Zweite 10-Jahresrevision im Atomkraftwerk Fessenheim - Hoffentlich mehr Sorgfalt als vor 10 Jahren
08.10.1999
Dampfwolken über dem französischen AKW Fessenheim kündigen es seit heute an: Block 1 des Atomkraftwerks wird für die zweite Revision heruntergefahren. Die offizielle Revision und "Große Inspektion" beginnt am 9. Oktober 99 und dauert ca. 100 Tage.
Während "höchstgefährliche" Anlagen wie beispielsweise Autos alle zwei Jahre zum TÜV müssen, sind für die großen Überprüfungen bei AKW`s 10-jährige Intervalle vorgesehen und jährlich nur kleine Kontrollen.
Der BUND RV Südlicher Oberrhein hofft, daß die zweite Revision von Block 1 nicht wieder von Pleiten, Pech und Pannen verfolgt wird, wie vor 10 Jahren. Im Oktober 1989 verkündete die Fessenheimer Kraftwerksleitung voller Stolz die Ergebnisse der ersten großen Überprüfung: Von 19 Haarrissen am Reaktor sei lediglich einer mit nennenswerter Größe (sieben Millimeter) festgestellt worden, der sich zudem seit der letzten Messung nicht verändert habe und kein Sicherheitsrisiko darstelle. Die teure und personalintensive Überprüfung war also angeblich erfolgreich abgeschlossen worden. Auch der deutsche TÜV bestätigte diese Aussagen am 03.09.1990.
Im August 1991 wurden am baugleichen französischen AKW Bugey große Risse im Reaktordeckel festgestellt. Radioaktives Wasser "schwitzte aus". Nach diesen Erkenntnissen in Bugey wurde das AKW Fessenheim noch einmal und diesmal gründlicher und an den richtigen Stellen untersucht. Im Dezember 1991 zeigte sich, daß bei der ersten Zehnjahresinspektion geschlampt worden war. Überraschend wurde ein gefährlicher, 110 Millimeter langer und 30 Millimeter tiefer Riß im Sekundärkreislauf festgestellt. Auch im Reaktordeckel wurde wie in Bugey ein 26 Millimeter langer Riß entdeckt. Beide Risse waren bei der "gründlichen", ersten, großen Zehnjahresinspektion übersehen worden.
Der BUND RV Südlicher Oberrhein wünscht der EDF, aus Sorge um die Bevölkerung, für die zweite große Inspektion weniger Pleiten Pech und Pannen als bei der ersten Untersuchung. Im Mittelpunkt der wichtige Revision sollten die Lebensinteressen der Menschen stehen und nicht die Gewinninteressen der EDF, die ab November Billigstrom aus Fessenheim und Cattenom an die EnBW Tochter "Yello" verkaufen will.
Dieser Artikel wurde 385 mal gelesen und am 7.6.2007 zuletzt geändert.
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