von Landesbehörden
150.000,00 Euro aus EU-Mitteln beantragte, die eigentlich dem naturnahen
Gewässerausbau vorbehalten sind. So ist es auch am Burgsee gelaufen. Und
wer sich das heute ansieht, der weiß: Mit naturnahem Ausbau hat das rein
gar nichts zu tun. Hier handelt es sich im Rahmen der
BUGA-Vorbereitungen um eine Zweckentfremdung von Fördermitteln. Das darf
der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden."
Lösungen für den Konflikt an der
Karausche sieht der BUND in der Aufgabe der jetzigen Pläne durch den
Wasser- und Bodenverband und in der Diskussion und der Realisierung
einer alternativen Regenentwässerung aus dem geplanten Eigenheimgebiet
"Küchengarten". Sie könnte so geführt werden, dass sie dem Moor nützt
und nicht schadet.
V.i.S.d.P. Arndt Müller, BUND M-V,
Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470 E-Mail:
arndt.mueller@bund.net
Fotos zur lizenz- und kostenfreien
Verwendung:
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| Schon steht schweres
Gerät in Wartestellung, um Gräben auszuheben. Nach dem Willen des
BUND käme er nicht zum Einsatz. |
Schon zeigen sich
erste Spuren von schwerem Gerät auf dem weichen Moorböden. Der
BUND warnt vor ökologischen Schäden. |
Weil dieser Uferweg
angeblich sehr oft überstaut ist, soll das Moor entwässert werden.
Der BUND lehnt dieses angebliche Problem als frei erfunden ab. |
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| Auch diese Bäume
müssten den Plänen weichen |
Diese Algenwatten
würden sich noch verstärken, sollte das Moor noch tiefer
entwässert werden. |
Derart verunreinigtes
Wasser würde mit den Plänen des Wasser- und Bodenverbandes auf
schnellstem Wege in den Schweriner See gelangen. |
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