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Schwerin, den
10.06.08 / 37-08
Steinkohlekraftwerk Lubmin:
Lauwarmes Wasser − lauwarme Studie
IOW-Gutachten trägt nicht zur Entwarnung bei / Steinkohlekraftwerk
nach Ansicht des BUND weiterhin nicht genehmigungsfähig
Mit dem heute durch Minister Dr. Backhaus präsentierten Endbericht
"Physikalische und ökologische Auswirkungen einer Kühlwasserausbreitung
im Greifswalder Bodden" des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde
ergeben sich nach Auffassung des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) keine Erkenntnisse, die dem geplanten
Steinkohlekraftwerk von DONG Energy bessere Chancen auf eine Genehmigung
einräumen.
"Leider konnten sich die Wissenschaftler, trotz zahlreicher kritischer
Fakten zur Ökologie des Boddens, nicht zu einem Gesamturteil
durchringen, ob es mit dem Vorhaben durch die Einleitung des erwärmten
Kühlwassers definitiv zu einer Beeinträchtigung des Ökosystems
Greifswalder Boddens kommen wird. Allein diese Frage ist für den
Genehmigungsprozess entscheidend.", kommentiert Arndt Müller,
Naturschutzexperte des BUND Mecklenburg-Vorpommern die Aussagen auf der
heutigen Landespressekonferenz und führt weiter aus: "Die
Genehmigungsbehörde, das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Stralsund,
benötigt jedoch das eindeutige Gesamturteil eines Gutachtens. Mit
Teilaussagen und Relativierungen können die dortigen Bearbeiterinnen und
Bearbeiter nichts anfangen. Insofern scheute der Minister bereits mit
der Aufgabenstellung des Gutachtens die letzte Konsequenz und hat nichts
wirklich Neues anzubieten."
Nach Aussagen des IOW Gutachtens ist der zusätzliche Nährstoffeintrag,
der durch die Kühlwasser-einleitung in den Bodden erzeugt wird,
angeblich vernachlässigbar, da sich das nährstoffreiche Wasser durch
Strömungen schnell wieder mit dem Ostseewasser verdünnt. Auf Nachfrage
des BUND erläuterten die IOW-Wissenschaftler jedoch, dass sie bei ihren
Modellierungen keine Bedeckung des Greifswalder Boddens mit Eis
berücksichtigt hätten, da dies aufgrund des Klimawandels
vernachlässigbar sei. Nach Ansicht des BUND und anderer Gutachter wird
es jedoch auch in Zukunft einzelne strenge Winter geben. Ein
aussagekräftiges Gutachten muss dieses Szenario beinhalten. Zudem wurde
für die Modellierungen das Jahr 2002 als Referenzjahr gewählt, obwohl
das Jahr 2006 deutlich wärmer war.
Gleichzeitig bewertet das IOW-Gutachten das erwärmte Kühlwasser für die
Laichgebiete des Ostseeherings als unproblematisch. Der BUND hinterfragt
diese Aussage, gibt es doch derzeit keine Kenntnis über die genaue
Ausdehnung der Seegraswiesen im Greifswalder Bodden − dem
Hauptlaichhabitat der Heringe.
Auch unterschlägt das IOW-Gutachten die genaue Temperaturverteilung des
Kühlwassers in der Tiefe des Boddens in Form eines 3-D-Modells, obwohl
dies genau die Aufgabe des Gutachtens war, um die Unterschiede zu den
bisher vorliegenden Gutachten herauszuarbeiten. Die computeranimierten
Visualisierungen der Kühlwasserfahne, die eine deutlich größere
Ausdehnung der erwärmten Wasserbereich im Bodden zeigen, als bisher in
den Antragsunterlagen von DONG Energy prognostiziert worden war, zeigen
nach Angaben der IOW-Wissenschaftler nur die Temperaturverteilung der
oberen Wasserschicht. Damit unterscheidet sich das Gutachten nicht
wesentlich von der Herangehensweise der bisher vorliegenden
Untersuchungen, obwohl dies durch Minister Backhaus angekündigt worden
war.
"Alles in allem kann durch dieses Gutachten nicht entkräftet werden,
dass es mit einem Steinkohlekraftwerk Lubmin zu einer massiven
Schädigung des Greifswalder Boddens kommen wird." betont Arndt Müller
vom BUND. "Angekündigte unabhängige Gutachten zur Badewasserqualität
sind nach Aussagen von Herrn Backhaus noch nicht einmal in Auftrag
gegeben worden, obwohl auf die Gefahr von Krankheitserregern im
erwärmten Badewasser vor der Küste Lubmins in den Nachforderungen an
DONG Energy explizit hingewiesen wurde. Angesichts der zahlreichen
Sachfragen, die im Genehmigungsprozess noch zu klären sind, ist ein
Baubeginn 2008 völlig unmöglich. Damit wird ein Steinkohlekraftwerk
Lubmin für DONG Energy nicht realisierbar.", ist sich der BUND sicher.
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V.i.S.d.P. Arndt Müller, Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470
Die Studie des IOW finden Sie unter
http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/lm/index.jsp
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