Nr. 4/2007

Rundbrief Mecklenburg-Vorpommern


Bürger einbeziehen - Seeufer schützen

Die Großseen der mecklenburgischen Seenplatte gehören zu den wertvollsten Naturgütern des Landes Mecklenburg-Vorpommern und genießen einen überregionalen Ruf.

Immer mehr Touristen haben dies erkannt und verbringen Jahr um Jahr Ihren Urlaub in heimischen Gefilden, nutzen die Möglichkeiten des naturnahen Wassertourismus und des bestehenden Radwegenetzes. Die Tourismusverbände des Landes haben die Möglichkeiten erkannt und stellenweise den Ausbau naturverträglicher Infrastruktur vorangetrieben. Noch gibt es viel zu tun, um auch Radtouristen und Wanderern zu Land und zu Wasser in den Tourismusschwerpunktgebieten einen naturverträglichen Service zu bieten.

Tourismus hat jedoch viele Gesichter und so bleibt es auch in der Mecklenburgischen Seenplatte nicht aus, dass sich Projekte etablieren möchten, denen ein respektvoller Abstand zu den Ufern der Seen nicht genügt. Jüngstes Beispiel ist ein Hotelkomplex der TUI Gruppe am Ufer des Fleesensees in der Nähe von Malchow/ Mecklenburg, der im Frühjahr 2008 fertiggestellt sein wird. Für 20 Millionen Euro wird hier ein Vier-Sterne-Hotel, eine 160-Zimmer-Anlage, unmittelbar am Seeufer errichtet. Stege ragen in den Uferbereich hinein, Uferwald geht verloren, das Landschaftsbild leidet.

Krane am Fleesenufer

Im Schatten dieser Großprojekte steigen die Begehrlichkeiten, sollen Marinas und Wassertankstellen entstehen, weitere natürliche Uferstreifen gehen verloren. Auch an anderen Orten werden die Ufer beplant. Zahlreiche Gemeinden wollen eigene Sportboothäfen, weisen Wohngebiete unmittelbar am Seeufer aus. Besonders die Anlage von Bootshäfen läuft im Binnenland derzeit völlig konzeptionslos. Eine am Bedarf orientierte Schwerpunktsetzung, wie es das ehemalige Ministerium für Arbeit, Bau und Landesentwicklung für Marinas im Küstensektor erarbeitet hatte, gibt es für das Binnenland nicht.

Die Bürgerinnen und Bürger der Seenplatte stört an zahlreichen Orten diese auf kurzfristige Profite ausgerichtete Unterstützung von Uferverbauung durch die Landes- und Kreispolitik. So bildeten sich in Untergöhren am Fleesensee und in Alt-Schwerin bei Malchow Bürgerinitiativen, die sich gegen die Inanspruchnahme von Seeufer durch private Bauvorhaben zur Wehr setzen. Schließlich sind die nach Landesnaturschutzgesetz gesetzlich geschützten Uferstreifen der Großseen zu einem großen Teil Bestandteil des Schutzgebietssystems NATURA 2000, Lebensraum zahlreicher geschützter Arten und für einen funktionierendes Gewässerökosystem unverzichtbar.

Nicht zuletzt ist der unverstellte Blick auf die Gewässer Voraussetzung für die künftige wirtschaftliche Wohlfahrt der region. Der BUND leistet mit seinem Projekt „Bürgerbeteiligung und Naturschutz“ Hilfe zur Selbsthilfe. Wie die demokratischen Gremien der Vorlksvertretungen zu nutzen sind, wie Stellungnahmen formuliert werden, welche artenschutzrechtlichen Aspekte relevant sind – all das erfahren die Bürgerinitiativen in Gesprächen vor Ort oder in gemeinsamen Workshops.

So wird am 19.01.08 ein Seminar zum Thema „Schutz der Ufer an den Seen Mecklenburg-Vorpommerns“ gemeinsam mit der BUND- Ortsgruppe Plau in Plau organisiert. Interessenten melden sich bitte telefonisch unter 0385-565470 oder per E-Mail unter bund.mv@bund.net an. Das Programm und eventuelle terminliche Änderungen können somit rechtzeitig mitgeteilt werden.

