Ortsgruppe Oberursel/Steinbach100 Fußballplätze für den GolfsportEin Golfplatz wäre eine "wesentliche Aufwertung" für Oberursel - so wird unser Bürgermeister in einem Artikel über die Gründung des Oberurseler Golfclubs zitiert. Als rein politische Aussage im Sinne einer Erhöhung der Attraktivität der Stadt kann ein Umweltschutzverband dies evt. schweigend zur Kenntnis nehmen. Als umweltpolitische Aussage darf der BUND dieses Statement allerdings nicht unkommentiert lassen. Die Anlage eines Golfplatzes ist mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Mit der Modellierung des Oberflächenprofils bei der Schaffung von Bunkern und Wasserlöchern bis hin zur Anlage der Greens wird die vorhandene Landschaft und Vegetation völlig umgekrempelt und zu einer Kunstlandschaft geformt. Selbst wenn man dies unter rein ästhetischen Aspekten noch als Aufwertung empfinden könnte, so hätte doch kaum jemand etwas davon. Denn Golfplätze bleiben in der Regel den zahlenden Mitgliedern vorbehalten und der Öffentlichkeit weitgehend verschlossen. Zusätzlich scheint eine hermetische Umzäunung des Golfplatzes allein schon wegen der Wildschweine unvermeidlich, wie auch die Landwirte bereits kritisch angemerkt haben. Und auch Rehe, Kaninchen, Maulwürfe und andere Tiere dürften von den Golfern kaum als willkommene Gäste angesehen werden. Ob und inwieweit ein Golfplatz eine ökologische Aufwertung für die Landschaft wäre, hinge ganz wesentlich davon ab, auf welchem Gelände er errichtet würde. Gedacht ist zur Zeit offensichtlich an die Gegend um das ehemalige Steinbacher Schwimmbad. Im Umfeld finden wir hier Wald, Grünland und Ackerflächen sowie Sportanlagen. Ein Abriss des Schwimmbades und Ersatz durch ein Vereinshaus oder ein Hotel wäre ökologisch mehr oder weniger neutral zu bewerten, eine Aufwertung wäre es keinesfalls. Waldflächen sollten fraglos generell für irgendwelche Eingriffe tabu sein. Extensiv genutzte Grünflächen dürften zweifelsohne ökologisch höher zu bewerten sein als ein Golfplatz. Bei intensiv genutzten Grün- und Ackerflächen fällt eine ökologische Bewertung schon schwerer. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Pflege von Golfplätzen, insbesondere der Greens, ebenfalls ökologisch sehr fragwürdig ist, da intensive Düngung und Bewässerung unerlässlich sind, um den Platz bespielbar zu halten. Blieben noch die Sportanlagen; aber an die Umwandlung von Tennisplätzen in einen Golfplatz hat Herr Brum ja wohl kaum gedacht, wobei dieses allerdings ökologisch sehr zu begrüßen wäre. Aber auch eine ökonomische Bewertung soll nicht unterschlagen werden, auch wenn sie nicht das Kernthema eines Umweltschutzverbandes ist. Hochwertige landwirtschaftliche Nutzflächen sind im Rhein-Main-Gebiet inzwischen ein sehr knappes Gut geworden und durch die unvermindert fortschreitende Ausdehnung der Siedlungsgebiete gehen täglich weitere Flächen verloren. Vor diesem Hintergrund wäre es kaum zu verantworten, eine Fläche von der Größe eines Golfplatzes (dies entspricht immerhin der Größe von über 100 Fußballfeldern) für Freizeitaktivitäten einer Minderheit zu nutzen statt für die Produktion von Nahrung für uns alle. Durch den Bau einer Privatschule auf dem Gelände des ehemaligen Steinbacher Schwimmbades ist dieser Plan zu den Akten gelegt worden. So können wir nur hoffen, dass es keine neue Golfplatzplanung auf Oberurseler Gemarkung geben wird. |
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