Landesverband Rheinland-PfalzFallbeispiel: Hinterer Roxheimer Altrheinarm – ein Biotop geht verlorenWertigkeitBobenheim-Roxheim (Landkreis Rhein-Pfalz). Als Teil einer vor 1200 Jahren natürlich vom Rhein abgetrennten Altrheinschlinge wurde der hintere Roxheimer Altrheinarm als FFH- und Vogelschutzgebiet ausgewiesen. In diesem geschützten Gebiet liegen wichtige Durchzugs- und Überwinterungsquartiere für Gründelenten, Tauchenten und Taucher. Besonders hervorzuheben ist der streng geschützte Purpurreiher, aber auch weitere Brutvogelarten, wie Blaukehlchen, Beutelmeise, Rohrweihe und Eisvogel kommen hier vor. Die ehemals dichten Schilfröhrichtbestände boten einen guten Brutplatz für diese Vögel. Auch Amphibien, wie der Kammmolch, waren hier zu finden.ProblemeIn den letzten Jahren, besonders auffällig seit 2003, sinkt der Wasserspiegel des Altrheinarms immer drastischer. Im Spätsommer ist das Gewässer fast völlig ausgetrocknet. Dies hat natürlich Konsequenzen für das empfindliche aquatische Ökosystem. Das Schilf in Ufernähe ist fast durchweg durch Austrocknung geschädigt, womit die wichtigen Brutplätze für Schilfbrüter wegfallen. Auch sind die geschützten Hochstaudenfluren gefährdet. Es ist zu befürchten, dass dieses sowieso schon sehr nährstoffreiche Gewässer, noch stärker eutrophiert.Wirklich prekär wurde die Situation dieses Altrheinarms im Herbst 2005. Zu dieser Zeit war das Gewässer so trocken gefallen, dass speziell die Karpfen in dem 20 cm flachen See nicht mehr genug Sauerstoff bekamen und verendeten. Durch dieses Fischsterben wurden der Untergrund und die Fische mit dem Gift Botulinum verseucht. Dieses von Bakterien gebildete Gift wurde wiederum von Wasservögeln über die Fischkadaver aufgenommen, was zu einem erschreckenden Vogelsterben führte. UrsachenIm Fall des Roxheimer Altrheinarms muss der Grund für den Wassermangel in einer Kombination verschiedener Faktoren gesucht werden: von natürlichem Verlanden eines Gewässers, besonders niedrigen Grundwasserständen, früherem Einbringen von Schlamm sowie Wasserentnahme aus dem benachbarten Grundwasser. Verlandet ein stehendes und flaches Gewässer, so ist dies ein fortschreitender, natürlicher Prozess. Bei dieser Altrheinschlinge wird der natürliche Prozess der Verlandung durch menschliche Eingriffe in den Grundwasserhaushalt stark beschleunigt. In den vorangegangenen Jahren kam es zusätzlich verstärkt zu Niederschlagsdefiziten.Bis zum Jahr 2003 hatte die Region einige Jahre mit besonders hohem Grundwasser zu kämpfen. Als Lösungsansatz für die teilweise recht hohen Grundwasserstände wird der Bau einer Süd- und Nordspange, das sind ableitende Gräben vom Isenach-Eckbach-System zum Rhein um Frankenthal herum, vorgeschlagen. Diese sollen die flächenhafte Entwässerung in dieser Region gewährleisten. Hierbei ist zu befürchten, dass durch den Bau der Nordspange gerade auch dem Bereich des Roxheimer Altrheins zusätzlich Wasser entzogen wird, was dessen Situation noch dramatisieren würde. PerspektivenDer dramatischen Austrocknung sollen Gegenmaßnahmen folgen. Nur als kurzfristige Notmaßnahme ist wohl die Einleitung von Wasser aus dem naheliegenden Silbersee anzusehen. Vorerst soll die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers wieder hergestellt werden. Auch eine Verbesserung der Gewässergüte müsste angestrebt werden.Diskutiert wird bereits, in wie fern dieser Biotop überhaupt zu retten ist und ob die Schaffung eines Ersatzlebensraumes in Betracht gezogen werden muss. Ob dies aber überhaupt realisierbar ist, ist stark umstritten. Der BUND fordert eine intensive Erforschung der Ursachen für die tiefen Wasserstände, um geeignete langfristige Maßnahmen ergreifen zu können. Zunächst um die Verbindung mit dem etwas höher stehenden Vorderen Roxheimer Altrhein wieder herzustellen. Ansonsten ist nicht auszuschließen, dass das ehemals hochwertvolle Feuchtgebiet „Hinterer Roxheimer Altrheinarm“ durch menschliche Eingriffe verursacht, für immer verloren ist. |
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