Kreisgruppe NordfrieslandBUND PressemeldungenPressemitteilung vom 19. August 2011Neue BUND-Studie belegt CCS-Risiken für Meeresumwelt: CO2-Endlager-Projekte unter der Nordsee sind gefährlicher Irrweg. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat davor gewarnt, in der Nordsee Projekte zur unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken oder Industrieanlagen zu verfolgen. Die Anwendung der sogenannten "CCS-Technologie" (Carbon Capture and Storage) könne schwere ökologische Schäden bei der Fauna und Flora im Meer verursachen. Der hohe Druck, der zur Verpressung des Kohlendioxids in die Tiefe erforderlich sei, sowie chemische Reaktionen im Untergrund könnten zu CO2-Leckagen führen. Die zwangsläufige Verdrängung großer Mengen saliner Formationswässer, also salzhaltigen Wassers aus den unterirdischen Lagerstätten, durch das eingelagerte Kohlendioxid hätte verheerende Folgen sowohl für eine Vielzahl von Meereslebewesen als auch für regionale Wirtschaftszweige wie die Fischerei und den Tourismus. Möglich seien auch Beeinträchtigungen des UNESCO-Welterbes Wattenmeer sowie Versalzungen von Trinkwasservorkommen an der Nordseeküste. Bedroht sei außerdem eine Vielzahl von Riffen und Sandbänken, die zu Natura-2000-Schutzgebieten gehörten. Der Umweltverband stellte in Hamburg ein Gutachten des Geologen Ralf Krupp mit dem Titel "Risiken der Verpressung von Kohlendioxid unter der Nordsee" vor, das die geologischen und ökologischen Gefahren der Anwendung von CCS im deutschen Teil der Nordsee darstellt. Die Studie belege vor allem, dass die Folgen der Anwendung der CCS-Technologie noch zu wenig erforscht seien, deshalb müsse der Bundesrat das Gesetz zur Einführung der CCS-Technologie, das dort am 23. September auf der Agenda stehe, grundsätzlich ablehnen, sagte die BUND-Landesvorsitzende Sybille Macht-Baumgarten. "Ein CCS-Gesetz kann den Schutz der Umwelt und der Menschen nicht gewährleisten und darf daher nicht verabschiedet werden. Schleswig-Holstein muss im Bundesrat dagegen stimmen!“ Der Geologe Ralf Krupp sagte zu den Risiken der CO2-Einlagerung: "Die Verpressung von CO2 unter die Nordsee ist potentiell nicht weniger gefährlich als auf dem Festland, weil grundsätzlich die gleichen geologischen Mechanismen wirken. Das zentrale Problem liegt in der Verdrängung der salinen Formationswässer durch das CO2. Wenn diese hoch salzhaltigen, anoxischen und mit teilweise giftigen Bestandteilen belasteten Wässer aufsteigen und am Meeresboden austreten, kann das schwere ökologische Schäden verursachen." Die BUND-Meeresexpertin Nadja Ziebarth wies auf die besonderen Risiken von CCS für die Meeresumwelt und das Wattenmeer hin: "In der Nordsee liegen die potentiell geeigneten CO2-Lagerstätten vor allem in Natura-2000-Schutzgebieten. In Gefahr sind insbesondere die schützenswerten Riffe. Zahllose Meerestiere und Vögel haben ihre Kinderstube im gefährdeten UNESCO-Welterbe Wattenmeer. Eine ökologisch intakte Nordsee ist auch für die Fischerei und den Tourismus der Anrainerstaaten unverzichtbar. Weil nicht nachgewiesen werden kann, dass von unterseeischen CO2-Lagerstätten keine Gefahr ausgeht, dürfen solche Projekte in der Nordsee nicht realisiert werden." Der BUND lehnt die CCS-Technologie nicht nur wegen ihrer Risiken, sondern auch aus energiepolitischen Gründen ab. Macht-Baumgarten: " Kohlekraftwerke werden auch mit CCS nicht sauberer, der technische Fortschritt neuer Kohlekraftwerke wird durch den deutlichen Mehrverbrauch an Kohle für CCS zum Nachteil verwandelt. CCS soll klimaschädlichen Kohlekraftwerken ein grünes Image