BUND Südhardt

Ein Besuch bei den Frühblühern in den Wäldern der Rheinniederung

Die Wälder der Rheinniederung haben im Frühjahr einen besonderen Charme. Solange die Blätter der Bäume und Sträucher noch in ihren Knospen verharren, begrünt sich der Waldboden mit einer ganz speziellen Gesellschaft von Pflanzen. Man nennt sie Geopyhten, dies sind mehrjährige, krautige Pflanzen, die die für sie ungünstigen Zeiten als Knolle oder verdickte Wurzeln überdauern.

Ihr Wachstum beginnt im zeitigen Frühjahr, eine der ersten ist dabei der Blaustern, ein kleines Liliengewächs, der auf nährstoffreichen, frischen Böden mit seinen zarten blauen Blüten dezente Farbtupfer auf dem Waldboden setzt.



Blaustern (Scilla bifolia)


Anfang April ist der Blaustern schon verblüht, dafür ist der Waldboden nun mit einem dichten Teppich grüner Blätter bedeckt. Ein leichter Geruch von Knoblauch steigt dem Spaziergänger, der durch diesen Teppich streift in die Nase: es ist der Bärlauch, ebenfalls ein Liliengewächs. Die aromatische Pflanze hat mittlerweile auf ihrem Siegeszug aus dem Wald die Feinschmecker- und Naturküchen erreicht. Als Verfeinerung von Salaten, in Suppen oder als Pesto, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Auf Märkten und in gut sortierten Läden gibt es die Pflanze zu kaufen, man kann sie allerdings auch selbst pflücken. Dabei sollte man aber umsichtig vorgehen. Zum einen besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr mit anderen - für den Menschen giftigen - Pflanzen, wie der Herbstzeitlose, dem Aronstab oder dem Maiglöckchen. Hierbei ist neben der Blattform der Geruch das wichtigste Unterscheidungskriterium. Zum anderen ist es geboten keine zu großen Mengen der Pflanze zu pflücken und außerdem Rücksicht auf alle anderen Pflanzen und auf die Tierwelt zu nehmen.


Gelbes Buschwindröschen (Anemone ranunculoides)


Vom großen Lichtangebot am Boden profitieren auch Weißes und Gelbes Windröschen, die zumeist in kleinen Gruppen ihre zarten Blüten erheben. Der Blütenstand des Lerchensporns glänzt mit zwei verschiedenen Farben, es gibt weißblühende und rotblühende Pflanzen, diese auch jederzeit am gleichen Standort. Seltener ist der Waldgelbstern ein naher Verwandter des Blausterns. Kein Geophyt sondern ein Schmarotzer ist die geheimnisvolle Schuppenwurz, eine Pflanze ohne eigenes Blattgrün, die mit ihren Wurzeln die Versorgungsbahnen von Haselsträuchern, Pappeln oder Erlen anzapft.

Aber die ganze Pracht ist von kurzer Dauer, haben die Bäume ihre Blätter ausgebreitet und wird der Waldboden dadurch ausgedunkelt, vergeht diese bunte Gesellschaft der Frühlingspflanzen. Ihren Abschied nimmt sie mit dem weißen Blütenteppich des Bärlauchs, danach vergehen die Pflanzen und spätestens im Juni zeugen nur noch die roten Fruchtstände des Aronstabes von der vergangenen Pracht. Also nutzen sie jetzt die Gelegenheit für einen Spaziergang im Wald und entdecken sie die beschriebenen Pflanzen und noch einige mehr.


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