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Alte Obstbäume am Kaiserstuhl




Alte Obstbäume am Kaiserstuhl sind...

... sind eine Zierde der Landschaft,

... sind oftmals eindrucksvolle Baumgestalten,

... gehören seit alters zum Bild des Kaiserstuhles,

... bieten wertvollen Lebensraum für zahlreiche Lebewesen,

... und bringen auch noch Ertrag.

Sie sind erhaltenswert!



Obstbäume als Wirtschaftsfaktor

Am und im Kaiserstuhl prägen ausgedehnte Obstanlagen das Bild der Landschaft, teils in Form moderner Intensivanlagen, teils in Form traditioneller Hochstamm-Bäume. Mit seinen Zehntausenden von Kirsch-, Zwetschgen-, Kernobst- und Nussbäumen gehört der Kaiserstuhl zu den wichtigsten Obstanbaugebieten Deutschlands. So ist der Erwerbsobstbau am Kaiserstuhl neben dem Weinbau für viele Betriebe ein wichtiges wirtschaftliches Standbein.


Obstbäume und Landschaftsbild

Die Obstbäume haben aber nicht nur wirtschaftliche Funktion: Besonders zur Zeit der Baumblüte, aber auch in der Herbstfärbung und selbst im kahlen Zustand bereichern sie das Landschaftsbild. Sie stellen eine Hauptattraktion des Kaiserstuhles zur Zeit der Frühlingswanderungen dar. Dies ist auch der Hintergrund für die Pflanzung von 1200 jungen Obstbäumen im Frühjahr 2004 mit Mitteln des Plenum-Projektes, eine gute Aktion zur Erhaltung und Verjüngung des Obstbaumbestandes in der Kaiserstuhllandschaft. So sind die Obstbäume auch unter dem Aspekt Tourismus und Attraktivität der Kaiserstühler Landschaft von Bedeutung, nicht zuletzt in den durch Flurbereinigung monotoner gewordenen Bereichen.


Obstbäume und Naturschutz

Bei jüngeren und mittelalten Bäumen ist der wirtschaftliche und der ästhetische Wert unstrittig, ihre Bedeutung für den Natur- und Artenschutz ist jedoch eher gering. In dem Maße aber, wie die Bäume alt werden, ja überaltern, wird ihr ökologischer Wert immer größer. Sie bieten dann zunehmend Lebensraum und „ökologische Nischen“ für speziell angepasste Lebewesen. Tote Ast- und Stammpartien, ausgefaulte, mulmgefüllte Baumhöhlen und Spechtlöcher, lockere Rindenpartien und Baumpilze: all das sind kleine Sonderbiotope, die bedrohten, teils interessanten und attraktiven Arten Lebensmöglichkeiten bieten. So sind gerade die alten Obstbäume unter Naturschutzgesichtspunkten besonders wertvoll und interessant. Sie sollten daher gerade in einem so wertvollen Naturraum wie dem Kaiserstuhl erhalten und geschützt werden.


Wertvolle Kleinstrukturen und Spezialbiotope an alten Obstbäumen
mit zugehörigen Bewohnern:


Wiedehopf: Der spektakuläre Höhlenbrüter ist im Kaiserstuhl auf Nisthilfen angewiesen, weil er keine geeigneten Höhlenbäume findet.

Gartenrotschwanz: Der hübsche Singvogel ist Halbhöhlenbrüter und eine Charakterart von Streuobstgebieten.

Steinkauz: Kleine, höhlenbewohnende Eulenart, die selten geworden ist, nicht zuletzt wegen Wohnungsmangel.

Hornissen: Als Vertilger von Fliegen und Wespen nützliche und friedliche Insekten, die gern hohle Obstbäume besiedeln.

Rosenkäfer: Die Larven der leuchtend grünen Käfer entwickeln sich im Mulm von Baumhöhlen.

Der Körnerbock: ein großer Bockkäfer, der im toten Holz alter Obstbäume lebt. Die wärmeliebende Art ist sehr selten und kommt in Deutschland vor allem im Südwesten vor.

Goldwespe: Eine prächtig schillernde Art, die parasitisch bei Wildbienen in altem Holz lebt.





Nicht jeder überaltete Obstbaum kann beliebig lange stehen bleiben. Manche sind tatsächlich "im Wege", stören bei der Neubepflanzung oder stellen eine Gefährdung dar. An vielen Stellen können sie jedoch problemlos stehen bleiben, z.B. in Streuobstbeständen, an Böschungen und Rainen, in Wegzwickeln und am Gebüschrand.

Wir appelieren an die Besitzer solcher Bäume: Geben Sie dem Baum großzügig noch einige Jahre, freuen Sie sich über seine Blüten, seine Gestalt und über interessante Beobachtungen. Seien sie sicher: An und in ihm herrscht vielfältiges Leben von Arten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind. Spezialisten bewohnen Baumhöhlen, tote Äste und Baumpilze oder leben unter abgestorbenen Rinden und im Holzmulm. Viele sind unscheinbar, manche bunt und auffällig, und nicht wenige sind bedrohte Seltenheiten.



