bundlogo

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern


BUNDregional
Geschäftsstellen und Gruppen
BUNDthemen
Inhalte unserer Arbeit
BUNDpresse
Veröffentlichungen
BUNDhelfen
Unterstützen Sie uns!
BUNDjugend
Jugendorganisation des BUND
BUNDlinks
Verweise zu wichtigen Umweltseiten
 
Kontakt:
Landesgeschäftsstelle
bund.mv@bund.net
Tel.: 0385/565470
Fax: 0385/563661
Impressum

                                                                                                               Schwerin, den 10.06.08 / 37-08


Steinkohlekraftwerk Lubmin:
Lauwarmes Wasser − lauwarme Studie
 

IOW-Gutachten trägt nicht zur Entwarnung bei / Steinkohlekraftwerk nach Ansicht des BUND weiterhin nicht genehmigungsfähig


Mit dem heute durch Minister Dr. Backhaus präsentierten Endbericht "Physikalische und ökologische Auswirkungen einer Kühlwasserausbreitung im Greifswalder Bodden" des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde ergeben sich nach Auffassung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) keine Erkenntnisse, die dem geplanten Steinkohlekraftwerk von DONG Energy bessere Chancen auf eine Genehmigung einräumen.

"Leider konnten sich die Wissenschaftler, trotz zahlreicher kritischer Fakten zur Ökologie des Boddens, nicht zu einem Gesamturteil durchringen, ob es mit dem Vorhaben durch die Einleitung des erwärmten Kühlwassers definitiv zu einer Beeinträchtigung des Ökosystems Greifswalder Boddens kommen wird. Allein diese Frage ist für den Genehmigungsprozess entscheidend.", kommentiert Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND Mecklenburg-Vorpommern die Aussagen auf der heutigen Landespressekonferenz und führt weiter aus: "Die Genehmigungsbehörde, das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Stralsund, benötigt jedoch das eindeutige Gesamturteil eines Gutachtens. Mit Teilaussagen und Relativierungen können die dortigen Bearbeiterinnen und Bearbeiter nichts anfangen. Insofern scheute der Minister bereits mit der Aufgabenstellung des Gutachtens die letzte Konsequenz und hat nichts wirklich Neues anzubieten."

Nach Aussagen des IOW Gutachtens ist der zusätzliche Nährstoffeintrag, der durch die Kühlwasser-einleitung in den Bodden erzeugt wird, angeblich vernachlässigbar, da sich das nährstoffreiche Wasser durch Strömungen schnell wieder mit dem Ostseewasser verdünnt. Auf Nachfrage des BUND erläuterten die IOW-Wissenschaftler jedoch, dass sie bei ihren Modellierungen keine Bedeckung des Greifswalder Boddens mit Eis berücksichtigt hätten, da dies aufgrund des Klimawandels vernachlässigbar sei. Nach Ansicht des BUND und anderer Gutachter wird es jedoch auch in Zukunft einzelne strenge Winter geben. Ein aussagekräftiges Gutachten muss dieses Szenario beinhalten. Zudem wurde für die Modellierungen das Jahr 2002 als Referenzjahr gewählt, obwohl das Jahr 2006 deutlich wärmer war.

Gleichzeitig bewertet das IOW-Gutachten das erwärmte Kühlwasser für die Laichgebiete des Ostseeherings als unproblematisch. Der BUND hinterfragt diese Aussage, gibt es doch derzeit keine Kenntnis über die genaue Ausdehnung der Seegraswiesen im Greifswalder Bodden − dem Hauptlaichhabitat der Heringe.

Auch unterschlägt das IOW-Gutachten die genaue Temperaturverteilung des Kühlwassers in der Tiefe des Boddens in Form eines 3-D-Modells, obwohl dies genau die Aufgabe des Gutachtens war, um die Unterschiede zu den bisher vorliegenden Gutachten herauszuarbeiten. Die computeranimierten Visualisierungen der Kühlwasserfahne, die eine deutlich größere Ausdehnung der erwärmten Wasserbereich im Bodden zeigen, als bisher in den Antragsunterlagen von DONG Energy prognostiziert worden war, zeigen nach Angaben der IOW-Wissenschaftler nur die Temperaturverteilung der oberen Wasserschicht. Damit unterscheidet sich das Gutachten nicht wesentlich von der Herangehensweise der bisher vorliegenden Untersuchungen, obwohl dies durch Minister Backhaus angekündigt worden war.

"Alles in allem kann durch dieses Gutachten nicht entkräftet werden, dass es mit einem Steinkohlekraftwerk Lubmin zu einer massiven Schädigung des Greifswalder Boddens kommen wird." betont Arndt Müller vom BUND. "Angekündigte unabhängige Gutachten zur Badewasserqualität sind nach Aussagen von Herrn Backhaus noch nicht einmal in Auftrag gegeben worden, obwohl auf die Gefahr von Krankheitserregern im erwärmten Badewasser vor der Küste Lubmins in den Nachforderungen an DONG Energy explizit hingewiesen wurde. Angesichts der zahlreichen Sachfragen, die im Genehmigungsprozess noch zu klären sind, ist ein Baubeginn 2008 völlig unmöglich. Damit wird ein Steinkohlekraftwerk Lubmin für DONG Energy nicht realisierbar.", ist sich der BUND sicher.

__________________________________________________________________________________________
V.i.S.d.P. Arndt Müller, Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470

Die Studie des IOW finden Sie unter
http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/lm/index.jsp