Lindenallee in Waren in Gefahr

Allee in Waren

In Waren sollen in einer Straße veraltete und unsichere Gasleitungen und Wasserleitungen erneuert werden. Es gibt aber ein großes Problem. Eine Lindenallee säumt die Straße und zwar so dicht, dass Schädigungen der Bäume, vor allem im Wurzelbereich, nach derzeitiger Planung nicht verhindert werden können. Anwohner zweifeln, dass alle Möglichkeiten ausreichend betrachtet wurden. Eine Versammlung zu diesem Thema war ihrer Meinung nach so angelegt, dass innerhalb kurzer Zeit "Baufreiheit" geschaffen und mögliche Widerstände gleich im "Keim erstickt" werden sollten. Sie wollen sich wehren und ihre Allee retten. Die Glaubwürdigkeit von Behörden und Stadtwerten stehen auf dem Prüfstand. 500 ! Unterschriften haben sie während einer Bürgersprechstunde übergeben und zuvor die Presse informiert.

Die Anwohner sind der Meinung, dass diese Angelegenheit nicht nur ihre Sache, sondern Sache aller Bewohner Warens ist. Denn eine Allee, die bereits 80 - 90 Jahre alt ist und das Stadtbild mit prägt sollte als so schützenswert gelten, dass über ihr Fortbestehen nicht eine einzige Anwohnerversammlung entscheiden darf! Es ist auch die einzige durchgehende Baumallee dieser Art in Waren. BUND und Bürgerinitiative streben eine vernünftige Lösung an und sind selbstverständlich nicht dagegen, dass die maroden Leitungen erneuert werden.

Eine gemeinsame Aktion am 6.September sollte nochmal alle Alleenfreunde und Verantwortliche zusammenbringen um mögliche Alternativen zu besprechen. Experten waren eingeladen, um zur Geschichte der Lindenallee, zum ökologisches Wert der Alleen und zum Bauvorhaben zu sprechen und es wurde über die "schief gelaufen Einwohnerversammlung" informiert. Eine kleine Fotoausstellung hat die Versammlung bereichert. Als Ergebnis konnte zumindest ein weiterer vor-Ort-Termin verabredet werden.

Während des Nachmittags hatten Mitglieder des BUND mit einem Stand vor dem Müritzeum auf die Gefahren, die der Alleenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern drohen, aufmerksam gemacht und zu dem Gesprächsabend eingeladen. In einer Postkartenaktion wurden alle Warener aufgerufen, sich aktiv für den Alleenschutz einzusetzen.

Katharina Brückmann

zurück


Wiesen und Weiden für die Störche

Rinder erhalten Weidelandschaften

Seit einigen Monaten haben die in der Weidelandschaft bei Preten grasenden Heckrinder und Koniks (Urpferd) Unterstützung von alten, vom Aussterben bedrohten Rinderrassen bekommen. Jeweils zehn weibliche Tiere und ein Deckbulle der Rassen „Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind“, „Rotbunte Doppelnutzung“ und „Deutsches Shorthorn“ finden in der Sudelandschaft bei Besitz und Preten in den kommenden Jahren ein neues Zuhause.

Auf drei etwa zwanzig ha großen Feuchtgrünlandflächen sollen die Rinder sich bei extensiver, ganzjähriger Weidehaltung als schonende Raufutterverwerter bewähren und Teile der Auenlandschaft des Biosphärenreservates „Flusslandschaft Elbe“ offen halten.

Wie die Erfahrungen der Stork Foundation und anderer Projektträger mit „Halboffenen Weidelandschaften“ zeigen, bietet die extensive, möglichst ganzjährige Beweidung gute Entwicklungsmöglichkeiten für eine artenreiche Flora und Fauna. Auch der Storch findet auf diesen Flächen, die zusätzlich mit flachen Wasserstellen versehen wurden, reichlich Nahrung insbesondere für die Jungstörche.

Weidepflege mit seltenen Rinderrassen

Möglich wurde der Einsatz der gefährdeten Rassen durch die Bewilligung von Fördermitteln für ein Modell- und Demonstrationsvorhaben vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Jürgen Beisiegel, im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) als Koordinator des länderübergreifenden Projektes „Sudelandschaft“ tätig, freut sich über die inhaltliche und finanzielle Unterstützung seiner Projektidee: „Landwirte, Naturschützer und Wissenschaftler können jetzt gemeinsam untersuchen, ob sich alte widerstandsfähige Rinderrassen auch für den extensiven Einsatz in Natur- und Landschaftsschutzgebieten eignen. Sollte dies der Fall sein, könnte durch ihren Einsatz ein Beitrag zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten Rinderrassen geleistet werden.