geben und ihren Neubau legitimieren." In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt demonstrieren Bürgerinitiativen und Umweltverbände, darunter der BUND und seine Landesverbände, seit längerem gegen die Pläne zur CO2-Endlagerung. Die BUND-Studie "Risiken der Verpressung von Kohlendioxid unter der Nordsee" finden Sie im Internet in einer Zusammenfassung >hier... -------------------------------------------- Pressemitteilung vom 14. Juli 2010 Entwurf des CCS-Gesetzes ist ein Schnellschuss. Klimaschädliche Kohlekraftwerke sollen legitimiert werden Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den heute vorgestellten Gesetzentwurf zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) als Schnellschuss. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Umweltminister Norbert Röttgen drängten auf die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie, um den Energiekonzernen EU-Fördergelder zu sichern. Dabei nähmen sie unkalkulierbare Risiken durch die unerprobte Technologie in Kauf. Die CCS-Technologie könne absehbar keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie mache Kraftwerke sogar deutlich ineffizienter, erhöhe den Ressourcenverbrauch und blockiere die Energiewende. Insbesondere die Langzeitsicherheit der unterirdischen CO2-Lagerstätten sei zweifelhaft. Daher finde CCS auch keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Umweltverband forderte die Koalitionsfraktionen auf, das Gesetz endgültig zu stoppen. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Die CO2-Abscheidung ist und bleibt eine Feigenblatt-Technologie der Konzerne, um die klimaschädliche aber bislang lukrative Kohleverstromung weiter zu legitimieren. Für eine zukunftsfähige Energiepolitik ist CCS überflüssig und das muss die Regierung auch in ihrem Energiegesamtkonzept berücksichtigen." Das CCS-Gesetz sollte nach Angaben der Minister eigentlich nur Demonstrationsvorhaben ermöglichen. Durch zu schwache Vorgaben werde es jedoch zum Einfallstor, um die Technologie schon bald im großen Maßstab umzusetzen, sagte Werner Neumann, der energiepolitische Sprecher des BUND. Im Gesetzentwurf seien Speichermengen zulässig, die schon jetzt CO2-Endlager von bis zu mehreren hundert Quadratkilometern Ausmaß ermöglichten. Die vorgesehene Überprüfung des Gesetzes im Jahr 2017 sei Makulatur, da bis dahin keine belastbaren Erkenntnisse zum längerfristigen Verhalten von CO2 im Untergrund vorliegen könnten. Neumann: "Leckagen, Risiken wie die Kontamination von Grundwasser oder das Auslösen von Erdbeben müssen sicher ausgeschlossen werden, bevor CCS zur Anwendung kommen könnte." Angesichts solcher Gefahren seien auch die vorgesehenen Haftungsregelungen für die Konzerne nicht zufriedenstellend. Im ersten Anlauf scheiterte das CCS-Gesetz im letzten Jahr an massiven Protesten von Umweltverbänden und der Bevölkerung. Dass die Technologie durch die jetzt vorgesehenen finanziellen Angebote an Bundesländer und Kommunen künftig mehr Akzeptanz finde, sei nicht zu erwarten. "Angesichts der Risiken, die die betroffenen Regionen dauerhaft tragen müssten, wird sich die Bevölkerung kaum als Versuchskaninchen für die Energiekonzerne hergeben", sagte Weiger. -------------------------------------------- Pressemitteilung vom 18. Nov. 2009 BUND appelliert an die Fraktionen im Bundestag Der BUND Nordfriesland appelliert in einem Schreiben an die Bundeskanzlerin Angela Merkel und an die im Bundestag vertretenden Fraktionen, das Vorhaben, im Norden Schleswig-Holstein CO2 verpressen zu wollen, zu stoppen. Laut Koalitionsvertrag will die Regierungskoalition