BUND Südhardt

Land unter - was tun?

Als im August 2002 vor allem an der Elbe verheerende Hochwässer große Schäden anrichteten, wurde auch die Situation am Oberrhein wieder intensiver diskutiert.

Fakt ist, dass das Land Baden-Württemberg mit dem Integrierten Rheinprogramm die Gefahren von Hochwässern am Oberrhein und für die unterliegenden Anrainern eindämmen kann.
Fakt ist aber auch, dass noch einige Jahre wenn nicht Jahrzehnte ins Land gehen werden bis das Programm vollständig umgesetzt ist.

Die Diskussionen in unserer Gruppe waren eher pragmatischer Natur. Recherchen und Anfragen bei zuständigen Behörden oder Gemeindeverwaltungen ließen den Schluß zu, dass ein Hochwasser vor Ort nur bedingt auf ausgereifte Katastrophenpläne treffen würde.

Aus diesem Grunde recherchierte unser Mitglied Gunther Roßbach und stellte im Frühjahr 2003 eine Artikelserie zum Thema für die Gemeindeanzeiger zusammen.

Dieser Text ist immmer noch aktuell und so wird er an dieser Stelle noch einmal veröffentlicht:


„Land unter! Aber bei uns doch nicht!“

Aber! Überschwemmungen wie letztes Jahr an der Elbe bedrohen auch den Rhein und damit auch unsere Wohngebiete in Bietigheim, Durmersheim und Elchesheim-Illingen.

  • Sind Sie darauf vorbereitet?
  • Wissen Sie was zu tun ist, wenn das Wasser steigt?
  • Haben Sie schon jetzt Vorsorge getroffen?

„Zunehmende Hochwasser- und Überschwemmungs-schäden!“

Laut Angaben der Versicherer sind die Überschwemmungsschäden im Zeitraum von 1996 – 1998 von einem Schaden von 20 Mio. Euro auf 58 Mio. Euro im Jahre 2001 gestiegen.

Was sind die Ursachen einer solchen Zunahme?
Kaum bestritten ist eine globale Erwärmung der Erde. Diese führt zu lang anhaltenden starken Niederschlägen mit regionalen Schwerpunkten. Die gesättigten Böden lassen das Wasser beschleunigt ablaufen, so dass selbst kleinere Gewässer innerhalb kurzer Zeit über ihre Ufer treten. Die daraus resultierenden Flutwellen haben oft eine überraschend hohe Zerstörungskraft.
Verstärkt wird dies noch durch Flächenversiegelung (gepflasterte Höfe etc.) durch Bebauung und infrastrukturelle Maßnahmen, sowie die Begradigung von Flussläufen.
Dieser Belastung ist die Kanalisation oft nicht gewachsen und schon steht das Wasser im Keller. Gegen diese globalen Ursachen ist der Einzelne machtlos.

Dennoch können wir vorbeugen und uns, wenn das Hochwasser schon da ist, absichern, wenn auch nur in begrenztem Rahmen.



Hochwasser! Wer ist gefährdet und wie stark!

Die Gemeinde Elchesheim-Illingen ist durch ihre Lage zum Rhein natürlich besonders gefährdet. Dies wird umso problematischer, wenn südlich von Elchesheim-Illingen ein Damm brechen sollte.
Aber auch die Tiefgestade der Orte Durmersheim und Bietigheim können bei einem extremen Hochwasser betroffen sein, wobei dort natürlich die Wasserhöhe geringer wäre.
Allzu sicher sollte man sich aber auch auf dem Hochgestade nicht fühlen. Die Wellen des Rheins werden bis dahin sicher nicht kommen. Lang anhaltende starke Regenfälle können jedoch auch hier zu einem Grundwasserstau führen, der das Wasser in die Keller drückt oder es durch die überfüllte Kanalisation eindringen lässt.
Gefahr besteht in diesen Bereichen vor allem in Mulden- oder Hanglagen, die dem Wasser das Eindringen erleichtern .


Vorbeugen ist besser als reparieren!

Hochwasserschutz fängt schon beim Bauen an. Wer noch nicht gebaut hat oder gerade baut, der kann noch vorbeugen. Wichtig ist zunächst, sich darüber zu informieren, welche Gefahren im speziellen Baugebiet drohen. Was ist die Höhe des maximalen bekannten Hochwasserspiegels? Welches ist die Höhe des maximalen Grundwasserspiegels? Wie hoch liegt die Rückstauebene der Kanalisation (bei Bauamt erfragen)?
Gibt es Grundstücksbesonderheiten (beim Nachbarn erfragen)?
Wenn ich diese Informationen habe, kann ich einige bauliche Schutzmaßnahmen ergreifen.


