BUND Rostock

Sölle - Oasen in der Agrarwüste


Soll in der Agrarlandschaft


Soll - Sölle - was soll das?

Sölle (Einzahl: Soll) sind mehr oder weniger runde Kleingewässer (nicht größer als 1 Hektar), die zu tausenden in unserer Agrarlandschaft verteilt sind.
Es sind wassergefüllte Senken, die am Ende der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit) in der mecklenburgischen Grundmoränenlandschaft entstanden sind. Aber auch der Aushub von Mergelgruben durch den Menschen in den vorherigen Jahrhunderten hat zur Entstehung dieser wasserführenden Hohlformen geführt. Heute ist der genaue Entstehungshintergrund einzelner Sölle von ihrem Erscheinungsbild her nicht ableitbar. Nur geologische Untersuchungen können Rückschlüsse darauf zulassen. Sicher ist, dass alle Sölle in Mecklenburg stark gefährdet sind - obwohl sie unter dem gesetzlichen Schutz stehen!


Gefährdungsursachen

Vor allem die Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft hat zum starken Rückgang bzw. zur Gefährdung dieser besonderen Kleinstökosysteme geführt.
Für viele Landwirte stellte und stellen die Kleingewässer ein Bewirtschaftshindernis dar: einerseits verkleinern sie die nutzbare Ackerfläche, andererseits müssen die Bauern den Söllen während der Bewirtschaftung ausweichen.
Diese Problematik führte seit der Intensivierung der Landwirtschaft dazu, dass zahlreiche Sölle durch Entwässerung oder Verfüllung beseitigt wurden. Auch der Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie der Eintrag von kolluvialem Material bei der Bodenbearbeitung führte zur Eutrophierung und Verlandung vieler Gewässer.
Die Dimension des Verlustes dieser wertvollen Biotope ist enorm, so dass die Sölle heute zu den stark gefährdeten Biotoptypen im nordtdeutschen Tiefland gehören.


Bedeutung der Sölle

Trotz ihrer Beeinträchtigung übernehmen die Sölle immer noch eine wichtige Rolle als Lebensraum.
Neben Hecken und Feldgehölzen sind sie derzeit die einzig nicht genutzten Flächen in der mecklenburgischen Agrarlandschaft.
Ihr Wert begründet sich einerseits aus ihrer Funktion als Lebensraum an sich. Insbesondere für solche Arten, wie beispielsweise die Rotbauchunke (siehe Bild), die auf das Vorhandensein von Söllen angewiesen sind, stellen die Kleinstgewässer einen lebensnotwenigen Rückzugsraum dar.


Andererseits gelten die Sölle als wichtiges Element für den gesamten Landschaftsraum, da sie gleichermaßen ein Ausgleichsraum für den Wasserhaushalt des Gebietes bilden und Sediment- und Nährstoff-Fallen sind. Somit übernehmen Sölle eine wichtige ökologische Funktion im Landschaftshaushalt.
(Bild rechts: Wasserhahnenfuß)


Sölleschutz

Um Sölle zu schützen, setzten wir uns dafür ein, dass:

  • die Wasserrückhaltefunktion durch den Rückbau vorhandener Entwässerungssysteme wieder verbessert wird
  • der Nutzungsdruck durch Maßnahmen wie der Eintrag von Sedimenten, Bioziden und Nährstoffen verringert wird und dafür entsprechende Gewässerrandstreifen etabliert werden
  • gleichzeitig gezielte und ergänzende Maßnahmen, z.B. für den Amphibienschutz, durchgeführt werden
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