CDU, CSU und FDP die EU-Richtlinie, die die Abscheidung, den Transport und die Einlagerung von CO2 regelt, zeitnah umsetzen. Außerdem will sie in den betroffenen Regionen für die notwendige Akzeptanz werben. Der BUND Nordfriesland versichert in seinem Schreiben, dass die angesprochenen Fraktionen im Norden Schleswig-Holsteins keine Akzeptanz für die Einlagerung von CO2 im Untergrund erhalten werden. Als ein Ablehnungsgrund der Bevölkerung und diverser Verbände, führt der BUND Nordfriesland die Gefahr der Verseuchung des sauberen Trinkwassers an. "Unsere Trinkwasserversorgung basiert auf die Nutzung großflächiger unterirdischer Grundwasserleiter, unter die, wenn auch in größerer Tiefe, das CO2 verpresst werden soll. Niemand, und daran werden auch flächendeckende seismische Untersuchungen nichts ändern, kann die hundertprozentige Garantie geben, dass nicht doch im Laufe von Jahrzehnten das CO2 aufsteigt und unser Grundwasser verseucht", so der BUND Nordfriesland in seinem Schreiben. "Wir lassen uns unseren Brunnen nicht vergiften!", droht der BUND Nordfriesland. Der BUND wird alle rechtsstaatlichen Mittel und Wege ausschöpfen, um die seismischen Untersuchungen und eine CO2 Einlagerung zu verhindern. "Sollte von dem Vorhaben, im Norden Schleswig-Holsteins CO2 einzulagern, nicht abgerückt werden, wird es zu massiven Widerstandsbekundungen seitens der Bevölkerung kommen. Deutschland wird dann sein zweites Gorleben/Wendland erhalten", mahnt der BUND Nordfriesland und fordert, das Vorhaben, CO2 unterirdisch verpressen zu wollen, umgehend zu stoppen. -------------------------------------------- Pressemitteilung vom 18. August 2009 BUND und Bürgerinitiativen protestieren gegen CCS-Pilotanlage: „Energiepolitischer Irrweg und Subventionsmaschine für Energiekonzerne“ Berlin/ Bergheim-Niederaußem. Anlässlich der Einweihung einer Pilotanlage zur CO2-Wäsche im RWE-Braunkohlenkraftwerk Niederaußem hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute vor der CO2-Abscheidung und Lagerung, der sogenannten CCS-Technologie, als energiepolitischem Irrweg und Subventionsmaschine für Energiekonzerne gewarnt. Aktivisten des BUND und des Aktionsbündnisses „Leben ohne Braunkohle“ protestierten vor dem Kraftwerk und forderten den Stopp der umstrittenen CCS-Technik. Die Entwicklung von CCS werde von der Bundesregierung massiv subventioniert, obwohl die Technologie ökologisch und wirtschaftlich höchst fragwürdig sei. Von den Subventionsmilliarden profitierten außerdem nur die großen Energieversorger und damit Unternehmen, die trotz Wirtschaftskrise noch hohe Gewinne einführen. Auch das heute eingeweihte Neun-Millionen-Euro-Projekt von RWE würde zu vierzig Prozent aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums finanziert. Klaus Brunsmeier, stellv. BUND-Vorsitzender: „Wirtschaftsminister zu Guttenberg muss sich fragen lassen, weshalb RWE von seinem Ministerium so gepäppelt wird. Immerhin hat der Konzern erst gerade wieder eine Gewinnsteigerung für das erste Halbjahr vermeldet. Anstatt Milliarden für diese Alibitechnik für Großkraftwerke zu verschwenden sollte in umweltfreundliche Energien, in Energieeffizienz und das Energiesparen investiert werden.“ Auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen warnte bereits vor einer Übersubventionierung für CCS. Allein für Pilotanlagen in der EU sollen aus Emissionshandelseinnahmen etwa 9 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Der BUND erinnerte dabei an die Mitnahmeeffekte durch die weitgehend kostenfreie Zuteilung der Zertifikate im Emissionshandel, wodurch die großen Energiekonzerne in den letzten Jahren bereits geschätzte 35 Milliarden Euro an zusätzlichen Gewinnen eingesteckt hätten. Die übermäßigen Subventionen für CCS wirkten deshalb stark einseitig und wettbewerbsverzerrend. Brunsmeier: „Statt gutsituierte Energiekonzerne zu fördern, sollte die Regierung vor allem dafür sorgen, dass echte Klimaschutztechnologien entwickelt werden.“ Nach Auffassung des BUND sei die CCS-Technologie ein grünes Feigenblatt der Energiekonzerne für ihre dreckigen Kohlekraftwerke. Gerade der RWE-Konzern stelle sich in seinen jüngsten Werbematerialien als freundlicher „Energieriese“ dar, der auf grüne Innovationen setze. Tatsächlich macht das Unternehmen sein Geschäft zu 98 Prozent mit Kohle- und fünf Atomkraftwerken, darunter der Altmeiler Biblis A. Auch in Zukunft plant RWE nur rund 15 Prozent seiner Investitionen im Bereich erneuerbare Energien. -------------------------------------------- Pressemitteilung vom 24. Juni 2009 CCS-Gesetz gescheitert. Kohlendioxid muss vermieden statt versenkt werden Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt sich erfreut über das vorläufige Scheitern des Gesetzes zur Versenkung des Kohlendioxides aus Kohlekraftwerken in die Erde (CCS-Gesetz). Das Abtrennen und unterirdische Speichern von Kohlendioxid im großen Maßstab verursache zu viele Risiken und habe keine Akzeptanz in der Bevölkerung. „Das ist ein Erfolg für den Bürgerprotest und den Klimaschutz, daran haben auch wir hart gearbeitet. Aber leider ist das Thema noch nicht ganz vom Tisch“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Die Unionsfraktion, die das Gesetz jetzt vorübergehend gestoppt hat, fürchtet zu Recht den Bürgerprotest vor Ort und traut sich vor der Bundestagswahl nicht mehr, ein derart heißes Eisen anzufassen. Die Einführung von CCS in Deutschland ist jedoch generell eine technologische und klimapolitische Sackgasse, darauf muss ganz verzichtet werden.“ Auch die Absicht, in der nächsten Legislaturperiode ein solches Gesetz zu verabschieden, müsse aufgegeben werden. Derartige Pläne seien reine Verschiebetaktik zugunsten der großen Energiekonzerne. Zu den entscheidenden Fragen über die Kosten- und Risikoverteilung gebe es sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat keine Perspektive für eine Einigung. Es sei daher nicht zu erwarten, dass in einem erneuten Anlauf akzeptable Lösungen für die Entsorgung des in Kohlekraftwerken abgetrennten Kohlendioxids gefunden würden. Gleiches gelte im Grundsatz für einen abgespeckten Gesetzentwurf, der lediglich die CCS-Forschung regele. Dies würde dazu führen, dass mit öffentlichen Geldern Pilotanlagen in Deutschland gebaut würden und die Akzeptanzprobleme bestehen blieben. „CO2-Transportpipelines quer durch die Republik und risikoreiche Endlagerstätten will niemand in seiner Nähe haben. Und auch für eine klimafreundliche Energieversorgung sind sie nicht nötig. Dafür brauchen wir in Deutschland ein stärkeres Engagement der Politik und der Wirtschaft für eine kohlenstoffarme Energiezukunft“, sagte Weiger. Die CCS-Technologie liefere keinen Beitrag zu einer sicheren Energieversorgung. Sie bremse den Ausbau der erneuerbaren Energien und diene den Energiekonzernen lediglich als Feigenblatt für deren rückwärtsgewandte Kohlepolitik. Deutlich kostengünstiger als CCS sei die Vermeidung von Treibhausgasen durch Effizienztechnologien und erneuerbare Energien. -------------------------------------------- Pressemitteilung vom 17. Juni 2009 Veto der Union gegen CCS-Gesetz reine Wahltaktik. BUND gegen das Gesetz wegen