09.09.2009
Aktuelle Demo- und Aktionstermine finden Sie immer hier

Der "Réseau Sortir du nucléaire", der französische Anti-Atom-Dachverband, organisiert eine grenzüberschreitende Anti-Atom-Konferenz am 1. und 2. Oktober 2009 im Europaparlament in Straßburg und ein großes, internationales Aktionswochenende mit Demo am 3. und 4. Oktober 2009 im elsässischen Colmar.
hier gibt`s Infos zu den Demo-Verhinderungsstrategien des Bürgermeisters von Colmar und des Präfekten...
Vor der friedlichen und großen Fessenheim-Kundgebung mit ca. 10000 TeilnehmerInnen in Colmar, am 3. Oktober 2009, hatten der Bürgermeister von Colmar Gilbert MEYER und der Präfekt Pierre-André PEYVEL vor den „deutschen Randalierern“ gewarnt, um die Menschen im Interesse der EDF grenzüberschreitend gegeneinander auszuspielen und um möglichst viele Aktive von einer Teilnahme abzuschrecken...
Nach der erfolgreichen, friedlichen und machtvollen Kundgebung, mit ca. 70 bis 80% französischen AktivistInnen, sprach Präfekt Pierre-André PEYVEL von einer "deutschen Invasion" (Quelle: Der Sonntag 4.10.09) um so gezielt böse Assoziationen und Erinnerungen zu wecken.
Auf den besetzten AKW-Bauplätzen in Wyhl (D), Kaiseraugst (CH) und Gerstheim (F) haben wir drei Jahrzehnte nach Kriegsende den europäischen Traum vom grenzenlosen Europa geträumt und erkämpft. Wir haben die realen und die inneren Grenzen und die alte, verlogene "Erbfeindschaft" überwunden, Bauplätze und Brücken besetzt, Gifteinleitungen in Rhein und Luft abgestellt, für Leben und Zukunft gekämpft und gemeinsam viele Gefahren am Oberrhein abgewehrt.
Einige der vielen Wurzeln Europas und der deutsch-französischen Aussöhnung liegen in Marckolsheim und Wyhl. Hier haben wir die Vision vom grenzenlosen Europa gesponnen, ausgedrückt im Lied von François Brumbt: "Mir keije mol d Gränze über de Hüfe und danze drum erum". Als die Schlagbäume zwischen Frankreich und Deutschland fielen hatten wir, wieder einmal, eines unserer Ziele erreicht.
Seit dieser Zeit erlebe ich am Oberrhein immer wieder, wie geschickt, gezielt und erfolgreich in ökologisch-ökonomischen Konflikten (Fessenheim, Atommüll Schweiz, Autobahnausbau, Flugplatz Zürich...) die Menschen gegeneinander ausgespielt werden, während gleichzeitig das Hohelied der Regio und zukünftigen Metropolregion gesungen wird.
Beispiele:
- Bei der polizeilichen Räumung des besetzten Wyhler Platzes ließ Ministerpräsident Filbinger gezielt nicht die vielen anwesenden Kaiserstühler, sondern "Elsässer und Langhaarige" verhaften um zu "beweisen", dass der Wyhl-Protest von "Ausländern und städtischen Chaoten" gelenkt wird.
- Beim Protest gegen den geplanten Giftmüllofen in Kehl empörten sich deutsche CDU-Politiker über die "französische Einmischung".
- Im Konflikt um den Fluglärm am Hochrhein schwingen immer wieder erschreckende nationale Untertöne mit, obwohl doch die Menschen auf beiden Rheinseiten unter dem Fluglärm leiden.
- "Das ist unser Atom" hört man immer wieder aus konservativen Kreisen der Schweiz, wenn Menschen von beiden Rheinseiten die grenzüberschreitenden Gefahren des "Atomklos Hochrhein" aufzeigen.
- Immer noch werden die problematischsten und gefährlichsten Anlagen gerne an die Grenze gebaut, um nationale Vorteile zu genießen und Risiken international zu verteilen. Aktuell zum Beispiel beim geplanten Atommülllager in Benken (CH), bei den AKW-Neubauplänen in Beznau (CH) oder bei der (gerade erfolgreich verhinderten) umweltbelastenden Schredderanlage in Nambsheim (F).
Wir haben im Dreyeckland am Oberrhein die Realisierung Europas mit erkämpft. Wenn Flüsse und Luft sauberer geworden und die Grenzen nach Frankreich gefallen sind, dann ist das mit ein Erfolg der grenzüberschreitenden Umweltbewegung.
Und dennoch: Immer wieder überlagern alte und neue, geschickt geschürte (noch kleine) Nationalismen und traurige Feindbilder auf beiden Rheinseiten die Europa-, Regio- und Dreyeckland-Mythen und diese Feindbilder werden aus ökonomischen Gründen gezielt aufgebaut. Erschreckend ist nicht, dass Konzerne und Lobbyisten versuchen, uns gegeneinander auszuspielen. Erschreckend ist, dass die "nationale Karte" immer noch häufig sticht.
In diesen Konflikten und in der Art, wie sie manchmal ausgetragen werden, scheitert immer auch ein kleines regionales Stück Europa.
Um so wichtiger ist unser Europa von unten, abseits aller europäischer Fördertöpfe, Metropolregion Träume und Interreg-Gelder. In Benken, Fessenheim und überall wo wir uns grenzüberschreitend für Mensch, Natur, Umwelt Zukunft, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Freiheit engagieren. So wie jetzt gerade wieder bei der schönen, wichtigen, internationalen Anti-Atom-Kundgebung in Colmar.
Axel Mayer

