Landesverband Rheinland-Pfalz

Positionspapier des BUND Rheinland-Pfalz

Nachwachsende Rohstoffe - Restbiomassen

Energetische Nutzung

Der BUND Rheinland-Pfalz steht der Nutzung von Biomasse (nachwachsende Rohstoffe und Rest-Biomasse) positiv gegenüber. Basis der Diskussion ist allerdings eine parallel zu der Nutzung stattfindende drastische Energie-Einspar-Kampagne.

Wie die Studie ,,,Zukunftsfähiges Deutschland", die in Zusammenarbeit zwischen BUND, Misereor und dem Wuppertaler Institut für Klimaforschung entstanden ist, zeigt, sind Einsparpotentiale in der Größenordnung zwischen 80 und 90 % in den Industrienationen erforderlich, um globalen Klimaveränderungen wirksam entgegentreten zu können.
Bei der energetischen Nutzung sind die einzelnen Schritte der Prozesskette zu berücksichtigen. Sie umfasst den gesamten Lebenszyklus vom Anbau über die Verarbeitung, den Transport und die Nutzung bis hin zur Reststoffverwertung. Der BUND heißt die energetische Nutzung erst dann gut,


  • wenn eine ganzheitliche Energiebilanz positiv ausfällt
  • die Bewirtschaftung den Vorgaben des ökologischen Land- und Waldbaus unterworfen wird, um den Energieeinsatz und die Umweltauswirkungen zu minimieren.

Rest-Biomassen - Biogas

Eine Nutzung von Rest-Biomassen wird vom BUND unter folgenden Voraussetzungen toleriert:

  • Vorrang hat eine stoffliche Verwertung, Reststoffe sollen in der Landwirtschaft verwertet werden.
  • Besondere Bedeutung kommt den Energieträgern zu, die ohne gesonderten Aufwand ohnehin anfallen. Die Erfassung der Nassfraktion aus dem Hausmüllaufkommen in den sogenannten ,,Biotonnen" sowie Klärschlämme für die anschließende Vergärung ist ein erster Schritt zur industriellen Biogasnutzung. Die Einbindung von Gülle und Rückständen aus Fettabscheidern, Festtsammelstellen und Reststoffmengen aus den Lebensmittel vertreibenden und verarbeitenden Gewerbezweigen etc. birgt hohe Energiepotentiale. Allein der Grünschnitt aus den Hausgärten bietet ein riesiges Rohstoffreservoir, das derzeit energetisch kaum genutzt wird.
  • Landwirtschaftliche Biogasanlagen sind zu bevorzugen.
  • Auf weitgehende Schadstofffreiheit ist in allen Bereichen zu achten.
  • Es sind kurze Transportwege (max. 50 km) einzuhalten.

Thermische Nutzung

Die thermische Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen bzw. Rest-Biomassen hält der BUND nur unter folgenden Bedingungen für möglich:

  • Die Verwertung nachwachsender Energieträger in Großkraftwerken ist wegen des schlechten Wirkungsgrades derselben (ca. 40 %) abzulehnen. Neue Entwicklungen für kleine, dezentrale Verbrennungsanlagen mit Wirkungsgraden, die deutlich über denen von Großkraftwerken liegen, sind vorzuziehen. Die Kraft-Wärme-Kopplung als heutiger Stand der Technik ist vorrangig einzusetzen.
  • Zum Einsatz sollen die nachwachsenden Rohstoffe kommen, für die kein intensiver Wald oder Landbau betrieben werden muss. In erster Linie ist das im mitteleuropäischen Raum naturbelassenes Holz. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass ,,offene Kamine", energetisch betrachtet, sehr schlecht abschneiden und daher nicht zukunftsweisend sind.
  • An zweiter Stelle stehen die sogenannten C4-Pflanzen, schnellwachsende Gras/-Schilfarten mit einem hohen C02-Bindevermögen und großem Biomasseanteil, die in ihren verschiedenen Varianten unter den vorgenannten Bedingungen weltweit ökologisch angebaut werden können. Ist mit dem Anbau dieser Pflanzen eine Intensivierung der Landwirtschaft verbunden, wird er abgelehnt.
  • Lebensmittelträchtige Arten scheiden aus ethischen Gründen aus.
  • Pflanzenöl bietet eine Chance für bevorzugte Länder, einen lukrativen Export zu installieren. Zum Beispiel wäre es außenpolitisch sinnvoll, auf die Länder mit schwindenden Mineralöl-Ressourcen dahingehend einzuwirken, beizeiten z.B. Ölpalmengärten anzulegen.
  • die Verwendung von Pflanzenöl muss in weitgehend unverarbeiteter Form erfolgen (z.B. Elsbett-Motor). Die Veredelung im industriellen Maßstab zur Anpassung an herkömmliche Motortechnologie (z.B. Raps-Methyl-Ester, in den Medien leider immer falsch als Bio-Diesel dargestellt!) darf nicht weiter stattfinden. Weltweit gibt es über 400 Pflanzenarten mit ölhaltigen Bestandteilen, die ökologisch angebaut werden könnten. Die anfallenden Presskuchen sind als Tierfutter oder in der Lebensmittelherstellung einsetzbar.
Anm. Redaktion
Dieses Positionspapier ist eingeflossen in die BUND-Position des Bundesverbandes das dort zu bestellen ist.


Stand März 1998

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