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Schwerin, 21.04.2008/ 24-08

BUND bescheinigt der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin
fehlende Nachhaltigkeit

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht auch 365 Tage vor Beginn der Bundesgartenschau 2009 (BUGA) in Schwerin die Planungen noch nicht auf einem guten Weg. Gemessen an den drei wichtigen Kriterien der Nachhaltigkeit (ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, soziale Nachhaltigkeit) schneidet die Bundesgartenausstellung aus der Sicht des BUND schlecht ab.

Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND: "Wir sprechen uns wiederholt dafür aus, dass öffentlich geförderte Großvorhaben, wie die BUGA, noch stärker an den Kriterien der Nachhaltigkeit gemessen werden müssen. Dahingehend steht besonders die Landesregierung in der Pflicht. Planungsprozesse müssen bei einem derartig öffentlich geförderten Vorhaben weit mehr erzielen, als den Bustourismus anzukurbeln oder Hotels zu füllen."

Zur ökologischen Nachhaltigkeit:

Zahlreiche BUGA-Projekte wurden in Angriff genommen, ohne die bestehende ökologische Qualität der Stadtnatur der Landeshauptstadt zu berücksichtigen. Die enge Verbindung des Schweriner Sees als europäisches Vogelschutzgebiet mit einer kulturhistorisch wertvollen Altstadt bietet zahlreiche Chancen, Natur- und Kulturlandschaft harmonisch zu verbinden. Statt Röhrichte, Feuchtgebiete und Bäume an den Seeufern zu erhalten und zu ergänzen, sahen allerdings die Planungen besonders am Burgsee eine rigorose Beseitigung von geschützter Natur vor. Stahlspundwände und Betonkanten werden als ökologischer Gewässerausbau verkauft. Auch am Beutel, eine Seebucht des Schweriner Sees, im Schweriner Schlossgarten und an anderen Bereichen des südlichen Seeufers wurden bisher wenig berührte Naturareale überplant. Das Ziel, die biologischen Vielfalt im Stadtgebiet von Schwerin zu erhalten und durch die Schaffung neuer Lebensräume weiter zu erhöhen, war von Beginn an nicht in der Konzeption der BUGA 2009 enthalten. Durch Naturschutzklagen hat der BUND den Erhalt von Naturarealen erreicht und damit eine deutliche Verbesserung von Planungen der BUGA erzielt. Angesichts der starken Zurückdrängung von Natur aus dem Innenstadtbereich im Zuge der BUGA-Planungen empfindet der BUND den BUGA-Kunstwettbewerb "Entworfene Natur" als unpassend. Mit Sätzen wie: "Erst in der Kultivierung von Natur können wir Natur als etwas Ästhetisches wahrnehmen." werden absurde Haltungen gegen den Erhalt von Wildnisarealen deutlich, die im Kleinen wie im Großen, in Stadt und Land nicht nur als Lebensraum von Tieren und Pflanzen ihre Berechtigung haben.

Zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit:

Die Mehrkosten, die im Verlauf der BUGA-Planungen bereits jetzt in der Landeshauptstadt anfallen, sind erdrückend. Allein das Bauvorhaben "Schlosspromenade am Beutel" verursachte durch eklatante Verfahrensfehler der Verwaltung und der BUGA GmbH einen Mehrbedarf von 2,3 Millionen Euro. Diese Kosten werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Persönliche Verantwortlichkeiten und Konsequenzen werden durch die Verantwortlichen nicht gezogen. Inwieweit andere Projekte, wie der Ausbau des Burgsees einen finanziellen Mehrbedarf nach sich ziehen, muss abgewartet werden. Eine BUGA, die sich selbst nicht rechnet, kann sich nicht als ökonomisch nachhaltig bezeichnen.

Zur sozialen Nachhaltigkeit:

Ein Großereignis wie die BUGA sollte für alle Bevölkerungsschichten ein deutliches Plus an Lebensqualität erbringen. Dazu gehört, dass sich die Bürgerinnen und Bürger, dass sich sachkundige Vereine und Verbände und in die Planungen einbringen können und sinnvolle Vorschläge auch Berücksichtigung finden. Zwar gebe es vereinzelte Aktivitäten mit Seniorengruppen, doch die Erwartungen, die mit dem Motto "Eine ganze Stadt wird Gartenschau" geschürt wurden, konnten nicht erfüllt werden. Der BUND erfuhr mehrmals in Gesprächen mit der Stadt und der BUGA GmbH, dass Verbesserungsvorschläge gehört, jedoch nicht umgesetzt wurden. Die BUGA-Verantwortlichen haben es zudem versäumt, ein umfassendes Bildungsprojekt auf die Beine zu stellen. Das "Grüne Klassenzimmer" auf der IGA 2003 in Rostock hatte mit 2000 Bildungsveranstaltungen unter Beteiligung zahlreicher Verbände und Vereine Maßstäbe gesetzt. Die entsprechenden Fachleute des BUND wurden in Beratungsgremien der BUGA 2009 jedoch wegen Formalismen nicht aufgenommen. Die Stadt Schwerin nutzt in Vorbereitung der BUGA 2009 zudem nicht seine eigenen Ressourcen. So droht der Naturschutzstation Zippendorf -- seit Jahren eine wichtige Instanz auf den Gebieten des Naturtourismus und der Umweltbildung -- erneut eine Mittelkürzung von Seiten der Stadt.


V.i.S.d.P. Arndt Müller (Dipl.-Biol.), Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470
Die Bilder können kosten- und lizenzfrei genutzt werden. Autor: BUND M-V

Bis zum Jahr 2007 fanden sich am Burgsee im Herzen Schwerins zahlreiche geschützte Biotope. Burgsee 2008:
Ökologischer Gewässerausbau sieht anders aus