Europäische Wurzeln im Freundschaftshaus auf den besetzten Bauplätzen am Rhein

Amitie Franco-Allemande
Programm der Großveranstaltungen in Colmar und Straßburg:
Samstag, 3. Oktober, zentraler Aktionstag & Großkundgebung in Colmar vor dem Bahnhof!
Colmar Anti-Atom-Kundgebung - Rede von Axel Mayer, BUND
BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein - 3. Oktober 2009
Redemanuskript Colmar Kundgebung
Es gilt das gesprochene Wort
Liebe Freundinnen und Freunde
Herzlich willkommen in Peking / Colmar
Liebe Elsässer und Badener
Liebe Franzosen, Schweizer und Deutsche
liebe Europäerinnen und Europäer
Wieder einmal stehen wir grenzüberschreitend vereint vor dem gleichen Problem
Gefahrzeitverlängerung in Fessenheim unter Sarkozy
Gefahrzeitverlängerung durch die neue neoliberale Mitte Rechts Regierung in Deutschland
Gefahrzeitverlängerung und neue AKW in der Schweiz
Gefahrzeitverlängerung bedeutet:
Mehr Kinderkrebs durch AKW
(wollen Sie das wirklich Frau Merkel? Der kleine lebensbewahrende wirklich konservative Teil der CDU-Basis will das nicht)
Gefahrzeitverlängerung bedeutet:
Mehr Atommüll
Gefahrzeitverlängerung bedeutet:
Massiv vergrößerte Unfallgefahr durch versprödete Reaktordruckgefäße
(kein Thema in den Medien)
noch mehr Gefährdung durch potentielle Anschläge auf AKW
Gefahrzeitverlängerung bedeutet:
Milliarden Profite für EDF ENBW und Co.
Den Atomkonzernen und Atomparteien den Profit
Uns das Risiko?
Ein Bersten des Reaktordruckgefäßes in Fessenheim, Beznau oder einem gefahrzeitverlängerten AKW in Deutschland wäre eine Katastrophe
Das altersschwache AKW Fessenheim wird immer mehr zur Bedrohung für ganz Zentraleuropa
Fessenheim bedroht uns
Aber es gibt eine größere Gefahr
Der Außendienstmitarbeiter von AREVA und EDF
Staatspräsident Sarkozy
Der Außendienstmitarbeiter der EDF will AKW an Libyen und in die Nahen Osten exportieren
Warum hat Nordkorea (und in Zukunft) der Iran Atomwaffen?
Weil Sie Atomanlagen haben
Herr Sarkozy will Herrn Gaddafi Atomkraftwaffen liefern
Das ist eine Katastrophe für die Menschheit
Herr Sarkozy gefährdet den Weltfrieden
Das ist ein Zukunftsverbrechen
Vor dieser Kundgebung wurde viel über Gewalt gesprochen
Der Export von Atomkraftwaffen ist Gewalt Herr Sarkozy
Kinderkrebs und Unfallgefahr ist Gewalt Frau Merkel
Der Ausstieg aus dem Atomausstieg ist ein von den Konzernen von Anfang an geplanter Betrug
Wenn so etwas in einer Demokratie möglich ist
kann man an der Demokratie auch verzweifeln
Wenn die Menschen an der Demokratie verzweifeln
bedroht das unser Gemeinwesen
Jetzt gilt es den gewaltfreien Widerstand zu organisieren
in Frankreich in der Schweiz in Deutschland
Das empfindlichste Körperteil der Atomkonzerne ist der Geldbeutel
Darum Stromanbieterwechselkampagnen jetzt
Wir müssen die Kampagnen organisieren
Herr Sarkozy, Frau Merkel, Herr Westerwelle
Sie sind nur an der Regierung
nicht an der Macht
An der Macht sind die Konzerne (Tucholsky)
Sie haben das Geld / Wir unsere Kreativität
Wir stehen über die Grenzen hinweg zusammen
Nein zur Gefahrentechnologie
Ja zu alternativen zukunftsfähigen Energien
Ja zum Leben
Dank an Sortir de Nucléaire
Dank an Charlotte Joseline an alle die mitgeholfen haben
Wir mailen Ihnen aktuelle Infos zum AKW Fessenheim und manchmal auch zu anderen Umweltthemen am Oberrhein zu. Dieser Newsletter fördert den grenzüberschreitenden Austausch von UmweltschützerInnen.
Sie können sich hier eintragen.