Klimaschutz, Sicherheitsbedenken und unzureichender Haftung Berlin: Auch nach dem wahltaktisch motivierten Veto der CDU/CSU gegen das CCS-Gesetz zur Abscheidung und Versenkung des klimaschädlichen Kohlendioxides aus Kohlekraftwerken bleibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei seiner generellen Ablehnung des Gesetzesvorhabens. Der Umweltverband forderte die Koalitionsfraktionen auf, das Gesetz endgültig zu stoppen. Die CCS-Technologie diene den deutschen Energiekonzernen lediglich als Feigenblatt, um ihre Investitionen in neue Kohlekraftwerke zu rechtfertigen. Tina Löffelsend, BUND-Klimaexpertin: „Zumindest schätzen die Unionsparteien die öffentliche Meinung zur CO2-Versenkung richtig ein. Vor allem in Norddeutschland, aber auch in Brandenburg gibt es massiven Protest gegen Pläne zum Bau von CO2-Pipelines. Und selbst wenn das CCS-Gesetz käme, hat diese Technologie vor Ort keine Chance.“ Wenn die Energiekonzerne die CO2-Versenkung unbedingt durchdrücken wollten, müssten sie auch selbst dafür bezahlen und alle Risiken ausschließen. Nicht nur der BUND, auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung sehen in CCS („Carbon Capture and Storage“) eine teure, risikoreiche und klimapolitisch fragwürdige Technologie. Löffelsend: „Ein Kohle-Aufhübschungsgesetz ist überflüssig. Auf der Tagesordnung stehen der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien und ein Neubauverbot für Kohlekraftwerke. Statt für angeblich klimafreundliche Kohlemeiler zu werben, muss die deutsche Energiewirtschaft in Sachen Klimaschutz endlich ihre Hausaufgaben machen.“ Unklar sei auch, ob es in tiefen Erdschichten genügend und sichere Lagerstätten für das Klimagift CO2 gebe und welche Kosten dabei entstünden. Belegt sei hingegen, dass CCS den Wirkungsgrad von Kraftwerken um mindestens zehn Prozentpunkte verschlechtere. Für die gleiche Menge Strom müsse damit deutlich mehr Kohle verbrannt werden. Zudem eigneten sich mit CCS ausgerüstete Großkraftwerke nicht als flexible Regelkraftwerke zur Ergänzung erneuerbarer Energien. Lücken im Gesetzentwurf habe es auch im Hinblick auf die Sicherheit geplanter CO2-Lagerstätten gegeben. Die Verantwortung für die CO2 -Speicher sei nicht dauerhaft den Betreibern der Kohlekraftwerke zugewiesen worden. Löffelsend: „Eine Energiepolitik, die auf Kohle und CCS als Lösungen setzt, verfehlt klar das Ziel von mindestens minus 80 Prozent CO2-Emissionen bis 2050. Die CCS-Technologie steht für ein `Weiter so` der Stromkonzerne. Die Klimaerwärmung erfordert jedoch eine grundlegende Wende in der Energiepolitik. Deshalb ist es falsch, den Einsatz von CCS in Deutschland mit dem Klimaschutzargument zu verteidigen.“ -------------------------------------------- Nr. 30 Kiel, den 10. Juni 2009 BUND ruft zum Protest auf: CDU will Enteignungen für CO2-Pipelines vereinfachen Die CDU/ CSU-Fraktion setze mit ihren Änderungswünschen alles daran, die Risiken der CO2 –Abscheidung für die Energiekonzerne weiter zu minimieren - auf Kosten der betroffenen Kreise und Gemeinden. So wolle sie Enteignungen erleichtern, damit die Transportpipelines für CO2 möglichst ungehindert von Eigentumsfragen gebaut werden könnten. „Offenbar ist der CDU der Schutz des Privateigentums nicht mehr so wichtig, wenn es um die Konzerninteressen geht“, so Carl-Heinz Christiansen, stellvertretender Landesvorsitzende des BUND Schleswig-Holstein. „Die Leidtragenden werden vor allem Landwirte sein, deren Besitz enteignet oder zerschnitten wird, wenn er für CO2 –Leitungen gebraucht wird.