Diese Seite ausdrucken

Lucens Schweiz: Schwerer Atomunfall (GAU) im Atomkraftwerk / Versuchsreaktor

Wer an schwere Atomunfälle, an Kernschmelzen und an den größten anzunehmenden Unfall (GAU)
denkt, der denkt an Tschernobyl und Harrisburg.

Aus dem Gedächtnis erfolgreich gelöscht
wurde der schwere Atomunfall im Versuchsreaktor Lucens in der Schweiz am 21. Januar 1969.

Bei diesem schweren Atomunfall (GAU)
in der Schweiz wurde ein Brennelement überhitzt und zerstört. Dabei entwichen radioaktive Gase u.a. in die Kaverne die daraufhin so stark verseucht war, dass sie für Jahre zugemauert werden musste. Neben Tschernobyl, Sellafield und Harrisburg war dieser Atomunfall in einem Schweizer AKW einer der großen Atomunfälle in der Geschichte der Atomindustrie. Er führte nur deshalb nicht zu einer großen Katastrophe, weil der Versuchsreaktor sehr klein (9 MW) und in eine Felskaverne eingebaut war. Das radioaktive Potential war noch nicht so groß, weil der kleine Versuchsreaktor bereits kurz nach der Inbetriebnahme und nach wenigen Probeläufen durchbrannte.



Auszug aus einem lesenswerten Beitrag von www.20min.ch vom 21.1.09
http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/Der-vergessene-Schweizer-Atom-GAU-24705594
“Das Firmenkonsortium,
dem unter anderem Sulzer, Escher Wyss, die Maschinenfabrik Oerlikon und verschiedene Baufirmen angehörten, hatte von Beginn weg mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mangel an Bauarbeitern und Wassereinbruch in die Kaverne führten zu massiven Verzögerungen; statt der geplanten vier dauerte der Bau sieben Jahre. Schon im Februar 1964 hatten sich die «Nordost­schweizerischen Kraftwerke AG» (NOK) verabschiedet; sie entschieden sich für den Bau des Atomkraftwerks Beznau, für das sie einen Leistungsreaktor aus amerikanischer Fertigung bestellten. 1967 stieg dann die Firma Sulzer aus, die in dem Projekt langfristig keine Rentabilität sah. Die «Nationale Gesellschaft zur Förderung der Industriellen Atomtechnologie» (NGA) führte das Projekt dennoch weiter. Als der Versuchsreaktor 1968 den Betrieb aufnehmen konnte, war die Technologie der Brennelemente bereits veraltet.

Der GAU Nach einer ersten Inbetriebnahme im Frühjahr 1968 wurde der Reaktor wieder stillgelegt und erst im Januar 1969 wieder hochgefahren. In der Zwischenzeit war jedoch Wasser von aussen über eine defekte Gebläse-Dichtung in den Kühlkreis des Reaktors geflossen. Die fatale Folge: Die aus einer Magnesium-Legierung bestehenden Umhüllungsrohre der Brennstäbe korrodierten unbemerkt.
Beim Neustart am 21. Januar behinderten die Korrosionsprodukte die Kühlung bei zwei der Brennelemente, sodass es zu einem Kontrollverlust mit einer partiellen Kernschmelze kam: Einer der Brennstäbe schmolz und explodierte; das Kernmaterial wurde in das Schwerwasser versprüht, was eine Dampfexplosion verursachte, die den Moderator-Tank bersten liess. Nun traten Kohlendioxid (Kühlmittel) und Schweres Wasser (Moderator) in die Reaktorkaverne aus.

Langwierige Aufräumarbeiten Die Techniker hatten die erhöhte Radioaktivität gerade noch rechtzeitig festgestellt, sodass das Personal evakuiert und die Kaverne verschlossen werden konnte. Gleichwohl wurde die Kaverne massiv verstrahlt; die radioaktiv verseuchten Trümmer konnten erst nach Jahren weggeräumt werden. Durch undichte Stellen in der Kaverne entwichen radioaktive Gase nach draussen. Der Traum von einer eigenständigen Schweizer Reaktorlinie war ausgeträumt.
Erst im Mai 1973 waren die Aufräumarbeiten abgeschlossen. Die 250 versiegelten Fässer mit radioaktiven Abfällen blieben vorerst auf dem Gelände; 2003 wurden sie dann ins zentrale Zwischenlager in Würenlingen (ZWILAG) gebracht.

Auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES-Skala),
die Störfälle von 0 («Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung») bis 7 («katastrophaler Unfall») bewertet, steht Lucens bei Stufe 4-5. Damit zählt die Kernschmelze im Versuchsreaktor Lucens zu den schwersten Störfällen, die bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie vorkamen.

