Ortsgruppen


Ortsgruppe Reinbek

Prof. Hanneforth

Trauerrede
Prof.Dr. Hanneforth


Abschiedsworte bei der Trauerfeier für Wolfgang Hanneforth
in der Kapelle des Waldfriedhofs Neuschönningstedt am 21.01.2011

Liebe Familie Hanneforth, liebe Freunde von Wolfgang Hanneforth!

Lassen Sie mich ein paar wenige Worte für den BUND sprechen, der Wolfgang Hanneforth mehr verdankt, als ich jetzt in Worte fassen kann. Er war nicht nur "engagiert" für Natur und Umwelt - das sind wohl die meisten von uns -, er war ein biologisch-wissenschaftlicher Fachmann höchsten Grades, zugleich ein pädagogisches Talent und ein ebenso klarer, kundiger, fairer und überzeugender Debattenredner; nahezu unersetzlich, nicht nur für uns, nein: für uns alle in Stadt und Land .

Als Professor für Umwelttechnologie an der Fachhochschule Bergedorf-Lohbrügge konnte er sein besonderes Wissen und Können für unterschiedliche Bereiche einsetzen, wie etwa Abwasserreinigung, ökologischer Landbau, Naturgärten, regenerative Energien und Gebäudebegrünung - mit dem Musterbeispiel des begrünten Daches der Fachhochschule - .

Als wissenschaftlicher Beirat im BUND-Landesverband übernahm er 1990 das Thema "Gentechnologie" und wurde aufgrund seiner profunden Kenntnisse Mitglied der Enquetekommission "Chancen und Risiken der Gentechnik" beim Kieler Landtag. Er war z.B. Beobachter und Gutachter zu den Gentech-Pappel-Versuchen der Uni Kiel.

Durch Vorträge und Filme verhalf er uns und der interessierten Bevölkerung zu soliden Kenntnissen zu diesem komplizierten Thema. So demonstrierte er zusammen mit seiner Frau Gisela auf einem Teller eine "Pizza mit vielen Unbekannten" - Lebensmittel mit hellen und dunklen Fähnchen, je nach der neuen GVO (gentechnisch veränderte Organismen) - Kennzeichnungspflicht. Bei der kritischen Behandlung dieser Problematik verschwieg er keineswegs positive Ergebnisse der Genforschung - was aber seiner Skepsis nur umso größeres Gewicht gab.



Prof. Hanneforth mit seiner Frau Gisela

Dies als Beispiel für die großen, schicksalhaften Themen, denen er sich im Allgemeininteresse widmete.

Aber auch für das Kleine, Praktische, fast Banale war er sich nicht zu schade: Der Riesenbärenklau! Alle kennen die Schönheit und die Gefährlichkeit dieser Pflanzen, die in unserer Gegend an vielen Stellen üppig und sich ständig ausdehnend wachsen, so auch am Schönningstedter Graben und am Bille-Rand. . . Wolfgang Hanneforth ergriff Hacke und Schaufel und befreite den Graben von über 1.000 Pflanzen - und das eigenhändig - wen wundert der arg geplagte Rücken! Dank seiner Werbung unterstützte später der Ausbildungsverbund Stormarn / Lauenburg die überforderten Kommunen.

Viele Leute kannten Wolfgang Hanneforth : Das ist doch "der, mit dem Liegerad"! Viele Wege waren zu bewältigen: Wege in und um Reinbek, nach Bad Oldesloe, Rendsburg, Neumünster und Kiel. Alles bewältigte er mit Hilfe des Fahrrades: Mit dem Liegerad einmal sogar von Reinbek nach Bad Oldesloe, sonst mit einem Klapprad, das er zusammengefaltet in die Bahn mitnahm.

Jetzt, lieber Wolfgang, fährst Du auf einem anderen, weiteren Weg!

Wir vom BUND haben einen guten Weggefährten und tatkräftigen Freund verloren und gedenken Wolfgang Hanneforths mit Trauer und in großer Dankbarkeit!