“ Christiansen weiter: „Wir rufen deshalb die Bauern auf, sich dem Protest gegen die CO2 –Pipelines und –Endlager anzuschließen, der überall in den betroffenen Gemeinden aufflammt.“ Die CDU/ CSU wolle die nach dem CCS-Gesetzentwurf bereits mögliche Enteignung für die Errichtung von Transportpipelines nicht einmal mehr davon abhängig machen, ob sie tatsächlich dem Wohl der Allgemeinheit dienten. Der Landesverband Schleswig-Holstein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert die CDU-Abgeordneten aus Schleswig-Holstein auf, das so genannte CCS-Gesetz im Bundestag abzulehnen und sich gegen die aktuellen Änderungsvorschläge der Unionsfraktion zu verwahren. Der Gesetzentwurf zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken (kurz CCS-Gesetz) wird derzeit zwischen den Koalitionsfraktionen im Bundestag verhandelt. „Die CDU setzt die Interessen der Konzerne einfach mit den Interessen der Allgemeinheit gleich. Ob die Pipelines dem Klimaschutz oder der Versorgungssicherheit dienen, soll keine Rolle mehr spielen. Es droht nun eine völlige Verschiebung der Folgekosten der riskanten CO2 –Verpressung auf die Steuerzahler.“, sagte Christiansen weiter. „Insbesondere die Interessen des ländlichen Raumes sollen den Gewinninteressen weniger Energiekonzerne untergeordnet werden.“ Nach den Änderungsvorschlägen der CDU/ CSU-Fraktion, die dem BUND vorliegen, solle die Deckungsvorsorge zum Ausgleich bei Schadensfällen sowie die Haftung der Konzerne bei Unfällen weiter minimiert werden. Gesenkt werden sollten zudem Sicherheitsanforderungen für die Lagerstätten. Auch solle die Verantwortung für stillgelegte Lagerstätten bereits nach zwanzig Jahren auf die Allgemeinheit übergehen. Der BUND lehnt die CCS-Technologie aufgrund ungeklärter Risiken und zweifelhaftem Nutzen grundsätzlich ab. Der Verband hatte kürzlich den Verlauf einer von RWE geplanten Pipeline von einer CCS-Versuchsanlage in Hürth bei Köln durch Niedersachsen bis nördlich von Husum in Schleswig-Holstein veröffentlicht. Betroffen wären demnach vor allem ländliche und landwirtschaftlich geprägte Regionen. Gleiches drohe auch in Brandenburg, wo Vattenfall ein CO2–Endlager plane. -------------------------------------------- Pressemitteilung Nr. 28 05.06.2009 St.Florian nicht möglich: MP Carstensen muss CCS-Gesetz im Bundesrat ablehnen! Kiel: Wenn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen seine Äußerung, er wolle keine CO2-Pipeline aus einem anderen Bundesland nach Schleswig-Holstein zulassen, Ernst meint, muss Schleswig-Holstein in Berlin das CCS-Gesetz ablehnen. Der Gesetzentwurf sieht keine Beschränkungen für einzelne Bundesländer vor, ein Pipelinebau darf nicht grundsätzlich verwehrt werden. Eine St. Florians Politik, keine CO2-Endlager in Schleswig-Holstein, aber in Niedersachsen oder in der Nordsee, ist nach dem Gesetz nicht möglich. „Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland begrüßt den einsetzenden Meinungswandel des Ministerpräsidenten in Sachen CCS. Schade nur, dass erst der massive Widerstand der nordfriesischen Bevölkerung ihn zu dieser Aussage veranlasst hat und nicht die Einsicht, dass die CCS-Technologie in die Sackgasse führt. Und mit St. Florian kommen wir in der Klimapolitik auch nicht weiter.“, so Carl-Heinz Christiansen, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND in einer Stellungnahme. „Wir stehen jetzt am Scheideweg, hin zu einer Zukunft mit einer umweltfreundlichen Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen oder ein Weiter so mit klima- und umweltgefährdenden Kohle- und Atomkraftwerken.