  • Ich kann die Erdgeschosshöhe über dem vorhandenen Wasserspiegel ansetzen (sofern keine gegenteiligen Vorgaben in den Bauvorschriften dies verhindern). 50 cm über dem maximalen Hochwasserspiegel sollten genügen.
  • Ich kann gefährdete Einrichtungen, wie Heizungs-, Klima-, Elektrotechnik höher legen.
  • Ich kann meinen Keller als wasserdichte Wanne gestalten (höherer Finanzaufwand). Dabei sollten die Wanddurchbrüche für Hausanschlüsse druckwasserdicht abgeschottet sein. Bodendurchbrüche sollten vermieden werden und ein Pumpensumpf vorgesehen werden um eindringendes Wasser wieder abpumpen zu können.
  • Besonders gesichert werden müssen Öltanks, die einen Schutz gegen Auftrieb haben müssen.
  • Hat man Haustechnik im Keller, so sollte man sie abschotten.
  • Lüftungsöffnungen/Lichtschächte sollten über Hochwasserspiegel verschließbar geplant werden.
  • Ganz wichtig ist es eine funktionsfähige Rückstausicherung einzubauen, damit das Wasser nicht durch die Kanalisation eindringt.
  • Hat man im Kellerbereich Einrichtungen, die Abwasser produzieren, dann kann man entweder einen Rückstaudoppelverschluss einbauen oder eine Hebeanlage für das Abwasser der Toiletten, Waschbecken und anderer Abläufe.

Hilfe, das Wasser steigt!

Wer sagt mir, wie schnell und wie hoch das Wasser kommen wird?

Informieren sie sich rechtzeitig über die aktuelle Hochwasserlage. Hier ein paar Adressen:

Hörfunk UKW Frequenzen:
SWR 1 93,50
SWR 3 98,40
S 4 Baden-Radio 97,00
Die Welle 101,8
Radio Regenbogen 100,40

Fernsehen:
Südwestfernsehen, ARD, ZDF,
Videotext:
Südwesttext, ab Tafel 800 (805 Oberrheingebiet)

Ansagedienste:
Tel. 0721/9804-61 Rheinpegel
Tel. 0721/19429 Pegel Maxau

Markante Wasserstände am Pegel Maxau:
7,50 m Einstellung der Rheinschifffahrt
8,00 m Einsatz „Große Wasserwehr“
8,84 m Bisher gemessene Rekordmarke
9,81 m Bemessungswasserstand für Hochwasserdämme

Internet:
http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de
http://www.uvm.baden-wuerttemberg.de

Achtung:
Notrufe von Feuerwehr und Polizei sind keine Auskunftsstellen und dürfen nur zur Anforderung von Hilfsleistungen benutzt werden.


Wenn Hochwasser droht ist damit nicht zu spaßen!

Können sie sich, wie bei den Überschwemmungen der Elbe im Sommer oft nötig, einige Tage in ihrem überschwemmten Haus aufhalten, ohne zu verhungern?

Beugen Sie vor:


  • Sorgen Sie rechtzeitig für Medikamente und Hygieneartikel.
  • Lebensmittel, Babykost je nach Bedarf und Getränke sollten nicht fehlen.
  • Haben Sie eine Notbeleuchtung (Kerzen, Taschenlampen, Batterien)?
  • Können Sie kochen? Wenn nicht besorgen Sie sich einen Kocher (Spiritus/Gas), denn der Strom oder das Ferngas könnten abgestellt sein.
  • Sandsäcke, Abschottungsmaterial, Pumpen und Hilfsgeräte bekommt man 5 Minuten vor der Flut kaum noch zu kaufen, geschweige denn geliehen. Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach Bezugsquellen.
  • Kleinkinder, Kranke und Pflegebedürftige Personen sollten außerhalb des Gefahrenbereichs (z.B. bei Verwandten, Freunden, sozialen Einrichtungen) untergebracht werden.
  • Überlegen Sie ob Ihnen Nachbarn helfen können oder ob Sie Ihnen Hilfe anbieten können.
  • Denken Sie auch an Nutztiere oder ihre Haustiere.
  • Es könnte passieren, dass Sie ihr Zuhause vorübergehend verlassen müssen. Vergessen Sie nicht Dokumente, warme Kleidung, Wolldecken, Rucksack u.a. bereitzuhalten.
  • Schnüren Sie Ihr persönliches Notgepäck. Schließen Sie die Fenster und Türen. Schützen Sie, was Sie zurück lassen.
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