Landesverband Rheinland-Pfalz16. Mai 2008Biologische Vielfalt – Herausforderung für Rheinland-PfalzGemeinsame Presseerklärung der Verbände
Rheinland-Pfalz hat nicht nur traumhaft schöne Landschaft, auch um das Inventar an Lebensräumen und Arten werden wir von vielen Menschen beneidet. Dieses Kapital gilt es zu bewahren und weiter zu entwickeln. Von der Landesregierung werden wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Verluste von Lebensräumen und Arten gefordert. Mit zahlreichen Projekten leisten die Naturschutzverbände Beiträge zur Erhaltung der Vielfalt des Lebens im Land. Der BUND-Landesvorsitzendere Dr. Bernhard Braun lobt „das ungeheuer große ehrenamtliche Engagement in den Regional-, Kreis- und Ortsgruppen, die durch ihren Einsatz maßgeblich zur Erhaltung von ökologisch bedeutsamen Streuobstbeständen, Orchideenwiesen und Feuchtbiotopen beitragen.“ Viele der Maßnahmen werden durch das Land Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt. „Trotzdem müssen künftig noch größere Anstrengungen unternommen werden, um den großen Gefährdungen durch landwirtschaftliche Intensivnutzung und dem Trend zu ständig wachsenden Siedlungs- und Verkehrsflächen entgegen zu wirken“, so Braun weiter. Die Naturschutzverbände sehen die Veränderungen im Offenland als dramatisch an und erklären die bisherige Agrarpolitik für gescheitert. Selbst in den Mittelgebirgen, wo traditionell nicht so intensiv gewirtschaftet wird, sind bunte Blumenwiesen eine Seltenheit geworden, immer mehr Hecken, Wegraine und Kleinstrukturen sind in den letzten Jahren verschwunden. Braunkehlchen, Feldlerche, Raubwürger und Bläulinge haben dramatische Rückgänge zu verzeichnen. Die Verbände fordern daher, dass künftig alle Zuschüsse an die Landwirtschaft stets auch der Allgemeinheit zu Gute kommen müssen. „Wenn mehr als die Hälfte der landwirt-schaftlichen Einkommen durch direkte und indirekte Subventionen erwirtschaftet werden, dann kann die Gesellschaft auch fordern, dass die landwirtschaftliche Produktion Anforde-rungen an Verbraucher, Tier- und Naturschutz erfüllt“, so Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz. Angesichts des Wegfalls der Flächenstilllegung und der stark fort-schreitenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion fordern die Verbände die Einrichtung von 10% Naturschutzvorrangflächen, um das dramatische Artensterben in der Feldflur aufzuhalten. Deshalb müssten die EU-Subventionen auch neu verteilt werden. Die Direktzahlungen (Erste Säule), die nach Ansicht der Verbände ohne große Gegenleistung für die Gesellschaft gezahlt werden, müssten umgeschichtet werden in die Förderungen der ländlichen Entwicklung mit klaren Leistungen für den Naturschutz. Notwendig wäre es auch, die Vergabe der Mittel so zu ändern, dass sie den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum unterstützen. An den rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsminister Hendrik Hering appellierten die Verbände, hier endlich eine wirksame Änderung herbeizuführen. Gelingt das nicht, so können wir das Ziel, die Artenvielfalt im Offenland zu erhalten, nicht erreichen. Von höchster Bedeutung für die Vielfalt an Arten und Lebensräume sind wirksame Schutz-gebiete. Die großen Leistungen des Landes bei der Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten und Naturparken sind hinsichtlich der Erhaltung der Lebensvielfalt dabei nur von untergeordneter Bedeutung. Das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000, bestehend aus FFH- und Vogelschutzgebieten, sowie Naturschutzgebiete sind die Zentren der Erhaltung der Vielfalt. Für den Rotmilan, für den Rheinland-Pfalz international Verantwortung trägt, steht die Sicherung der wichtigsten Vorkommen im Westerwald noch aus. Die Verbände erwarten au-ßerdem von der Landesregierung, dass in Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten ein hoher Schutzstatus realisiert und dieser nicht durch Ausnahmeregelungen ausgehöhlt wird. „Die Bewirtschaftungspläne müssen zur Planungssicherheit aller nun zügig erarbeitet und veröffentlicht werden, notwendige Erhaltungsmaßnahmen finanziell abgesichert und die Er-folge dokumentiert werden“, so Dr. Peter Keller, Vorsitzender der GNOR. „Außerdem brauchen wir einen strategischen Ansatz für den Arten- und Biotopschutz, der deutlich über das hinausgeht, was bisher gefördert wurde. Die Zerschneidung und Isolierung von Lebensräumen ist eines der gravierendsten Probleme für die Biodiversität in Rheinland-Pfalz. Nur noch auf 15 % der Fläche unseres Landes finden sich unzerschnittene verkehrsarme Räume von 100 km² oder mehr, doch auch diese sind nicht verkehrsfrei. Der Verkehrstod ist z.B. für die Amphibien ein substanzieller Bedrohungsfaktor; und auch Säuger wie Rothirsch und Wildkatze werden durch Autobahnen und Schnellstraßen an der Ausbreitung gehindert. Gleichzeitig ist ein Biotopverbund im Bundesnaturschutzge-setz und in der FFH-Richtlinie festgelegt. Die Verbände fordern daher den Ausbau des landesweiten Biotopverbunds auf der Basis des NABU-Bundeswildwegeplans und