BUND Südhardt

Auf Käfersuche im Durmersheimer Heilwald


Ein Blick in die Baumkronen!


Zahlreiche große und kleine Mitbürger hatten sich am vergangen Sonntag eingefunden, um sich vom Biologen Karsten Grabow in die Welt der Käfer direkt vor unserer Haustür einführen zu lassen. Weltweit sind bisher ungefähr 350.000 Käferarten bekannt, für Mitteleuropa geht man von einer Artenzahl von ca. 8.000 Käfern aus. Käfer sind damit die artenreichste Tiergruppe auf unserem Planeten.

Und kaum war man um die erste Ecke gebogen ging es auch schon los mit einem kleinen unscheinbaren braunen Käfer, der sich am Pollen einer Hahnenfußblüte gütlich tat. Es war der Himbeerkäfer, dessen Larven sich in Himbeeren und Brombeeren entwickeln. Als nächstes wurden Haselnusssträucher näher untersucht. Ein kleiner roter Rüsselkäfer, der Haselblattroller, legt am Strauch Blattwickel an, in denen sich seine Larven entwickeln können. Eine ganz besondere Biologie haben die so genannten Ölkäfer. Volkstümlich unter dem Namen Maiwurm bekannt, sind sie durch ihre verkürzten Flügeldecken und ihre schwarzblaue Farbe unverkennbar und oft beim Queren von Waldwegen zu entdecken. Die Larven dieses Ölkäfers besiedeln Blütenpflanzen, werden diese nun zum Beispiel von einer Wildbiene besucht, so haften sich die Larven an diese an und lassen sich von ihr in das Nest eintragen. Dort leben sie parasitisch an der Bienenbrut. Die Käfer selbst sind in der Lage, ein Reizgift, das Cantharidin, abzusondern um damit Feinde abzuwehren.



Der Grüne Scheinbockkäfer (Oedemera nobilis)


Nicht zu sichten waren leider Hirschkäfer und Heldbock, die beiden imposanten Käferarten, die den Heilwald besiedeln. Anhand einiger mächtiger, totholz- und strukturreicher Eichen konnte Karsten Grabow aber einiges über Ansprüche und Vorkommen der beiden Arten berichten. Ihre Lebensstätten sind nach europäischem Recht geschützt und auch der Heilwald ist Teil dieses europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000. Vor allem dem Vorkommen des Heldbocks, der vom Aussterben bedroht ist, gilt dabei das besondere Augenmerk der Naturschützer. So konnte im Heilwald die Fällung einiger vom Heldbock besiedelten Eichen gerade noch verhindert werden.

Auch auf dem Rückweg begegneten den Teilnehmern noch zahlreiche Käferarten. Mittlerweile war auch der „Jagdinstinkt“ vor allem der jüngeren Teilnehmer geweckt, hinter jedem Blatt und auf jeder Blume gab es immer wieder neue Arten oder deren Spuren zu entdecken. Wanzen, Schnecken, Heuhüpfer oder Libellen nichts entging den scharfen Augen der Kinder. Häufig zu sehen war der Grüne Scheinbockkäfer, der durch seine keuligen Schenkel auffällt. Auf den Blüten eines Wildrosenstrauchs wurde der Zierliche Prachtkäfer entdeckt, der mit seinen grün schillernden Flügeldecken und seinem roten Halsschild seinem Name aller Ehre macht. Die gleichen Blüten wurden vom hektischen, schnell fliegenden Gemeinen Stachelkäfer besucht, dessen Hinterleib zu einer hornartigen Spitze ausgezogen ist.


Am Ende konnte Karsten Grabow sicher sein, dass es ihm durch seine kurzweiligen Erzählungen zu den einzelnen Arten geglückt ist, Interesse für die Welt der großen und kleinen Käfer zu wecken und vielleicht den einen oder andern dazu animiert hat, die Natur vor der Haustür auf eigene Faust zu entdecken.

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