Die Betreuung von zwei Herden in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen die Mitarbeiter der MAM Nord Besitz-Blücher e. G. in Besitz. In Niedersachsen wird eine Herde in die Obhut der Schäferei Seebürger übergeben. Für Hochwassersituationen und den Winter werden trockene Einstandsflächen hinter den Deichen eingerichtet. Hier erhalten die Rinder einen Windschutz, Strohmatratzen als Ruheflächen und eine Zufütterung mit Heu.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet von einem Spezialistenteam der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Trenthorst unter Leitung von Prof. Dr. Rahmann. Die Tierärzte aus dieser Gruppe werden ihr Augenmerk insbesondere auf die Gesundheit der Neuankömmlinge richten und die Landwirte bei auftretenden Problemen beraten.

Projektbüro „Sudelandschaft“ Tel: 038847/581019
Jürgen Beisiegel FAX: 038847/581018
Am Elbberg 20 mail: juergen.beisiegel@nds.bund.net
19258 Boizenburg

zurück


Georg Nikelski arbeitet seit 1.7 beim
BUND M-V e. V. und vertritt die Interessen der Umweltverbände im Begleitausschuss für die EU-Fonds in Mecklenburg-Vorpommern.

Verteilung von Europäischen Finanzmittel

Umweltverbände sitzen mit am Tisch

Die Europäische Union stellt über den Europäischen Sozialfonds (ESF), den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung ländlicher Räume (ELER, ehemals EAGFL) besonders den neuen Bundesländern erhebliche Finanzmittel zur Verfügung. Für die Förderperiode von 2007 bis 2013 erhält das Land Mecklenburg-Vorpommern ca. 2,5 Milliarden Euro. Wofür diese Mittel eingesetzt werden bestimmt neben der Landesregierung auch ein aus verschiedenen Interessengruppen zusammengesetztes Gremium – der Begleitausschuss. In diesem Ausschuss haben in den zurückliegenden Jahren bereits der BUND und der WWF aktiv mitgewirkt. Ulrich Söffker und Georg Nikelski nahmen diese Aufgabe wahr. Seit Sommer 2007 wird diese Begleitung direkt aus den Mitteln der EU-Fonds auch für die Umweltverbände anteilig finanziert, so dass eine kontinuierliche Arbeit zunächst auf der Basis einer halben Stelle möglich wurde. Georg Nikelski hat daraufhin in Kooperation mit dem WWF beim BUND diese Position eingenommen und ist für die Begleitung des EFRE und des ESF verantwortlich.

Fast alle Förderungen, die das Land M-V ausreicht, vom Straßenbau bis hin zur naturschutzgerechten Grünlandnutzung, werden wesentlich aus Mitteln der EU-Fonds gespeist. In Operationellen Programmen wurden die Ziele und Strategien der künftigen Förderung in Mecklenburg-Vorpommern für jeden der drei Fonds festgelegt. Dabei konnten die Umweltverbände Themen wie Alleenschutz, Radwegeausbau, Energieeffizienz und erneuerbare Energien oder Vertragsnaturschutz auf Ackerflächen einbringen bzw. stärken. Die Genehmigung der Operationellen Programme erfolgt bzw. erfolgte im Laufe dieses Jahres durch die EU. Daraufhin kann die konkrete Fördertätigkeit auf der Basis von Förderrichtlinien des Landes stattfinden. Auch die Richtlinien selbst und die Zwischenergebnisse der Fördertätigkeit werden im Begleitausschuss behandelt. Damit besteht fortlaufend die Möglichkeit, den Einsatz der EU-Mittel im Land seitens der Umweltverbände mit zu steuern.

Georg Nikelski, geb. 1970, absolvierte von 1993-98 ein Studium der Agrarökologie an der Universität Rostock. Nach dem Studium arbeitete Georg Nikelski im Ökohaus e. V. in Rostock und war Mitbegründer des Eine-Welt-Landesnetzwerkes. Nach Tätigkeiten in einer nachgeordneten Einrichtung der Landesverwaltung, als Consulter und in einen Wirtschaftsunternehmen arbeitet er seit 01.07.2007 beim BUND M-V e. V. und vertritt die Interessen der Umweltverbände im Begleitausschuss für die EU-Fonds in Mecklenburg-Vorpommern.

zurück


Filzen, Feuer und FAIRnismus“-

Ein besonderes Treffen an einem ganz besonderen Ort

Es gibt Orte, die sind magisch, die ziehen an in ihrer Schönheit und Natürlichkeit, die fesseln die Sinne und man fühlt sich einfach wohl. An einem solchen Ort fand das diesjährige Perspektivtreffen der BUNDjugend M.-V. vom 21.- 23. 09. 2007 statt. Einmal im Jahr, immer im September, findet ein Treffen der ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven der BUNDjugend MV statt. Andächtig wird zurückgeblickt auf das vergangene Jahr, aber vor allem werden neue Projekte, Aktionen, Freizeiten und Workshops geplant. Natürlich ist dazu ein Ort nötig, der viel Platz lässt, für freie und kreative Gedanken und Perspektiven. Nicht ganz zufällig wurde also dieses Jahr Hermannshagen und die „Villa Misthaufen“ gewählt. Der Verein „Gutshaus Hermannshagen e.V.“ gründete sich zur Sanierung und Revitalisierung des alten Gutshauses und der Umgebung. In liebevoller Kleinarbeit wurde ein Paradies geschaffen, welches sehr abwechslungsreich und inspirierend ist.