des BUND-Wildkatzenwegeplans. Nach der Meldung von Natura 2000-Gebieten darf es keinen Stillstand geben. Die Umsetzung eines funktionsfähigen Verbundsystems ist die Herausforderung für die nächsten Jahre. Angesichts der immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels fordern die Verbände, dass die Landesregierung die besonders verwundbaren Arten und Lebensräume benennt und einen Maßnahmenplan für deren Erhaltung umsetzt. Insbesondere die Amphibien- und Libellenvorkommen im Land seien gefährdet. Hier könnten mit Maßnahmen der Vernässung und Wasserrückhaltung relativ einfach Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Programme, wie die Aktion Blau leisteten hier bereits einen Beitrag, müssten aber zielgerichteter angegangen und ausgebaut werden. Arbeitsschwerpunkte der Naturschutzverbände Aktivitäten GNOR Die Beobachtung der Tier- und Pflanzenarten in Rheinland-Pfalz bildet Schwerpunkt der Ar-beit der GNOR. So beobachten ehrenamtlich hunderte Vogelkundler nach einheitlichen Methoden und zu gleichen Zeiträumen beispielsweise die Wasservögel oder die Feldvögel auf ausgewählten Probeflächen im Land. Das regelmäßig Monitoring ist Grundlage, um Be-standsentwicklungen von Tieren und Pflanzen überhaupt erst festzustellen und gezielt Arten-schutzmaßnahmen durchzuführen. „Unsere Mitglieder leisten hier Großartiges“, lobt Dr. Peter Keller, Vorsitzender der GNOR. „Die ehrenamtlichen Arbeiten, wie Kartierungen, die Koor-dination der vielen Mitarbeiter und die Auswertungen stoßen aber an ihre Grenzen. Wir wünschen uns vom Land dringend eine stärkerere ideelle und finanzielle Unterstützung des Ehrenamtes und professionelle Monitoringprogramme. Nur so kann festgestellt werden, ob Maßnahmen, die den Rückgang der Biologischen Vielfalt aufhalten sollen, überhaupt erfolgreich sind“, ergänzt Keller. Auf Grundlage der Beobachtungen führt die GNOR gezielte Artenschutzmaßnahmen durch. So werden durch die vom Land geförderte Beweidung von 60 ha Steillagen am Mittelrhein Smaragdeidechse oder Segelfalter erhalten und der Rheinsteigwanderer kann Ziegen und Ponies erleben. Eine weitere Beweidung mit Exmoorponies eines Tales im Pfälzerwald soll dieses Jahr realisiert werden. Ein Kooperationsprojekt mit Abbaubetrieben, das durch die Stif-tung Natur und Umwelt unterstützt wird, wird Amphibien, die ehemals in den Rheinauen lebten, ein neues zu Hause gesichert. Aktivitäten NABU Ein Arbeitsschwerpunkt des NABU ist die Einrichtung von sogenannten Halboffenen Weide-landschaften. Auerochsen- und Wildpferderückzüchtungen gestalten hier auf Wiesen- und Ackerflächen, die größer als 20 ha sein müssen, neue Lebensräume. Die großen Pflanzenfresser leben weitgehend wild und sorgen dafür, dass ein Mosaik unterschiedlichster Strukturen entsteht. Als Inseln in einer immer intensiver genutzten Landschaft stellen diese Projekte wichtige Zentren der Artenvielfalt dar. Mit einem Pilotprojekt im Donnersbergkreis demonst-riert der NABU in enger Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium die Vorteile dieses Ansatzes und verfolgt das langfristige Ziel, in jedem Landkreis in RLP ein solches Projekt zu etablieren. Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Erhaltung des mit 100.000 Fledermäusen größten deutschen Fledermausquartiers in der Eifel dar. Hier wurden 16 Fledermausarten festgestellt. In einem Naturschutzgroßprojekt, das vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz mit ca. 5 Mio Euro gefördert wird, investiert der NABU 266.000 Euro, um die Basalthöhlen für diesen Schwerpunkt der Fledermausvielfalt zu erhalten. Aktivitäten BUND Für den BUND hat die Arbeit an Gewässern lange Tradition. Mit dem Quellschutzprojekt wurde verdeutlicht, dass Quellen, Sinnbild der Lebendigkeit, Ursprünglichkeit, Reinheit und Lebensfrische, gleichzeitig die am stärksten gefährdeten Lebensräume unserer Umwelt sind. Aktuell beschäftigt sich der BUND intensiv mit der Biodiversität an Fließgewässern. In dem vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht geförderten Projekt er-fassen ehrenamtlich arbeitende Wasserläufer die Artenvielfalt an rheinland-pfälzischen Bächen und Flüssen. Besonderen großen Handlungsbedarf sieht der BUND in den großen Fluss-auen. Er fordert die Landesregierung auf durch die Rückverlegung von Deichen wieder die natürliche Gewässerdynamik zu ermöglichen. Nicht nur, dass die Wasserorganismen hiervon profitieren würden. Dr. Erwin Manz (BUND-Landesgeschäftsführer) erklärt: „Die Schaffung von natürlichen Überschwemmungsflächen dient den Unterliegern als Hochwasserschutz-maßnahmen und neu entstehende Auewälder und Auewiesen bietet den Menschen attraktive Erholungsräume. Im Zeichen des Klimawandels ist es wichtig, dass Wanderachsen von Tieren entlang der Gewässer gestärkt werden.“ Weitere Informationen Dr. Erwin Manz, BUND, Landesgeschäftführer: Telefon (06131) 231973 Dr. Peter Keller, GNOR, Landesvorsitzender: Telefon (06341) 5590646 Siegfried Schuch, NABU, Landesvorsitzender: Telefon (06133) 507988 |
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