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                                                                                                               Schwerin, den 25.06.08 / 40-08


Gen-Kartoffeln wachsen unkontrolliert im Maisfeld
BUND kritisiert skandalösen Umgang mit Freisetzungsversuchen


Ein Jahr nach einem Freisetzungsversuch von gentechnisch veränderten Kartoffeln in Zepkow (Müritzkreis), wachsen die nicht sorgfältig entfernten überwinterten Kartoffeln der Sorte „Amflora“ völlig unkontrolliert zwischen der diesjährigen Maiskultur. Somit können technisch veränderte Gene, indem sie durch Tiere und Menschen aufgenommen werden, völlig frei in die Nahrungskette gelangen.

„Das ist ein Skandal !" kritisiert der Gentechnikexperte des BUND, Dr. Burkhard Roloff das Landwirtschaftsministerium, das seit diesem Jahr für die Sicherheit der Freisetzungsversuche zuständig ist.
„Diese durchgewachsenen Kartoffeln sind ein Beleg dafür, dass es um die vollmundig versprochene Sicherheit der Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Land schlecht bestellt ist." so Roloff. Der BUND fordert das Landwirtschaftsministerium auf, die durchgewachsenen Gen-Kartoffeln sofort zu vernichten und vollständig vom Feld zu räumen.

Hintergrund:

Vertreter von zwei Bürgerinitiativen aus den Landkreisen Müritz und Demmin hatten gemeinsam mit dem BUND am 16.11.07 zehn Kilogramm gentechnisch veränderte Kartoffeln der Sorte "Amflora" an Sozialminister Sellering übergeben, der damals noch für die Sicherheit der Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Organismen zuständig war. Diese Kartoffeln stammten von einer Versuchsfläche in Zepkow (Müritzkreis). Im Februar sammelten Vertreter der Bürgerinitiativen und BUND-Mitarbeiter nochmals Kartoffeln von dem gleichen Feld.
"Amflora" ist eine von der Firma BASF für die Papierherstellung entwickelte Kartoffelsorte, deren Stärkezusammensetzung gentechnisch verändert wurde. Als bedenkliche Eigenschaft besitzt "Amflora" als Marker für die gentechnische Veränderung Antibiotika-Resistenzgene, die in der Humanmedizin verwendet werden. Hunderte Bürgerinnen und Bürger hatten bei Bekanntwerden der Freisetzungsversuche im Frühjahr 2006 gegen die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen protestiert und zahlreiche Einwendungen formuliert. So wurde befürchtet, dass die Gen-Kartoffeln nach der Ernte des Versuchs auf dem Versuchsfeld verbleiben, durch Wildschweine gefressen werden oder durch unsachgemäße Ernte-, Verlade- und Transportarbeiten außer Kontrolle geraten. Trotz dieser Einwendungen wurde der Versuch genehmigt.

Dr. Burkhard Roloff: "Die zahlreich vorgebrachten Bedenken haben sich nun bestätigt. Tausende Gen-Kartoffeln wachsen auf den ehemaligen Freisetzungs-Versuchsfeldern völlig unkontrolliert durch."

Der Nutzen der Stärke-Kartoffel wird von Gentechnikgegnern seit langem bezweifelt. Die Industrie hatte wiederholt signalisiert, dass sie Stärke aus gentechnisch veränderten Kartoffeln nicht verarbeiten will. Auch trägt die Kartoffel, wie von den Herstellern behauptet, nichts zur Milderung des weltweiten Hungerproblems bei. Außerdem enthält sie ein umstrittenes und längst überholtes Antibiotikaresistenzmarker-Gen. BASF hat mit dem Zulassungsantrag der Kartoffel neben der Verwendung als Futtermittel gleichzeitig die Zulassung als Lebensmittel beantragt.

                                   
Rückfragen: BUND, Dr. Burkhard Roloff, BUND Mecklenburg-Vorpommern,
Telefon: 0385-565470 oder 0176-25190600