Regionalverband Neckar-AlbBienen fliegen aufs Hardt-Paradies![]() Die Veränderliche Hummel (Bombus humilis) ALBBOTE vom 05.08.2008 Bienen fliegen aufs Hardt-Paradies Totholz und Gras sind lebensnotwendig für vom Aussterben bedrohte Arten In Münsingen Hardt ist die Natur in Ordnung. Der Beweis: Rund 32 verschiedene Wildbienenarten sind hie bisher lokalisiert worden, sie tummeln sich sichtbar für Ausflügler direkt am Wegesrand. Münsingen Zahntrost-Sägehornbiene, „Blümchentapeten“- Mauerbiene, Natternkopf- Mauerbienchen oder auch die veränderliche Hummel – sie zählen zu den 32 Spätsommerarten, die Claudia Mohra und Martin Fellendorf vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) im ehemaligen Truppenübungsplatz lokalisiert und katalogisiert haben. Doch nicht nur für die Wildbienen ist diese unberührte Landschaft hier ein Paradies, zahlreiche bedrohte Insektenarten fühlen sich in diesen vielfältigen Strukturen der extensiven Nutzung äußerst wohl. Insgesamt sind heimische Wildbienen in ihrem Bestand in den letzten Jahren stark rückläufig, dabei sind doch für das Bestäuben von Pflanzen von großer Bedeutung. Die Bestandsaufnahme macht deutlich, dass Wildbienen gerne ihre Eier in hohle Pflanzenstempel legen, das sie offene Stellen in der Erde wie Wildschwein-Sulen aufsuchen und sich auch bevorzugt im Totholz niederlassen. „Man muss ein Experte sein, um die vielen verschiedenen Arten zu erkennen.“, erklärte Barbara Lupp vom BUND, die gemeinsam mit Biologin Lydia Nittel und Gunnar Finke von Plenum das Projekt jetzt präsentiert hat. Nun sei es wichtig, so der Tenor, Totholz an Ort und Stelle zu belassenund das Gras neben den öffentlichen Wegen bis zum Ende des Jahres nicht abzumähen, um die wildbienenrelevanten Strukturen, wie die Wollköpfige Kratzdistel, erhalten zu können. Der erste Teil des Gutachtens ist erstellt, der zweite soll im Frühjahr des kommenden Jahres mit der Erforschung der Frühsommerarten folgen. "Dieses Gutachten ist sehr wertvoll für uns, erhalten wir doch dadurch Pflegehinweise und können darüber hinaus den Besuchern etwas Besonderes bieten", sagt Lydia Nittel, die das Vorkommen als überdurchschnittlich einstuft. Direkt am Weg summen Wildbienen fröhlich auf oder in Schneckenhäuschen herum und sie kommen auch in Mauerwerken vor. Am Gruorner Schulhaus fliegen sie im löchrigen Tuffsteingemäuer aus und ein und fallen dem aufmerksamen Betrachter sofort ins Auge. Für Lydia Nittel kann von diesem Engagement des BUND zugunsten der Wildbienen im Münsinger Hardt nur profitiert werden, und sie verspricht sich dadurch eine bessere Möglichkeit, wissenschaftliches Projekt und Umweltbildungsaspekt wirksamer miteinander zu verknüpfen. Von Claudia Mohra gefertigte Handzettel sollen einen Überblick geben, mit welchen Wildbienenarten man es zu tun hat, was sie bevorzugen und wie sie leben. Damit auch Truppenübungsplatz-Guides ihren Tour-Teilnehmern - im vergangenen Jahr immerhin 10 000 Besucher - etwas über Wildbienen erzählen können, erhalten sie nun eine themenbezogene Schulung. Die Wildbienen-Untersuchung wurde von Plenum Reutlingen mit 4459 Euro gefördert, die Gesamtkosten belaufen sich auf insgesamt 8917 Euro. Auch wenn das Gutachten noch nicht ganz abgeschlossen ist, so kann doch bereits jetzt ein positives Resümee gezogen werden: Von rund 400 bekannten Wildbienenarten in Baden-Württemberg kommen allein an Spätsommerarten 32 im Münsinger Hardt vor: "Das zeigt, dass die Natur hier noch in Ordnung ist und bestätigt uns in der extensiven Landschaftsnutzung", betont Lydia Nittel. Erscheinungsdatum: Dienstag 05.08.2008 |
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