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Schwerin, 06. Mai 2008
/ 30-08
Klimabericht
Mecklenburg-Vorpommern –
Grenzenloser Zynismus der Minister Seidel und Backhaus
BUND fordert Absage an
Steinkohlekraftwerk Lubmin als wichtigen Schritt
zum Schutz des Klimas
Bis zum Ende
des Jahrhunderts, so prognostiziert der heute im Auftrag der
Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns vorgelegte Klimabericht, kann es
zu einer Erwärmung um bis zu 3 Grad Celsius auch in
Mecklenburg-Vorpommern kommen. Trockene Sommer und niederschlagsreiche
Winter werden häufiger werden.
"Dass mit dem Klimabericht von den
Ministern Seidel und Backhaus allerdings der Schluss gezogen wird, der
Tourismus Mecklenburg-Vorpommerns könne von der Erwärmung profitieren,
bewerten wir als grenzenlosen Zynismus.", so Arndt Müller, Naturschutz-
und Energieexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND). "Mehrere Millionen Menschen werden weltweit durch den
Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren. Hungersnöte aufgrund lang
anhaltender Dürren sorgen schon jetzt für katastrophale Zustände in
vielen Teilen der Welt. Angesicht einer solchen Perspektive für die Erde
von klimabedingten Vorteilen für die eigene Wirtschaft zu reden ist
einfach nur geschmacklos."
Mit dem Klimabericht wird zudem keine
dringend erforderliche monetäre Bewertung der durch den Klimawandel zu
erwartenden Schäden für Mecklenburg-Vorpommern vollzogen. Damit
vermeidet die Landesregierung zum wiederholten Mal die Vorlage von
ökonomischen Kennzahlen, die den Handlungsdruck für einen verstärkten
Klimaschutz deutlich machen würden, und negiert erneut die Aussagen
führender Wirtschaftsforschungsinstitute, so des Deutschen Institutes
für Wirtschaftsforschung (DIW).
Bereits Anfang 2007 veröffentlichte das
DIW Zahlen, wonach der Klimawandel in den kommenden 50 Jahren
durchschnittlich zu realen gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen von
bis zu 0,5 Prozentpunkten pro Jahr führen wird. Fast alle
Wirtschaftszweige würden unter dem Temperatur-anstieg leiden, vor allem
die Finanzbranche und energieintensive Unternehmen. Bis 2050 seien
deutschlandweit rund 260 Mrd. Euro Mehrkosten notwendig, das sind 6 Mrd.
Euro pro Jahr. Der Klimawandel verursacht den Wissenschaftlern zufolge
einerseits direkte Schäden: Durch Stürme und Hochwasser werden
Infrastruktur und Gebäude beschädigt, heiße Sommer mit wenig
Niederschlägen sorgen für Ernteausfälle. Das DIW beziffert diese Kosten
für die kommenden 50 Jahre auf 330 Mrd. Euro. Hinzu kommen 170 Mrd. Euro
für die Anpassung an die neuen Bedingungen.
Beispielsweise müssten Deiche gebaut,
Hitzewarnsysteme eingerichtet, Gebäude besser isoliert und gekühlt
werden. Schließlich wird nach Einschätzung des DIW Energie deutlich
teurer, weil den Kraftwerken bei Wasserknappheit das Kühlwasser fehlt
und der Ölpreis durch Wirbelstürme erheblichen Preissprüngen ausgesetzt
ist. Die erhöhten Energiekosten belasten die Volkswirtschaft bis 2050
mit rund 300 Mrd. Euro. Davon müssten die Verbraucher einen Großteil
tragen: Ein Durchschnittshaushalt hätte pro Jahr 250 Euro mehr für Strom
und Wärme zu schultern. Die meisten Wirtschaftszweige wären mit
negativen Folgen konfrontiert. Die höchsten Anpassungskosten würden
energieintensive Branchen wie Metallerzeugung und Chemie haben.
"Indem der Klimabericht die Zahlen
führender Wirtschaftsforscher, die vor den Folgen des Klimawandels
warnen, nicht aufgreift, ist er ein Armutszeugnis und ein Zeichen für
die Inkompetenz der Landesregierung auf dem Feld des Klimaschutzes.",
betont Arndt Müller vom BUND.
"Dass der Klimabericht nicht viel wert
ist, zeigt sich auch darin, dass Minister Seidel erst jetzt jene Felder
ermitteln lassen will, auf denen schnell gehandelt werden muss, um
langfristig hohe Kosten für unser Bundesland zu vermeiden. Wir fragen,
wieviel Zeit noch vergehen muss, bis die Landesregierung begreift, dass
mit der Absage an ein Steinkohlekraftwerk Lubmin ein erster wesentlicher
Schritt für mehr Klimaschutz getan wäre."
Für Rückfragen: Arndt Müller, BUND M-V,
Tel. 0385-565470, E-Mail: arndt.mueller@bund.net |