Landesverband Rheinland-Pfalz

Fallbeispiel: Hochstadt – eine Region trocknet aus

Wertigkeit

Hochstadt (Landkreis Südliche Weinstraße). In der Queichniederung finden sich sehr schützenswerte Feuchtbiotope. Diese als FFH-Gebiete ausgewiesenen Schutzzonen haben auch bei der Bevölkerung einen hohen Stellenwert und dienen vielerorts der Nutzung als Naherholungsgebiet. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Landschaftsschutzgebiet „Kaltenbacher Bruch“. Hier wurden im Zuge der Flurbereinigung in vorbildlicher Weise Biotope vernetzt. Die Queichwaldungen standen früher ganzjährig mehr oder minder unter Wasser, wodurch sich eine einzigartige und schützenswerte Flora und Fauna entwickeln konnte.

Probleme

Doch gerade dieser schützenswerte Wald verändert nach und nach seine ökologischen Merkmale. Die Gemarkung um Hochstadt trocknet langsam aus. An der Messstelle Lustadt wird eine Grundwasserspiegelabsenkung von einem Meter nachgewiesen. Die einzigartigen Bruchwälder werden von Forsten verdrängt, welche an trockenere Standorte angepasst sind. Hierdurch verschwinden viele Arten und die Biodiversität leidet. Auch konstatiert die Forstverwaltung schwere Schäden an den Wertholzbeständen der Queichwaldungen aufgrund des vorherrschenden Wassermangels. Zudem sind in diesen ehemals sehr wertvollen Bachauenwäldern viele bedrohte Arten schon nicht mehr vorhanden. Auch andere Bäche leiden unter zunehmender Trockenheit. Der Hainbach, der bei Gleisweiler entspringt, fiel im letzten Oktober sogar ganz trocken.

Ursachen

Klimatische Ursachen sind sehr wahrscheinlich beteiligt an den sinkenden Wasserständen. Während der letzten drei Jahre kam es immer wieder zu Niederschlagsdefiziten, welche den Grundwasserspiegel der Region über einen Meter sinken ließen.

In der Gemarkung Hochstadt wurden acht Brunnen zur Grundwasserentnahme genehmigt. Diese Brunnen sollen rechtlich fixiert, eine Tiefe von 15 Metern nicht überschreiten. Theoretisch dürften die genehmigten Grundwasserentnahmen nicht die Grundwasserneubildung überschreiten und werden auf 23.000 Kubikmeter für die Hochstadter Gemarkung beziffert. Die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel ständig sinkt, steht dazu allerdings im Kontrast. Auch wird allein für den in der Region sehr intensiv betriebenen Gemüseanbau sicherlich mehr Wasser verbraucht. Besonders in der Südpfalz wird die dezentrale Beregnung immer weiter ausgeweitet und damit auch die Belastung für das Grundwasser.

Zu installierende Messuhren in den Brunnen, welche die genauen Betriebsdaten erfassen und dokumentieren sollen, sind nach Beobachtungen von Ortskundigen meist defekt, oder einfach nicht vorhanden. Nach einer dem BUND vorliegenden Hochrechnung über das tatsächliche Verbrauchsvolumen wurden bis zu 100.000 Kubikmeter ermittelt! Hinzu kommen noch große Mengen, die durch den Golfplatz am Dreihof den Queichwaldungen entzogen werden. Trotz korrekt verteilter Wasserrechte sind vielerorts die Vor-Ort-Kontrollen nicht mehr gewollt, beziehungsweise entsprechende Aufsichtsbehörden nicht mehr vorhanden oder nicht mit ausreichendem Personal besetzt.


Perspektiven

Um langfristig die Grundwassersituation vor Ort verbessern zu können, muss die Kontrolle der Wasserentnahme gewährleistet sein. Wenn das Verbrauchsvolumen an die Grundwasserneubildung angepasst wäre, könnte eine nachhaltige Nutzung des Wasserreservoirs gesichert sein und die gravierend sinkenden Grundwasserstände normalisiert werden.

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