bundlogo

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern


BUNDregional
Geschäftsstellen und Gruppen
BUNDthemen
Inhalte unserer Arbeit
BUNDpresse
Veröffentlichungen
BUNDhelfen
Unterstützen Sie uns!
BUNDjugend
Jugendorganisation des BUND
BUNDlinks
Verweise zu wichtigen Umweltseiten
 
Kontakt:
Landesgeschäftsstelle
bund.mv@bund.net
Tel.: 0385/565470
Fax: 0385/563661
Impressum

Schwerin, den 05.04.08/20-08

Jeden Tag ein Flächenverlust von 12 Fußballfeldern
BUND appelliert: Mehr Anstrengungen gegen Artenschwund
und genetische Verarmung notwendig

Am Sonnabend, dem 05.April findet auf Einladung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow der Naturschutztag Mecklenburg-Vorpommern 2008 statt. Aus diesem Anlass appelliert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an Gemeinden, Landkreise und Landesregierung, noch mehr als bisher für den Erhalt der biologischen und landeskulturellen Vielfalt zu tun.

Der weiterhin rasante Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr auch in Mecklenburg-Vorpommern ist eine der Hauptursachen für den Schwund an Tier- und Pflanzenarten. Das Land besitzt 7,5 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche. Letztere vergrößerte sich seit 1990 bis 2006 um rund 30 Prozent. Täglich werden für Siedlungs- und Verkehrsfläche in Mecklenburg-Vorpommern rund 90.000 Quadratmetern mit Beton oder Asphalt versiegelt. Dies entspricht einer Fläche von 12 Fußballfeldern. Damit verringert sich der Lebensraum selbst für Allerweltsarten, wie den Sperling, dessen Bestand in den letzten Jahren stark abgenommen hat.

Mathias Grünwald, Professor für angewandte Zoologie und Tierökologie an der Hochschule Neubrandenburg und Vorsitzender des BUND Mecklenburg-Vorpommern:
"Im Bezug auf die ehrgeizigen Ziele der Naturschutzpolitik müssen wir konstatieren, dass Deutschland und mit ihm Mecklenburg-Vorpommern weit vom selbstgesteckten Ziel entfernt ist, bis 2010 den Artenverlust zu stoppen. Zu diesem ehrgeizigen Ziel hatte sich Deutschland im Rahmen der Internationalen Biodiversitätskonvention 1993 verpflichtet."

Und mit Verweis auf die notwendigen Schritte führt Professor Grünwald vom BUND aus: "Beispielsweise muss unser Umgang mit der Fläche effizienter werden. Die Sanierung von Altstadtquartieren und Dorfkernen bedarf einer noch stärkeren Förderung, innerstädtische und vorbelastete Brachen müssen revitalisiert und die Errichtung von Baugebieten im Außenbereich darf im Interesse großer wenig gestörter und artenreicher Räume nicht weiter intensiviert werden. Dies gilt für Gewerbegebiete ebenso wie für Ferienhaussiedlungen und Campingplätze. Hier tragen die Gemeinden eine große Verantwortung nicht nur für ihr Planungsgebiet."

Die Revitalisierung großer Moorgebiete über das Moorschutzprogramm der Landesregierung ist nach Einschätzung des BUND eine der größten Erfolge für den Erhalt biologischer Vielfalt, den die Naturschutzarbeit in Mecklenburg-Vorpommern seit der politischen Wende erzielen konnte. Diesen Erfolg sieht der BUND allerdings derzeit durch die Reduzierung von Gewässerrandstreifen in der Landwirtschaft, durch Maismonokulturen für die Bioenergieerzeugung oder den weiterhin ungebremsten Abbau von Mooren unseres Landes für die Gartentorfgewinnung wieder gefährdet. Sollten den Flüssen, Seen und Kleingewässern nicht breitere Schutzstreifen gegenüber der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung zugestanden werden, kann das Problem der Nährstoffüberlastung der Gewässer nicht gelöst werden.

Neben den vielen Einzelprojekten in Stadt und Land, die biologische Vielfalt beeinträchtigen, sind es vor allem zahlreiche Großprojekte, die derzeit in großem Stil wertvolle Flächen in Anspruch nehmen wollen. Dazu gehören das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin -- energiepolitisch und naturschutzfachlich ein Desaster die Autobahn A 14 -- ein weiteres verkehrs- und umweltpolitisch falsches Projekt die völlig vermeidbare OPAL-Gasleitung, die neben einer bereits genehmigten Gasleitung als zweite Leitung russisches Erdgas von Lubmin Richtung Süden transportieren soll

Der BUND weist jedoch darauf hin, dass zum Erhalt der biologischen Vielfalt auch der Erhalt genetischer Vielfalt im Bereich der Landwirtschaft gehört. So arbeiten insbesondere ökologisch wirtschaftende Betriebe mit vielen rein züchterisch bearbeiteten Nutzpflanzensorten und mit alten robusten Nutztierrassen. Die Einführung von gentechnisch veränderten herbizidresistenten Pflanzen führt hingegen zum Artenrückgang beispielsweise von Feld- und Singvögeln durch das Fehlen der Unkrautsamen als Hauptnahrungsquelle für die Vögel.

Der BUND kritisiert dahingehend die Aktivitäten von Wissenschaftlern der Universität Rostock. Ab dem Frühjahr 2008 führen sie einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Thulendorf bei Rostock durch. Die Pflanzen sollen eine erhöhte Resistenz gegen Brandpilzerkrankungen besitzen, sind jedoch genetisch auch auf eine Resistenz gegen Unkrautvernichter getrimmt. Dies alles dient allein der Intensivlandwirtschaft mit ihren wenigen Hochleistungssorten und verdrängt angepasste alte Kultursorten, Wildkräuter, Insekten und Wildtiere aus den landwirtschaftlichen Räumen. Die ökologische Landwirtschaft unterdrückt hingegen durch geschickte Fruchtfolge und mechanische Bearbeitung allzugroße Wildkrautbestände in den Kulturen und lässt darüber hinaus viel Platz für Rebhuhn und Feldhase.

Agrarexperte Dr. Burkhard Roloff vom BUND:
"Der BUND unterstützt die Gründung gentechnikfreier Regionen durch die Landnutzer. Damit sichern wir biologische Vielfalt in vielen landwirtschaftlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns. Doch muss auch immer wieder betont werden, dass nicht allein die Produzenten sondern vor allem wir als Verbraucher einen Landnutzungswechsel initiieren müssen. Indem wir ökologisch produzierte und möglichst regionale Produkte bevorzugen, leisten wir einen wichtigen Beitrag für eine artenreiche und bunte Landschaft."

Derzeit eine der größten Gefahren für die biologische Vielfalt: Bioenergiepflanze Mais

V.i.S.d.P.  Arndt Müller (Dipl.-Biol.), Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470