Landesverband Rheinland-Pfalz

Fallbeispiel: Der Jagdhausweiher ist gefährdet

Wertigkeit

Trippstadt (Landkreis Kaiserslautern). Der „Jagdhausweiher“ im Aschbachtal bei Trippstadt ist eines der schönsten Verlandungsmoore der Pfalz. Es wurden mehr als 29 seltene Pflanzenarten entdeckt, von denen fast alle auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten stehen. Auf den Wiesen blühten seltene Orchideen, z. B. das Breitblättrige Knabenkraut. Im Randgebiet fanden sich zwei seltene Sonnentauarten und selbst auf der ehemals offenen Wasserfläche blühte die Wasserfeder. Calla, Krebsschere und Froschbiss waren auch zu finden. Um die einzigartige Flora zu erhalten, wurde der Weiher 1990 zum Naturschutzgebiet erklärt. Manche dieser Arten sind seitdem verschollen.

Probleme

Besucht man den Jagdhausweiher heute, ist seine Wasserfläche allenfalls noch als kleiner Tümpel zu bezeichnen. Der extrem niedrige Wasserstand führt dazu, dass die Lebensgemeinschaften, wenn der jetzige Zustand nicht bald endet, irreversibel gestört werden. Die an die Feuchtigkeit angepassten Pflanzen werden von Pflanzengesellschaften verdrängt, die an trockenere Standorte angepasst sind, und sterben aus. Nähert man sich dem seltenen Schwingrasen (eine besondere Ausbildung eines Moores), findet man die bestandsbildenden Moose vertrocknet vor. Im trüben Wasser sind die Rücken der letzten Karpfen zu erkennen.

Diese gravierenden Wasserstandsveränderungen sind verstärkt seit 2003 zu beobachten. In diesem Jahr fiel der Aschbach das erste Mal trocken, damit sank auch der Wasserspiegel des Jagdhausweihers der vom Aschbach gespeist wird. 2003 wurde in einer Restpfütze des eintrocknenden Aschbachs oberhalb des Jagdhausweihers eine Rutte (Lota lota) gefunden. Diese seit vielen Jahren in der Pfalz nicht mehr nachgewiesene Fischart kam nach Literaturangaben 1963 in der Moosalbe, in welche der Aschbach mündet, vor. Das untermauert die Aussage einer alten Anwohnerin, wonach sich niemand an ein totales Austrocknen des Baches erinnern kann.
Besonders prekär wurde die negative Entwicklung des Gewässers 2005. In diesem Jahr wurde der Weiher als Notlösung von den Technischen Werken Kaiserslautern (TWK) bewässert.



Ausgetrockneter Aschbach


Ursachen

Was könnten die Gründe für eine solch offensichtliche Wasserknappheit sein? Exakte Nachweise, dass die Trinkwasserförderung durch Tiefbrunnen der TWK den geringen Wasserstand verursacht haben, wurden bislang nicht erbracht. Andererseits sind keine Fakten bekannt, welche diesen Zusammenhang ausschließen könnten. Im Gegenteil spricht gerade die hohe Konzentration von Brunnen im Aschbachtal für einen Zusammenhang zwischen Wasserentnahme und Wasserknappheit der Gewässer. Zudem wird genau in den feuchten Tälern um Kaiserslautern Trinkwasser für die TWK, den Wasserzweckverband Westpfalz und die amerikanischen Versorgungseinrichtungen in der Westpfalz gewonnen. Dies entspricht einem Versorgungsgebiet, welches von der saarländischen Grenze bis über den Landkreis Kusel zum Donnersbergkreis und in den Raum Bad Kreuznach reicht.

Perspektiven

Besonders das Jahr 2003 war erheblich zu trocken. Auch in den folgenden Jahren wurden Niederschlagsdefizite gemessen. Trotz der Häufung von Trockenjahren, kann die klimatische Situation der Region nicht alleine Ursache für diesen Wassermangel sein. All diese Beobachtungen legen nahe, dass auch die Wasserentnahme eine Ursache für das Trockenfallen der Gewässer und besonders des Jagdhausweihers ist. Daher muss die Förderung dringend begrenzt werden. Allein schon die Möglichkeit, das gegenwärtige Ausmaß der Wasserentnahme könnte neben den geringen Niederschlägen der vergangenen Jahre eine von zwei Ursachen für die Trockenheit im Aschbachtal sein, müsste bei einem verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit der Natur Grund genug sein, die Existenz des Naturschutzgebietes nicht zu gefährden, statt bis zur Klärung den Verlust wie selbstverständlich und unabwendbar in Kauf zu nehmen.

Die TWK versuchen das Problem zu lösen, in dem sie die Konzentration der Brunnen nun weiter in Richtung Kaiserslautern verlegen, also aus dem Aschbachtal heraus. So kann das Wasser, welches in Richtung der Kaiserslauterner Senke fließt, abgefangen werden und der Aschbach würde geschont.



Die Bewässerung von Feuchtbiotopen mit Trinkwasser kann keine Lösung des Problems sein


Positionen
Abfallwirtschaft
Bodenschutz
Chemie
Elektrosmog
Energie
Gentechnik
Klimaschutz
Landwirtschaft
Nachhaltigkeit
Naturschutz
Verkehr
Vogelgrippe / Geflügelpest
Wald
Wasser
Wasserknappheit
Newsletterabo
   Impressum zum Seitenanfang