Mit wunderbarem Wetter beschenkt, konnten wir, nach dem Rückblick am Freitagabend, am folgenden Morgen mit der Ideenschmiede beginnen. Den ganzen Tag wurden in Gruppen Ideen gesammelt und diskutiert, bis die Seminare und Freizeiten für das Jahr 2008 im groben entstanden waren. Der Tag wurde von einer Führung über das Areal des Gutshauses und dem Apfel-Birnen-Holundersaft pressen aufgelockert. Gestärkt durch das Abendbrot vom Grill folgte am Abend und am nächsten Morgen die Feinplanung. Bei Diskussionen und Ideensammlung wurden die Schüler, Studenten und Hauptamtlichen von der Beteiligungsmoderatorin Claudia Schwarz unterstützt, die im richtigen Moment ausufernde Diskussionen bremste, doch oft auch zum Weiterdenken anregte.

So frisch wie der Saft waren auch die Pläne, ob „FAIRnismus“ als neue Wirtschaftsform, Umwelttheater für Kinder oder eine Floßtour in Schweden mit selbstgebautem Floß, wir waren offen für jede Art von Ideen. Natürlich konnten all die Aspekte nur mit Hilfe der engagierten Jugendlichen gefunden werden, denn zwischen Spaß beim Seilbahnfahren übers Moor und Zusammensitzen am Lagerfeuer ist es für sie auch harte Arbeit, die nur mit dem Gefühl der Gemeinschaft und Gedankenspielraum bezahlt wird.

Veranstaltungen und Seminare der BUNDjugend in Mecklenburg-Vorpommern

23.-25.11. Weihnachtswerkstatt in Satow (8-13 Jahre)

Wie schnell ist das Jahr zu Ende und bald steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Wie in jedem Jahr wollen wir uns mit vielen Kindern gemeinsam auf die Advents- und Weihnachtszeit einstimmen. In der weihnachtsbäckerei probieren wir neue rezepte aus und kreieren den schönsten Bratapfel. Kleine Geschenke und ökologischer baumschmuck sollen aus mitgebrachten Naturmaterialien entstehen. Nebenbei hören wir Weihnachtsmusik und erfahren etwas über Weihnachtsbräche in anderen Ländern. Vielleicht schaut Knecht Ruprecht auch schon einmal durch das Fenster?

1-10.02.08 Skifreizeit Norwegen (ab 16 J.)
4.-7.02.08 Jugendleiterausbildung in Schwerin (ab 16 J.)
6.-8.02.08 Theaterworkshop für Kinder, bei Neubrandenburg ( 7-12J.)
29.02.-2.03.08 Kreativseminar in Mueß (7 bis 12 J.)
7.-9.3.08 Umwelttheater für Jugendliche (ab 14 J.)
14.-20.3.08 Keramikwoche in Hermannshagen (ab14 J.)
29.03.08 Zootag in Schwerin (ab7 J.)

 Skifreizeit vom 1.-10. Februar 2008 in Norwegen

Jährlich wird von der BUNDjugend M.-V. eine Skifreizeit in Norwegen veranstaltet. Ebenso im Jahr 2008. Anfang Februar machen sich bis zu 30 Jugendliche auf den Weg nach Trysill (Mittelnorwegen). Der Sport und die fröhliche Gemeinschaft führen immer wieder neue Jugendliche in das schneereiche Gebiet. Interessierte Jugendliche, ab 16 Jahren sind herzlich eingeladen


Redaktionsschluß für den nächsten Rundbrief im BUNDmagazin ist der 17. Dezember 2007

IMPRESSUM
Herausgeber:
BUND Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Zum Bahnhof 20
19053 Schwerin
Redaktion: Corinna Cwielag , Barbara Burghardt, Rolf Scholtyseck
Tel: 0385 - 56 54 70
Fax: 0385 - 56 36 61
www.bund.net/mv
e-mail: bund.mv@bund.net
zurück