|
Schwerin, den
17.06.08 / 38-08
Protest gegen
weitere 3 Millionen für die BUGA
Der Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich mit einem
Schreiben an den Minister für Landwirtschaft, Umwelt und
Verbraucherschutz Dr. Backhaus gewandt und gegen zusätzliche Förderung
der Bundesgartenausstellung 2009 in Schwerin in Höhe von 3 Millionen
Euro protestiert. Der BUND kritisiert in erster Linie, dass die
bisherigen ökologischen und finanziellen Schäden bei der
BUGA-Vorbereitung durch vermeidbare Planungs- und Verwaltungsfehler
entstanden sind.
Trotz fahrlässig herbeigeführter Umwelt- und Finanzschäden
„Belobigung“ an die Verursacher
Im Zuge der Bauarbeiten am so genannten „Beutel“, einer Bucht des
Schweriner Sees, war es zu enormen Mehraufwendungen bei der
Altlastensanierung gekommen. Auch waren schwere Schäden an geschützten
Biotopen im Uferbereich des Schweriner Sees zu verzeichnen. Insgesamt
entstanden nur an diesem Projekt finanzielle Schäden von 2,3 Millionen
Euro, die nun der Allgemeinheit auferlegt werden. Dieses Vorgehen ist
den Bürgerinnen und Bürgern nicht vermittelbar und kann auch nicht mit
einem berechtigten Interesse der Landesregierung an einer gelungenen
Bundesgartenausstellung begründet werden.
Entgegen den bisherigen Beteuerungen der Stadt Schwerin und der BUGA
GmbH handelt es sich mit den Baumaßnahmen am „Beutel“ sehr wohl um ein
BUGA-Projekt. Die Stadt Schwerin selbst hatte das Vorhaben mit einer
Pressemitteilung am 18.07.2005 als BUGA-Maßnahme angekündigt*.
Die ursprünglich mit 8,5 Millionen Euro geplante Maßnahme sollte dabei
zu 90 Prozent aus der Gemeinschaftsausgabe Aufschwung Ost (GA) und im
Fall der Platzflächen und Erschließungsstraßen zu 75 Prozent aus Mitteln
des Europäischen Fonds zur Regionalentwicklung (EFRE-Strukturfonds)
gefördert werden.
Ein Prüfbericht der Stadtverwaltung Schwerin hatte im Herbst 2007 klare
Verantwortlichkeiten für die Mehrkosten am „Beutel“ bei der BUGA GmbH,
bei ausführenden Planungsbüros und bei der Stadt Schwerin ausgemacht.
Mit dem erneuten Förderbescheid von Minister Backhaus für die Umsetzung
der BUGA werden diese Verfehlungen ganz einfach kaschiert.
„Pontonbrücke“
noch lange nicht sicher
Die zusätzlichen Finanzen dienen unter anderem der Umsetzung einer
„Pontonbrücke“ östlich des Schlosses über den Schweriner See, der in
diesem Bereich als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist. Ob es mit einem
solchen Vorhaben zu negativen Auswirkungen auf das EU-Vogelschutzgebiet
„Schweriner See“ kommen wird, muss in einem Genehmigungsverfahren
intensiv geprüft werden. Eine Genehmigung des Vorhabens ist damit bisher
nicht garantiert. Trotzdem wird mit der Fördermittelzusage und
Erklärungen der Landesregierung in der Öffentlichkeit der Eindruck
vermittelt, dass die „Pontonbrücke“ mit Sicherheit kommen werde. Damit
wird Minister Backhaus nicht seiner Aufgabe als oberster Dienstherr der
Umweltverwaltungen des Landes gerecht. Die Vergabe von Fördermitteln
hängt in erster Linie vom Ausgang eines rechtsstaatlichen
Genehmigungsverfahrens ab.
Städte
sind Zentren der Biodiversität
Im Interesse einer ökologisch, wirtschaftlich und sozial
nachhaltigen Bundesgartenausstellung appelliert der BUND an Minister
Backhaus, seine Förderzusagen zu überdenken. Weitere Geldmittel dürfen
nicht für weitere ökologische Schäden an der wertvollen Stadtnatur der
Landeshauptstadt verwendet werden.
Erst vor wenigen Wochen hatten
Experten aus
Wissenschaft, Planung und Kommunen auf
einer
zweitägigen
Bürgermeisterkonferenz im Rahmen der 9. Vertragsstaatenkonferenz des
Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) in Bonn
herausgearbeitet: Städte spielen für den Erhalt der Biodiversität eine
immer wichtigere Rolle!
Insofern muss auch eine BUGA sichtbare Beiträge für die Erhöhung der
Artenvielfalt im Stadtgebiet leisten und bestehende Lebensräume für
bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch im Interesse der Bewohner
Schwerins ökologisch aufwerten. Den Nachweis, dass dies geschieht,
bleiben die Verantwortlichen bei Stadt und Land seit Beginn der
Planungen schuldig.
V.i.S.d.P.
Arndt Müller, Referent für Naturschutz, Tel. 0385-565470
*
Die BUGA GmbH und die Stadt
behaupten fortwährend, dass es sich mit dem Ausbau der Promenade am
"Beutel" nicht um ein BUGA-Projekt handelt. Eine
Pressemitteilung der Stadt Schwerin vom 18.07.2005 zu Beginn des
Projektes beweist jedoch das Gegenteil.
|
|