Landesverband Rheinland-PfalzEine Reise durch die bunte Warenwelt der Stadt? KonsumGlobal Ausbildung in MainzImmer wieder ist die Rede vom kritischen Konsumenten/der kritischen Konsumentin. Durch unser Kaufverhalten sollen wir einen Einfluss auf Wirtschaft haben können. Ist das wirklich so? 20 Jugendliche wollten dieser Frage nachgehen und ließen sich am 23. bis 24. Februar in Mainz zu KonsumGlobal StadtführerInnen ausbilden.KonsumGlobal ist ein Projekt des Jugendumweltnetzwerkes Niedersachsen (JANUN). Auf Stadtführungen, die von Jugendlichen geleitet werden, soll die gewohnte Umgebung unter ganz neuen Blickwinkeln erkundet werden. Wie produziert H&M unsere T-Shirts? Unter welchen Bedingungen müssen die ArbeiterInnen in Südamerika unseren Kaffee herstellen? Wie wirkt sich mein Konsum auf die ökologischen und sozialen Zusammenhänge auf der Welt aus? Bei dem Projekt geht es aber nicht nur darum den Finger zu erheben und den Moralapostel zu spielen. Es werden vor allem positive Ansätze aufgezeigt und ein Bewusstsein über globalisierte Wirtschaftsabläufe hergestellt. KonsumGlobal wurde ausgezeichnet als Dekaden Projekt für nachhaltige Entwicklung und wird in Kooperation mit der BUNDjugend Bundesverband in über 20 Städten in Deutschland durchgeführt.
Als Referent konnte für das Seminar Jochen Dallmer gewonnen werden. Er ist Dipl. Politologe und arbeitet seit 2006 bei JANUN, wo er lokale und landesweite Projektgruppen im Aufbau der konsum- und globalisierungskritischen Stadtführung unterstützt. Seit 2007 ist er Projektkoordinator für das bundesweite Projekt "KonsumGlobal", das in Kooperation mit der BUNDjugend bis Ende 2009 läuft.Das Seminar begann, wie sollte es auch anders ein, mit einer Stadtführung durch Mainz, die von Jochen selbst geleitet wurde.
Die Stadtführung ging bei einem Sportschuhhersteller los. Wo wird der Schuh produziert? Welche Materialien werden verwendet? Wie viel bekommen die Menschen gezahlt, die unsere Schuhe produzieren? Ist das überhaupt sozial gerecht und ökologisch nachhaltig? Die TeilnehmerInnen konnten sich direkt vor Ort und Stelle informieren und nahmen die Verkaufsetiketten der Schuhe unter die Lupe.
Erschreckend war für alle, dass die ArbeiterInnen noch nicht einmal 1 % des Verkaufspreises an dem Schuh verdienen.Weiter ging es zum allseits beliebten McDonald’s. Dort ging es vor allem um den Fleischkonsum. Da riesige Flächen in der dritten Welt benötigt werden, um Futtermittel für die Tiere anzupflanzen, hat unser massiver Fleischkonsum in den Industrieländern nachhaltige, ökologische Folgeschäden. Durch Brandrodungen verschwinden tausende Hektar an Wald, der für ein stabiles Ökosystem benötigt wird. Vom Fleisch war es nicht mehr weit zu einem weiteren Konsummittel. Kaffee! Bei Tchibo konnten sich die TeilnehmerInnen über die Produktionsbedingungen von Kaffee informieren.
Lustig wurde es, als eine der Teilnehmerinnen einen typischen Schutzanzug der ArbeiterInnen aus den Kaffeeplantagen anprobierte (die wegen der giftigen Spitzmittel benötigt werden) und die Kunden des Tchibo Ladens etwas verwirrt die ganze Szene betrachteten. Als die TeilnehmerInnen dann noch in den Tschibo Laden gingen, um nach kontrolliert biologisch angebauten und fair gehandeltem Kaffee zu fragen, war ihnen die Aufmerksamkeit sicher. Die Verkäuferin wusste zum Erstaunen aller gar nicht, dass es „Bio“-Kaffee überhaupt gibt. Die Tour endete bei einem Welt- oder Bioladen, wo sich die TeilnehmerInnen über mögliche Alternativen und fair gehandelte Produkte ausreichend informieren konnten. Nach der Stadtführung ging es zurück zum Tagungsort, wo die TeilnehmerInnen in Kleingruppen auf Plakaten einige Fragen beantworten sollten, um sich darüber klar zu werden, was sie mit ihrer Stadtführung erreichen wollen. Jochen erläuterte ausführlich die Projektidee, die hinter KonsumGlobal steht und erzählte von einigen Probleme, die bei anderen Stadtführungen aufgetreten waren. Danach sollten die TeilnehmerInnen sich eine Station aussuchen, die sie gerne selber präsentieren würden, denn am nächsten Tag sollten die TeilnehmerInnen selber eine Stadtführung leiten. Am Abschluss des Seminars wurden die weiteren Schritte diskutiert. Die BUNDjugend sollte die landesweite Vernetzung zwischen den Gruppen gewährleisten, während die Gruppen vor Ort weitestgehend autonom agieren und eigenständig Kooperation mit anderen Verbänden suchen sollen. Das Projekt konnte im Folgenden auch öffentlichkeitswirksam präsentiert werden. So wurde während des Open Ohr Festivals in Mainz eine Stadtführung angeboten und mit 30 TeilnehmerInnen durchgeführt. Derzeit wird noch überlegt, ob es im Herbst diesen Jahres eine zweite Ausbildungsrunde für neue StadtführerInnen geben soll. Die TeilnehmerInnen des Ausbildungsseminars haben auf jeden Fall etwas für sich mitgenommen. Mehr Wissen und mehr Verständnis über das Zusammenleben in einer globalisierten Welt! |
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