Auch wenn ein solcher Baum abstirbt, stellt er noch einen wertvollen Lebensraum dar und sollte nicht in jedem Fall beseitigt werden. Für gesunde Obstbäume, die genutzt werden, stellen die "Totholzbewohner" keine Gefahr dar, aber im Gefüge der Lebensgemeinschaften sind sie wertvolle Teile.





































































Ein Blatt zur Information und Anregung für
Obstbauern, Winzer, Gemeinden und alle Naturfreunde,


Idee und Text: Frank Baum, BUND
Gestaltung: Adrian Schutzbach
Fotos: Sabine Jelinek, Frank Baum, Hans Glader,
Fritz Saumer, Hubert Ott, Matthias Hollerbach



Nachtrag:
Es war natürlich ein Blödsinn zu glauben, mit einem Flyer und einem Text zu den "Alten Obstbäumen am Kaiserstuhl", die Baumfällarbeiten und die Zerstörungsprozesse zu stoppen. Fahren Sie einmal mit offenen Augen durch die ehemaligen Hochstammregionen am Nördlichen Kaiserstuhl. Wuchernde Neubaugebiete um die Gemeinden, Billigkirschen aus der Türkei und ein Verfall der Kirschpreise der nur noch Idealisten auf die gefährlichen hohen Leitern steigen lässt, haben den alten hohen Kirschbäumen den Garaus gemacht. Die wunderbaren, letzten, großen Nussbäume sind massiv durch eine neue Krankheit bedroht. Fortschritt ist eben auch am Kaiserstuhl fast immer Zerstörung.
Dennoch werden natürlich einige Museums-Hochstammbäume (mit Busparkplatz, Toi-Toilette und Weinausschank) überleben...
Axel Mayer





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Nachtrag
Auszug aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag von Baden-Württemberg, Abgeordneter Dieter Ehret Drucksache 14 / 6595
Frage 4: Wie hat sich der Streuobstbestand in Baden-Württemberg seit 1965 entwickelt und wie hat die Landesregierung den Erhalt und die Pflege des vorhandenen Bestandes unterstützt;

Zu 4.:
Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat im Jahr 1965 eine Obstbaumzählung
vorgenommen. 1990 erfolgte eine repräsentative Stichprobenerhebung
und im Jahr 2009 wurde im Rahmen eines vom Ministerium für Ländlichen
Raum, Ernährung und Verbraucherschutz vergebenen Forschungsprojektes die
Streu obsterhebung mittels Fernerkundung abgeschlossen. Bei allen Erhebungen
wurde nach Standortgruppen, Baumformen und verschiedenen Ertragsstadien unterschieden.
Nach der aktuellen Streuobsterhebung sind 9,3 Mio. Streuobstbäume landesweit
in der freien Flur, ohne Siedlungsbereich, vorhanden. Im Vergleich zu 1990
(11,4 Mio. Bäume) haben die Bestände um 2,1 Mio. Bäume abgenommen. Im
Jahr 1965 wurden noch ca. 18 Mio. Bäume in der Standortgruppe II (keine Intensivobstanlagen,
keine Haus- und Kleingärten) gezählt.
Die Entwicklung für die Apfel- und Birnenbäume der Baumformen Halb- und
Hochstamm stellt sich wie folgt dar: 1965 gab es in der Standortgruppe II rund
11,6 Mio. Apfel- und Birnenbäume. 1990 betrug deren Anzahl rund 7,5 Mio. und
2009 wurden etwa 5,4 Mio. Apfel- und Birnenbäume (Hochrechnung aus der
Felddatenerhebung) ermittelt, wobei die gänzlich verbuschten Bestände unbe -
rück sichtigt blieben.
Insgesamt unterscheiden sich die Erhebungsmethoden der Jahre 1965, 1990 und
2009. In der Erhebung von 1965 wurde z. B. nur für die Kernobstarten Apfel und
Birne die Anzahl der Hoch- und Halbstammbäume gesondert ermittelt. In den Erhebungen
von 1990 und 2009 wurden Hoch- und Halbstämme, also Bäume ab
120 cm Stammhöhe über die Obstarten hinweg erfasst. Deshalb sind die Daten der
Streuobsterhebungen 1965, 1990 und 2009 nur bedingt vergleichbar.
Die Zusammensetzung der Obstarten hat sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls
verändert. Der Anteil der Birnenbäume hat überproportional abgenommen, der
Anteil der pflegeextensiveren Walnuss- und Kirschbäume zugenommen...

Weblinks Kaiserstuhl:




Ein Blick über den Rand des Kaiserstuhls:















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Dieser Artikel wurde 6861 mal gelesen und am 17.11.2013 zuletzt geändert.