BUND Regionalverband Stuttgart




Verkehrspolitik in Stuttgart

Trotz des absoluten Zwangs zur Reduktion von CO2 - Emissionen steigt in Stuttgart der Ausstoß dieses Klimakillers weiter an! Allein um 7,5% in den letzten fünf Jahren im Verkehrsbereich! Damit werden die notwendigen Reduktionen unmöglich. Wesentlich dafür verantwortlich: eine ungebremst wachsende Blechlawine auf unseren Straßen. Allein 800.000 Auto-Pendler sind es in Stuttgart täglich! Mobilität ist jedoch gestaltbar, das ist eine verkehrswissenschaftliche Binsenweisheit. Dennoch wird im Rathaus eine Politik betrieben, die alles dran setzt, noch mehr PKW- und LKW- Verkehr zu verursachen, sowie umwelt- und sozialverträglichere Alternativen zu verhindern. Zu dieser Politik gehören:

Straßenbauprojekte:
so der Ausbau des Pragsattels, des Rosensteintunnels, des Nord-Ost-Rings, dem mehrspurigen Ausbau der B14 (Leonbergerstraße) etc.

Stadtentwicklung:
Stuttgart21 wird täglich weitere 1000ende Pendler nach sich ziehen, da der Arbeitsplatzbesatz gravierend verschlechtert wird: spricht die Stadt bei S21 von einer "Stadt der kurzen Wege", so ist das glatt weg gelogen, die Bevölkerung wird für dumm verkauft! Zudem werden Shoppingzentren (GaleriaVentuno) für zusätzliche Verkehre sorgen.

Behinderung des Radverkehrs:
Radfahrverbot auf allen Cityringkreuzungen, fehlendes Radverkehrskonzept, Radwege in absolut unerträglichem Zustand (baulich, Beschilderung, Übersichtlichkeit, Pflege...)

Parkraum:
anstatt den Parkraum wie in vielen anderen Städten zu bewirtschaften, werden in Stuttgart sogar die Parkraumbeschränkungen aufgehoben! In deutschen Städten bisher beispiellos!

Gründe für eine Verkehrswende:





  • Die Gründe für eine andere Verkehrspolitik sind vielfältig! Nicht nur, dass fast ¾ der Stuttgarter den Verkehr als eines der Hauptprobleme betrachten. Halten Gemeinderäte dennoch an den tradierten Ansätzen fest, sind sie mitverantwortlich für u.a.:
  • den Verfall der Umweltbedingungen, die eine nicht-motorisierte Lebensweise ermöglichen/ fördern (Zwangsmobilität, Zerstörung klein-teiligen Einzelhandels etc.) und damit die Diskriminierung jener 40% aller bundesdeutschen Haushalte in Städten über 500.000 EW, die autofrei leben;
  • soziale Segregationswirkungen (räumliche Ausdifferenzierung der Bevölkerungsschichten: Wohlhabende in leisen, verkehrsarmen Gebieten im ‚Grünen', finanziell und sozial Schwächere an verlärmten und schadstoffbelasteten Straßen);
  • die Förderung der Landschaftszerschneidung durch Straßenbau, den Verlust von Lebensräumen, Artensterben;
  • Flächenverbrauch (durch Straßen und Zersiedlung)
  • die Beschleunigung des Klimakollapses und des klimabedingten Artensterbens, da der mobilisierte Individualverkehr einer der Hauptverursacher des Treibhauseffekts ist;
  • der Bündelung nichtregenrativer Rohstoffe für eine privilegierte Minderheit des Nordens und der Sicherung dieser Quellen, durch ökonomische Abhängigkeiten oder zunehmend auch direkt militärisch;
  • etliche der 9.000 Unfalltoten (davon innerorts 75% Radfahrer und Fußgänger!) und der über 500.000 Verletzten pro Jahr in Deutschland;
  • die starke Beeinträchtigung der Lebensqualität/Erkrankungen und Verkürzung des Lebens durch: Luftschadstoffe (100.000ende chronisch Erkrankte in D), Ruß, Benzol (erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern, Krebstote), Lärmstress (12 Mio. Deutsche in gesundheitsschädigendem Maße belastet), Sommersmog, sommerliche Ozonbelastung, v.a. in ländlichen Räumen etc.;
  • den sauren Regen, anhaltendes Waldsterben, der Versauerung der Böden und Seen;
  • der Sozialisierung gegenüber heutiger und Externalisierung gegenüber zukünftiger Generationen der Folgekosten des Verkehrs;
  • der Monofunktionalisierung des öffentlichen Raumes, den Verlust von gefahrenarmen Spiel- und Lernflächen etc.
Unsere verkehrspolitischen Forderungen:

Wir fordern eine umwelt- und sozialverträgliche Mobilität und Verkehrspolitik. Zu deren Eckpfeilern gehören:


  • eine Förderung des Umweltverbundes,
  • eine Entschleunigung des Straßennetzes,
  • verkehrsmindernde Siedlungsstrukturen,
  • eine Parkraumbewirtschaftung,
  • zentrale Parkierungen in den Wohngebieten
  • und eine Verteuerung der Treibstoffe.
Viele dieser Forderungen sind kommunal und regional umsetzbar. Darum ist insbesondere notwendig, dass die Verkehrsthematik in Stuttgart versachlicht wird. Die Denunziation von Alternativvorschlägen der Umweltverbände als eine Logik des "zurück in die Steinzeit" entbehrt einerseits jeglicher Sachlichkeit und Richtigkeit und lenkt andererseits von der eigenen Mythisierung des Automobilismus ab.

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aus:
BUND-Argumente: Verkehr in Stuttgart

Axel Schubert
September 2001


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Verkehrspolitik
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