BUND Regionalverband Stuttgart

Entwurf zum Regionalplan 2020 mutlos und lasch

Stuttgart, den 24. Juni 2008



Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Regionalverband Stuttgart, ist als Träger öffentlicher Belange an der Fortschreibung des Regionalplans beteiligt. In seiner Stellungnahme kritisiert er die laschen Vorgaben und den fehlenden Mut für konkrete Maßnahmen im vorliegenden Regionalplanentwurf. Fünf Vorschläge seitens des BUND sollen den Regionalplan 2020 vor allem beim Kernproblem Flächenverbrauch substanziell aufwerten.

„Grundsätzlich kann man beim ersten Lesen des Regionalplanentwurfes zu dem Eindruck kommen, der Verband Region Stuttgart (VRS) bemühe sich, den drängenden Umweltproblemen Rechnung zu tragen“, sagt der neue Vorsitzende Axel Wieland. Wieland weiter: „Schnell wird jedoch klar, dass sich viele Chancen zu Verbesserungen hinter der Möglichkeitsform verstecken. Damit präsentiert der Regionalplan erneut die bekannten Schlupflöcher. Im konkreten, politischen Abwägungsfall einer Kommune droht weiterhin, Ökonomie gegen Ökologie den Ausschlag zu geben.“

Jürgen Merks, Umweltreferent beim BUND: „Immer noch versucht der VRS vor allem bei der Bevölkerung und dem Flächenverbrauch ein Wachstum herbei zu reden. Obwohl die vom VRS selbst in Auftrag gegebene Studie eindeutig ein Schrumpfen der Bevölkerung um etwa 70.000 Personen bis zum Jahr 2025 vorhersagt, schöpft der VRS diese Steilvorlage zum Flächensparen kaum aus.“ Stattdessen gibt er seinen Segen für 105.000 neue Wohnungen in der Region Stuttgart. Die eigene Vorgabe von 1,5% bzw. 1% Wohnungswachstum alle 5 Jahre für Entwicklungsachsenorte bzw. Eigenentwicklungsgemeinden, wird damit um das fast dreifache übertroffen. Üppige Vorsorgeplanungen geben Kommunen auch weiterhin grünes Licht, ihrem Lieblingssport der konkurrierenden Baulandausweisung nachzugehen.


In der Konsequenz greift der BUND deshalb die von Ministerpräsident Oettinger und Umweltministerin Gönner formulierte Forderung nach einem Netto-Null-Verbrauch der Flächeninanspruchnahme auf. Angesichts der vorhandenen und nachwachsenden Brachflächenpotenziale in der Region will der BUND diese Forderung allerdings nicht langfristig sondern sofort umgesetzt sehen. Für Wieland heißt das: „Kein Neubaugebiet mehr auf der grünen Wiese!“

Der BUND schlägt deshalb fünf praxisnahe Maßnahmen vor, die helfen, ein Schlüsselproblem im Natur- und Umweltschutz, den Flächenverbrauch, in den Griff zu bekommen.

1. Regionales Flächenmanagement, Baugemeinschaften
Alle Kommunen in der Region müssen sich einem standardisierten Verfahren eines Flächenmanagements unterziehen. Die Angaben werden vor Ort und per Luftbild auf Plausibilität überprüft. Der VRS kann hier auf die guten Vorarbeiten einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie von 2002 (Wilske, ISL Karlsruhe) aufbauen.
Die erhobenen Wohnbauflächen werden im nächsten Schritt offensiv als Mischgebiete für Baugemeinschaften angeboten. Mit diesem Konzept haben Städte wie Tübingen europaweit anerkannten Erfolg. Kein Wunder: Dichte mit Qualität, beste Betreuung seitens der Stadt und Baupreise die ca. 25 % unter dem von Investoren hergestellten Wohnraum liegen, locken Einwohner wie Licht die Motten in die dortigen Brachflächen.

2. Siedlungsprofile als Informationsplattform
Mittels Siedlungsprofilen kann ein zukünftiger Bewohner sämtliche Informationen seines zukünftigen Wohnstandorts zur Verkehrs-, Sozial-, Bildungs-, Einkaufs-, Vereins- und Freizeitinfrastruktur bequem per Internet abrufen. Über die Siedlungsdichte und den vorherrschenden Gebäudetyp sind auch die langjährig zu erwartenden Kosten für Energie, Mobilität, Wasser, Telekommunikation, Müll, etc. abzuschätzen. Der VRS stellt diese Informationen für die gesamte Region auf seinen Internetseiten zur Verfügung.

3. „Regionalstandards“ der Siedlungserweiterung
Der VRS verabschiedet für alle Baugebiete (Wohnen und Gewerbe) eine Positivliste von Maßnahmen zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Die zu beachtenden Punkte werden auf der Ebene des jeweiligen Bebauungsplanes festgehalten. Z.B. Solararchitektur, Bezug von Ökostrom oder eine Zentralparkierung gekoppelt an ein Mobilitäskonzept sind dann nicht mehr Ausnahmen sondern die Regel. Schon heute sind viele der zukünftigen „Regionalstandards“ beim Bauen mittel- bis langfristig kostenneutral.

4. Demografie und Infrastrukturkosten
Der Tenor der Fachwelt zum Thema Demografie und Infrastrukturkosten ist eindeutig. Die kompakte Kommune (kurze Wege, urban, grün) als Modell ist aus wirtschaftliche Sicht alternativlos. Praxisnahe EDV-Tools zur Wirtschaftlichkeitsabschätzung bei Siedlungsentwicklungen wie z.B. von der Fachhochschule Nürtingen entwickelt, leisten Kommunen wichtige Hilfestellung. Der VRS muss deshalb alle Flächenausweisungen der Kommunen, gestützt auf diese Erkenntnisse, prüfen.

5. Entwicklung der regionalen Nachhaltigkeit messen
Der ökologische Fußabdruck, als Berechnungsmodell für den Landverbrauch von Lebensstilen von der Einzelperson bis zu ganzen Bevölkerungsgruppen hat sich seit 10 Jahren wissenschaftlich etabliert. Allerdings fehlen bis jetzt Aussagen zur Region Stuttgart. Der VRS lässt deshalb den ökologischen Fußabdruck für die Region in regelmäßigen Abständen berechnen. Die Ergebnisse geben dann Aufschluss darüber, ob sich unser Lebensstil / Wirtschaftsweise mit den ökologischen Leitplanken der Erde deckt und wie die Entwicklung verläuft. Damit stellt sich der VRS mit seinen Planungen den globalen Auswirkungen seines Tuns.


Rückfragen an:

Jürgen Merks (BUND)
Tel.: 0711 / 61970-41
juergen.merks@bund.net


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