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Schwerin, den
05.04.08/20-08
Jeden Tag ein Flächenverlust von 12 Fußballfeldern
BUND appelliert: Mehr Anstrengungen gegen
Artenschwund
und genetische Verarmung notwendig
Am Sonnabend, dem 05.April findet auf Einladung
des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz
Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow der Naturschutztag
Mecklenburg-Vorpommern 2008 statt. Aus diesem Anlass appelliert der Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an Gemeinden, Landkreise
und Landesregierung, noch mehr als bisher für den Erhalt der
biologischen und landeskulturellen Vielfalt zu tun.
Der weiterhin rasante Flächenverbrauch für
Siedlung und Verkehr auch in Mecklenburg-Vorpommern ist eine der
Hauptursachen für den Schwund an Tier- und Pflanzenarten. Das Land
besitzt 7,5 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche. Letztere vergrößerte
sich seit 1990 bis 2006 um rund 30 Prozent. Täglich werden für
Siedlungs- und Verkehrsfläche in Mecklenburg-Vorpommern rund 90.000
Quadratmetern mit Beton oder Asphalt versiegelt. Dies entspricht einer
Fläche von 12 Fußballfeldern. Damit verringert sich der Lebensraum
selbst für Allerweltsarten, wie den Sperling, dessen Bestand in den
letzten Jahren stark abgenommen hat.
Mathias Grünwald, Professor für angewandte
Zoologie und Tierökologie an der Hochschule Neubrandenburg und
Vorsitzender des BUND Mecklenburg-Vorpommern:
"Im Bezug auf die
ehrgeizigen Ziele der Naturschutzpolitik müssen wir konstatieren, dass
Deutschland und mit ihm Mecklenburg-Vorpommern weit vom selbstgesteckten
Ziel entfernt ist, bis 2010 den Artenverlust zu stoppen. Zu diesem
ehrgeizigen Ziel hatte sich Deutschland im Rahmen der Internationalen
Biodiversitätskonvention 1993 verpflichtet."
Und mit Verweis auf die notwendigen Schritte führt
Professor Grünwald vom BUND aus: "Beispielsweise muss unser Umgang mit der Fläche
effizienter werden. Die Sanierung von Altstadtquartieren und Dorfkernen
bedarf einer noch stärkeren Förderung, innerstädtische und vorbelastete
Brachen müssen revitalisiert und die Errichtung von Baugebieten im
Außenbereich darf im Interesse großer wenig gestörter und artenreicher
Räume nicht weiter intensiviert werden. Dies gilt für Gewerbegebiete
ebenso wie für Ferienhaussiedlungen und Campingplätze. Hier tragen die
Gemeinden eine große Verantwortung nicht nur für ihr Planungsgebiet."
Die Revitalisierung großer Moorgebiete über das
Moorschutzprogramm der Landesregierung ist nach Einschätzung des BUND
eine der größten Erfolge für den Erhalt biologischer Vielfalt, den die
Naturschutzarbeit in Mecklenburg-Vorpommern seit der politischen Wende
erzielen konnte. Diesen Erfolg sieht der BUND allerdings derzeit durch
die Reduzierung von Gewässerrandstreifen in der Landwirtschaft, durch
Maismonokulturen für die Bioenergieerzeugung oder den weiterhin
ungebremsten Abbau von Mooren unseres Landes für die Gartentorfgewinnung
wieder gefährdet. Sollten den Flüssen, Seen und Kleingewässern nicht
breitere Schutzstreifen gegenüber der landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung zugestanden werden, kann das Problem der
Nährstoffüberlastung der Gewässer nicht gelöst werden.
Neben den vielen Einzelprojekten in Stadt und
Land, die biologische Vielfalt beeinträchtigen, sind es vor allem
zahlreiche Großprojekte, die derzeit in großem Stil wertvolle Flächen in
Anspruch nehmen wollen. Dazu gehören das geplante Steinkohlekraftwerk
Lubmin -- energiepolitisch und naturschutzfachlich ein Desaster die
Autobahn A 14 -- ein weiteres verkehrs- und umweltpolitisch falsches
Projekt die völlig vermeidbare OPAL-Gasleitung, die neben einer bereits
genehmigten Gasleitung als zweite Leitung russisches Erdgas von Lubmin
Richtung Süden transportieren soll
Der BUND weist jedoch darauf hin, dass zum Erhalt
der biologischen Vielfalt auch der Erhalt genetischer Vielfalt im
Bereich der Landwirtschaft gehört. So arbeiten insbesondere ökologisch
wirtschaftende Betriebe mit vielen rein züchterisch bearbeiteten
Nutzpflanzensorten und mit alten robusten Nutztierrassen. Die Einführung
von gentechnisch veränderten herbizidresistenten Pflanzen führt hingegen
zum Artenrückgang beispielsweise von Feld- und Singvögeln durch das
Fehlen der Unkrautsamen als Hauptnahrungsquelle für die Vögel.
Der BUND kritisiert dahingehend die Aktivitäten
von Wissenschaftlern der Universität Rostock. Ab dem Frühjahr 2008
führen sie einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in
Thulendorf bei Rostock durch. Die Pflanzen sollen eine erhöhte Resistenz
gegen Brandpilzerkrankungen besitzen, sind jedoch genetisch auch auf
eine Resistenz gegen Unkrautvernichter getrimmt. Dies alles dient allein
der Intensivlandwirtschaft mit ihren wenigen Hochleistungssorten und
verdrängt angepasste alte Kultursorten, Wildkräuter, Insekten und
Wildtiere aus den landwirtschaftlichen Räumen. Die ökologische
Landwirtschaft unterdrückt hingegen durch geschickte Fruchtfolge und
mechanische Bearbeitung allzugroße Wildkrautbestände in den Kulturen und
lässt darüber hinaus viel Platz für Rebhuhn und Feldhase.
Agrarexperte Dr. Burkhard Roloff vom BUND:
"Der
BUND unterstützt die Gründung gentechnikfreier Regionen durch die
Landnutzer. Damit sichern wir biologische Vielfalt in vielen
landwirtschaftlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns. Doch muss auch
immer wieder betont werden, dass nicht allein die Produzenten sondern
vor allem wir als Verbraucher einen Landnutzungswechsel initiieren
müssen. Indem wir ökologisch produzierte und möglichst regionale
Produkte bevorzugen, leisten wir einen wichtigen Beitrag für eine
artenreiche und bunte Landschaft."
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| Derzeit eine der größten Gefahren
für die biologische
Vielfalt: Bioenergiepflanze Mais |
V.i.S.d.P. Arndt Müller
(Dipl.-Biol.), Referent für Naturschutz,
Tel. 0385-565470 |