Kreisgruppe NordfrieslandCO2-Abscheidung in fossilen KraftwerkenMit Kohle gefeuerte Großkraftwerke heutiger Bauart passen nicht zur Energiewende. Denn die Verbrennung von Braun- und Steinkohle trägt massiv zum Treibhauseffekt bei, und die Förderung der Kohle ist mit erheblichen Umweltwirkungen behaftet. Mit zunehmender Gewissheit über den bereits begonnenen Klimawandel stehen daher die Zukunftschancen für fossil gefeuerte Kraftwerke schlecht.Deshalb gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, den Betrieb derzeitiger und den kurz- bis mittelfristigen Neubau konventioneller Kraftwerke (insbesondere kohlegefeuerte) gesellschaftsfähig zu machen. Dabei wird auch die CO2-Abscheidung in Kraftwerken ins Feld geführt - fälschlicherweise oft „Clean Coal" (Saubere Kohle) oder „CO2-freies Kraftwerk" genannt. Bei dieser CO2-Abscheidung soll das Kohlendioxid aus dem Rauchgas der Kraftwerke (oder auch anderer großer CO2-Emittenten) abgetrennt, in Pipelines transportiert und dann in geologischen Formationen, beispielsweise ausgeförderten Gas- und Ölfeldern, salinen Aquiferen, tiefen Kohleflözen oder stillgelegten Salzbergwerken oder auch in der Tiefsee gespeichert werden. Der BUND spricht sich aus folgenden Gründen gegen das Konzept der CO2-Abscheidung und –Speicherung aus. Die CO2-Abscheidung ist sehr energieintensiv. Die Wirkungsgrade der Kraftwerke vermindern sich um etwa 10 %-Punkte (je nach Verfahren 6 bis 15 %-Punkte). Wegen der Wirkungsgradverluste müsste für die gleiche Stromproduktion deutlich mehr Kohle abgebaggert werden - mit allen bekannten negativen Begleiterscheinungen, des Landschaftsraubes, Umsiedelungen der Bevölkerung, immense Grundwasserschäden. Die Gefahren der „CO2-Endlagerung" werden systematisch unterschätzt. Die enormen Mengen an CO2, die jedes Jahr entsorgt werden müssten, benötigen einen sicheren Endlagerort. Eine spätere Freisetzung dieser Mengen wäre nicht zu verantworten. Während in Deutschland Einigkeit herrscht, dass die CO2-Lagerung in der Tiefsee ökologisch zu bedenklich ist, bieten auch ehemalige Gas- oder Erdölfelder oder Aquifere diese Sicherheit nicht. Chemische Reaktionen des CO2 mit den Gesteinsschichten können die Unversehrtheit des Gasspeichers zusätzlich beeinflussen. Selbst mit höheren technischen und damit auch höheren finanziellen Aufwendungen ist mit einer Leckagerate von 0,1 bis 1 % in 100 Jahren zu rechnen. Eines Tages werden zukünftige Generationen das CO2 also wieder in der Atmosphäre haben – und, auf Grund des niedrigeren Wirkungsgrades dieser Kohlekraftwerke, sogar noch mehr davon. Unfallbedingte plötzliche CO2-Freisetzungen aus der Abscheidung oder den Lagerstätten stellen zudem eine tödliche Gefahr für die Bewohner nahe liegender Ortschaften dar. CO2-Entsorgung ist teuer. Die Mehrkosten werden mit zwischen 1 und 7 Cent pro Kilowattstunde geschätzt. Damit kann es durchaus zu einer Verdopplung der Stromgestehungskosten aus Kohle kommen. Die CO2-ärmere Stromerzeugung aus Kohle liegt damit in einem ähnlichen Kostenbereich wie viele Technologien der erneuerbaren Energien. Zukünftig wird die Kostenschere weiter auseinander gehen, da die Kohlepreise steigen, die Kosten erneuerbarer Energieanlagen jedoch sinken werden. Durch den höheren Brennstoffeinsatz in CO2-ärmeren Kraftwerken steigt zudem die Abhängigkeit von den Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten. Bereits heute existieren schon zahlreiche Maßnahmen mit geringeren CO2-Minderungskosten als für die CO2-Abscheidung und – Speicherung unterstellt werden. Die CO2-Abscheidung behindert die Energiewende. Die meisten fossil gefeuerten Kraftwerke würden in den nächsten 15 bis 20 Jahren als Ersatz für alte Kraftwerke zugebaut. In dieser Zeit wird es eine großtechnische CO2-Abscheidung für Kraftwerke noch nicht geben. Diese konventionellen Neubauten würden aber einen hohen Sockel an CO2-Emissionen für Jahrzehnte zementieren - eine erhebliche CO2- Minderung im Stromsektor wäre auf lange Zeit unmöglich. Die exzellenten sich in dieser Zeit bietenden Möglichkeiten einer Energiewende durch Umstrukturierung des Kraftwerksparks wären vertan. Auch aus vielen anderen Gründen des Umwelt- und Ressourcenschutzes ist ein Wechsel zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien erforderlich – daran würde auch die technische Möglichkeit der CO2- Abscheidung und Lagerung nichts ändern. Aufgrund des hohen technischen und finanziellen Aufwandes würden Standorte mit Großkraftwerken strukturell bevorzugt. Dies bedeutet eine massive Behinderung der Entwicklungsmöglichkeiten von dezentralen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Gleichzeitig ist die CO2-Abscheidung nicht beliebig steuerfähig, so dass solche Kraftwerke eher nur im Grundlastbetrieb fahren müssten - neben dem finanziellen Risiko eines möglichen unwirtschaftlichen Betriebes verstärkt dies die erhebliche Inflexibilität des gesamten Kraftwerksparks. Beachtliche Geldsummen werden bereits für die Forschung an der CO2-Abscheidung in Kraftwerken international, in der EU und in Deutschland ausgegeben. Die USA geben etwa 1 Mrd. US-Dollar innerhalb von 10 Jahren aus, die Bundesregierung jährlich 15-20 Mio. Euro. Diese Geldmittel fehlen den nachhaltigen Energieversorgungssystemen. Die Forschung für Energieeffizienz und erneuerbare Energien sollte Priorität erhalten. Zusammenfassend stellt der BUND fest: Die CO2-Abscheidung und –Speicherung bei fossilen Kraftwerken ist kein Lösungsweg für den Klimaschutz und eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland. Sie blockiert die schon heute dringend erforderliche Energiewende hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Sie kann auch nicht als „Brücke“ in ein Solares Zeitalter aufgefasst werden. Bessere und kostengünstigere Maßnahmen stehen heute schon bereit. Auf diese sollten wir uns heute konzentrieren. Juli 2006
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