Landesverband Rheinland-Pfalz

Alte Gemüse – Vergessene Genüsse?

Erhaltung der generationenalten Sorten mit ihren regionalen Anpassungen, ihrem genetischen Reichtum und ihrer geschmacklichen Vielfalt

Kennen Sie den Köksje, den Pfälzer Rodkopp oder die Kecherlinge? Das Köksje, eine Stangenbohne aus dem Ahrkreis, hat als Relikt der französischen Besatzungszeit lokale Berühmtheit erlangt. Die Kecherlinge sind Speiseplatterbsen, deren Anbau in der Pfalz über mehrere Jahrhunderte nachgewiesen wurde. Auch der Pfälzer Rotkopp, das weiße Gold von Schifferstadt, gilt als robust, ertragsreich und wohlschmeckend. Wenn Sie diese Gemüsesorten richtig erkannt haben, dann sind Sie wie geschaffen für Christian Haveniths ausgeführte Projekt des BUND. Der Biologe aus Sinzig sucht in Rheinland-Pfalz passionierte Gärtner und Gärtnerinnen, die ihr Gemüse noch selber ziehen oder alte mehrjährige Sorten in ihrem Garten pflegen und bereit sind, sein Gemüsesortenprojekt „Rheinland (+) Pfalz“ zu unterstützen.
Mehr als 180 Sorten hat Christian Havenith schon zusammengetragen. So ist sein Garten mit der Zeit zu dem größten Regionalsortenarchiv der Bundesrepublik angewachsen. Christian Havenith sammelt Saatgut alter Bauerngärten. Diese alten Sorten werden in seinem Garten angebaut und damit für die Region erhalten, bevor sie in Vergessenheit geraten.


Welchen Vorteil hat der Anbau dieses alten Saatgutes? Die Sorten wurden teilweise jahrhundertelang gezüchtet, bis sie optimal an die regionalen Umweltfaktoren wie Klima, Boden, Wasser, Luft angepasst waren. Oft beweisen sie eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit. Gedüngt wurde früher überwiegend mit organischem Dünger (Mist), wie es heute noch in der ökologischen Landwirtschaft gemacht wird. So haben diese Gemüsesorten genau die Eigenschaften, welche für den ökologischen, umweltgerechten Anbau sehr wertvoll sind. Grundsätzlich gilt, je mehr Sorten noch angebaut werden, desto schwerer kann sich eine Pflanzenkrankheit ausbreiten. Zudem wird ein natürliches altes, regionales Kulturgut bewahrt.
Auch die geschmackliche Vielfalt kann so weiterhin erhalten werden. Wer kennt schon gelbe Tomaten, alle Erbsenvariationen und die 70 verschiedenen Bohnensorten, die Christian Havenith in seinem Garten anpflanzt? Es gibt viel zu entdecken, auch für den Gaumen.


Vielleicht haben Sie ja noch längst vergessene Saatgüter in ihren Kellern und Speichern und können diese dem Projekt zur Verfügung stellen. Oder Sie haben Freude an der Erhaltung dieser alten Gemüsesorten und die Möglichkeit, diese für das Projekt anzubauen. Dann können Sie die Patenschaft für eine Gemüsesorte übernehmen. Das Saatgut wird gestellt, dann unter kontrollierten Bedingungen angebaut und 90% Prozent des geernteten Saatgutes werden wieder zurück an das Gemüseprojekt geschickt. Die verbleibenden Samen dürfen Sie behalten und wieder verwenden.

So helfen Sie mit das Saatgut in der Region für die Region zu erhalten!




Vergessene Gemüse

Ewiger Kohl mit bunten Paradiesäpfeln

Ein Rezept von: Christian Havenith aus Sinzig

Einkaufsliste:

ein gutes halbes Kilo "Ewiger Kohl"
aus dem Gemüsesortenprojekt "Rheinland Pfalz"
1 mittelgroße Zwiebel
10 kleine bunte Tomaten (z.B. gelb oder orange)
1 Dose geschälte Tomaten (etwa 400 g)
Tomatenmark
Gemüsebrühe (auch gekörnte)
Olivenöl
Zitronen-Thymian (1 Büschel)
Salz, Pfeffer, Muskat, Knoblauch
evtl. etwas geriebenen Parmesan


Zubereitung:

Die Blätter des Ewigen Kohls waschen und sorgfältig klein schneiden. Die Zwiebeln klein schneiden und im Topf mit etwas Olivenöl andünsten. Den Ewigen Kohl hinzugeben und andünsten. Gemüsebrühe nach Bedarf zugeben und fertig dünsten. Die Tomaten halbieren und zusammen mit den klein geschnittenen geschälten Tomaten aus der Dose hinzugeben, bei kleiner Hitze aufkochen. Das Ganze mit Tomatenmark, Thymian und Gewürzen abschmecken, auf Teller verteilen und mit Parmesan servieren.


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