Ende des Auszuges


Seit 1969 versucht die Schweizer Atomlobby die Erinnerung an diesen Unfall in der "sicheren" Schweiz zu löschen. Atomunfälle und Kernschmelzen... das gibt es im Bewusstsein der Menschen auch in Deutschland, doch nur im "unsicheren Russland". Die schweren Unfälle in Sellafield, Harrisburg und Lucens wurden und werden auch in Deutschland gerne verdrängt.



Mit der Zwischenlagerung in der Würenlinger ZWILAG
ist das Kapitel Lucens nun aber keinesfalls endgültig abgeschlossen. Der radioaktive Schrott des durchgebrannten Brennelements wird noch eine Million Jahre weiter strahlen. Ein vergleichbarer Unfall in einem anderen, großen AKW der Schweiz könnte diese auf Dauer unbewohnbar machen.

Wenn Sie sich diese Atom – Infos lesen, sich heftig über die Atomkonzerne, die AXPO, die NAGRA und die Atomparteien ärgern, "die Faust im Sack ballen", nachts mit den Zähnen knirschen, aber ansonsten nichts tun, dann nützt das recht wenig.

  • Engagieren Sie sich! Für die Stilllegung der Atomkraftwerke und gegen die geplanten neuen AKW.
  • Leben Sie energischer. Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland, beim Atomschutzverband TRAS, Schweiz oder bei den Bürgerinitiativen und der Anti-Atom-Bewegung vor Ort.
  • Wichtig: Wenn Sie eine Homepage haben, dann legen Sie doch bitte einen Link zu dieser Seite
  • Wenn Ihr Energieversorgungsunternehmen Sie mit Atomanlagen bedroht, dann lassen Sie sich das nicht gefallen. Wechseln Sie zu einem „echten“ Ökostromanbieter, wie z. B. dem BUND Regionalstrom von den EWS Schönau
  • Bringen Sie das Atomthema zur Sprache: Bei der Arbeit, im Verein, dort wo Sie leben, arbeiten und aktiv sind.
  • Lassen Sie sich nicht gegen Ihre europäischen Nachbarn ausspielen. Die Atomlobby arbeitet grenzüberschreitend. Wir Umweltschützer auch.
  • Setzen Sie sich ein, für Mensch, Natur, Umwelt und für eine nachhaltige, erdverträgliche Entwicklung.
  • Engagieren Sie sich für die Demokratie. Die Dauerregierungsmitglieder der Energiekonzerne verstärken ihren Einfluß auf Politik und Medien und gefährden die Demokratie... Gekaufte Demokratie?
  • Bekennen Sie sich zu Ihrem Engagement. Mit einem Leserbrief, einem Aufkleber im Fenster, am Rad, an der Mülltonne, am Auto oder mit einem Plakat am Hoftor (Materialien gibt's beim BUND: Onlineshop ).
  • Ein neuer Ansatz Atomgefahren abzuwehren wird hier aufgezeigt: Die No-Logo Kampagne
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland, oder beim Atomschutzverband TRAS, Schweiz . Flugblätter und Infoarbeit kosten Geld.
  • Sparen Sie Energie und gehen Sie mit uns den Weg ins Solarzeitalter.
  • Elektrisches Heizen ist umweltfeindlich. Die Energiekonzerne werben massiv für diese Form der Energieverschwendung
  • Schreiben Sie mal wieder einen Leserbrief

Axel Mayer




Der Lucens Gau im Radio Dreyeckland hier


Info: Schweizer AKW


Kernkraftwerk Beznau 1 und 2
Gösgen
Leibstadt
Mühleberg

Hier finden Sie viele Links und Informationen zu wichtigen Atomthemen:

Eine umfassende Information zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier:
Atom Ausstellung
Mehr Infos: Neue Kernkraftwerke Schweiz?
Mehr Infos: Zwischenlager für Atommüll und AtomfabrikWürenlingen
Mehr Infos: AKW und Atomterrorismus
Mehr Infos: katastrophaler Katastrophenschutz für KKW
Mehr Infos: Akzeptanzforschung, Greenwash und neue Durchsetzungsstrategien für AKW
Mehr Infos: Atommüll Schweiz, atomarer R(h)einfall?
Mehr Infos: AKW, Atombombe, Atomwaffen, Atomkraftwaffen
mehr Infos: AKW Laufzeitverlängerung ist Gefahrzeitverlängerung
Mehr Infos: Atomkraft, Atomkraftwerk, AKW, Klima und Klimaschutz
Mehr Infos: EPR Europäischer-Druckwasserreaktor / Neue AKW und ihre Gefahren
Mehr Infos: Weltweite Energievorräte/ Energiereserven/ Energieressourcen
Mehr Infos: Funktionsweise - Druckwasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor
Mehr Infos: Funktionsweise - Siedewasserreaktor Atomreaktor Kernreaktor


Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/akw-lucens.html">Lucens Schweiz: Schwerer Atomunfall (GAU) im Atomkraftwerk / Versuchsreaktor </a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 4228 mal gelesen und am 24.1.2009 zuletzt geändert.