“ Der Ausbau der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken steht in direkter Konkurrenz zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. „Schleswig-Holstein“, so der BUND, „ist ein Land der erneuerbaren Energien und könne in weniger als einem Jahrzehnt mindestens in der Stromerzeugung unabhängig von fossiler Energie sein. Auch um diese Chancen zu nutzen, muss sich der Ministerpräsident gegen CCS und Kohle aussprechen!“ „Wenn RWE Dea meint, auf Grund des massiven Widerstandes der Friesen gegen das CO2-Endlager zu den Holsteinern ausweichen zu können, werden wir RWE eines Besseren belehren. Auch in Ostholstein wird RWE auf massiven Widerstand stoßen“, so Wolfgang Hielscher, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Ostholstein. ![]() 6.06.2009 Pressemeldung über unsere Info-Veranstaltung in Leck-Huus. Nr. 24 Kiel, den 14. Mai 2009 Geplante CCS-Pipeline von NRW nach Schleswig-Holstein: Es drohen Risiken für Länder und Kommunen, immense Kosten für die Steuerzahler, Enteignung für die Landwirte Der Gesetzentwurf zur Abscheidung und Speicherung von CO2, kurz CCS-Gesetz, wird derzeit parlamentarisch beraten. Der BUND warnt, dass die Probleme des Transports von CO2 aus Kraftwerken zu Lagerstätten bislang völlig ungeklärt seien. „Die Risiken für Kommunen entlang der CO2-Pipeline werden in dem Gesetzentwurf nicht berücksichtigt“, so Sybille Macht-Baumgarten, die schleswig-holsteinische BUND-Landesvorsitzende. „Für den Kohledioxidtransport sind gigantische Leitungsnetze notwendig“, so Macht-Baumgarten weiter. „Das Störfallrisiko soll offenbar von Ländern und Kommunen getragen werden, die Eingriffe in Natur und Landschaft sind inakzeptabel.“ Dem BUND liegt eine Karte des Energiekonzerns RWE für die vorgesehene Pipeline-Trasse von der geplanten CCS-Versuchsanlage in Hürth bei Köln über Niedersachsen bis nördlich von Husum in Schleswig-Holstein vor. RWE will in Hürth ein 400 MW Kohlekraftwerk errichten, die potentiellen Speicherstätten für das abgetrennte Kohlendioxid liegen in Norddeutschland. Von der Trasse in den „Zielraum“ Stadum/Hörup sind in Schleswig-Holstein die Kreise Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland direkt betroffen. Der BUND kritisiert, dass der Gesetzentwurf, der morgen im Bundesrat debattiert wird, die Transportrisiken fast völlig ausblende. Es gibt keine Regelungen für die technische Sicherheit von CO2-Leitungen noch für Maßnahmen bei Unfällen oder für die Zusammensetzung des Kohlendioxidflusses. All dies könne Auswirkungen auf die Beherrschbarkeit von Leckagen haben sowie Gesundheitsrisiken für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. „Wer diese riesige Infrastruktur bauen soll, ist noch unklar, aber bezahlen soll sie die Allgemeinheit“, sagte Macht-Baumgarten. „Die großen Energiekonzerne wollen eine unerprobte und riskante Technologie auf Kosten der Allgemeinheit realisieren. Den betroffenen Eigentümern, vor allem Landwirten, droht zusätzlich eine Enteignung ihrer Flächen für die Pipeline.“ RWE-Chef Großmann hat schon klar gemacht, dass er sich die Pipeline vom Steuerzahler bezahlen lassen will und 6,5 Milliarden Euro vom Staat gefordert. „Mit der CCS-Technologie soll offensichtlich auch der Ausbau der Windenergie gebremst werden.“ so Macht-Baumgarten. „Diese Technologie steht in direkter Konkurrenz zu erneuerbaren Energien, weil die unterirdischen Kavernen als Druckluftspeicher für Windenergie benötigt werden. Der CCS-Gesetzentwurf schafft hier de facto einen Vorrang für CO2-Speicher und behindert so den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ |
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