Diese Seite ausdrucken

Atommüll Schweiz: Bözberg statt Benken und immer in Grenznähe?

06.06.2007

In der Nordschweiz läuft in diesen Tagen und Wochen eine intensive Debatte um den möglichen Ausweichstandort Bözberg (gegenüber Waldshut / D) für das atomare Endlager der Schweiz.



Dazu senden wir Ihnen eine kurze Stellungnahme der BUND Regionalverbände Hochrhein und Südlicher Oberrhein:

In diesen Wochen gibt es in der Schweiz und am Hochrhein eine intensive Debatte um die geologisch „zweite Wahl“ für das Atommülllager Schweiz. Auch der grenznahe Standort Bözberg ist wieder einmal im Gespräch. „Der Bözberg wird mit grosser Wahrscheinlichkeit zu den Alternativen zu Benken im Züricher Weinland gehören“, bestätigte Heinz Sager, Mediensprecher der Nagra, in der Basler Zeitung.

Nach einem Artikel in der heutigen Ausgabe der Schweizer Zeitung „Der Bund“ könnte auch das bisher politisch gescheiterte Endlager für leicht- und mittelaktiven Müll mit dem Endlager für hochradioaktiven Müll zu einem einzigen „Atomklo“ in Grenznähe zusammengelegt werden. Auf die Frage der Zeitschrift „Wäre es ökonomisch und politisch nicht sinnvoller, für alle Abfälle nur ein Lager zu bauen?“ antwortet das Mitglied der Nagra Geschäftsführung, Markus Fritschi: „Technisch wäre es in geeigneten Gebieten möglich, am selben Ort in unterschiedlichen Tiefen stark wie auch schwach radioaktive Abfälle unterzubringen. Auch organisatorisch und wirtschaftlich hätte eine solche Lösung Vorteile.“ Zitatende

Der Standort Bözberg wird von Schweizer Medien häufig als „Ausweichstandort“ angesehen, ähnliches gilt auch für den Jurasüdfuss um Gösgen, oder den Lägern-Nordfuss. Für den Bözberg sprechen eher politische als geologische Gründe. Auch das Zauberwort „Akzeptanz“ im Atomaargau spricht für den Bözberg und gegen Benken im Zürcher Weinland.

Drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke stehen auf Aargauer Boden im Grenzgebiet am Hochrhein und am Paul-Scherrer-Institut befindet sich das größte Atomforschungszentrum der Schweiz. Ein „atomarer Geldsegen“ hat bereits viele Gemeinden abhängig gemacht. Zudem wird radioaktiver Abfall jetzt schon im oberirdischen Zwischenlager in Würenlingen im Aargau eingelagert.

Im konservativen Kanton gibt es massive politische und ökonomische Abhängigkeiten von der Atomindustrie. In den 80er-Jahre hatte die Nagra schon einmal das kristalline Gestein am Bözberg im Visier, dabei jedoch festgestellt, dass die unteren Schichten nicht so homogen sind wie erwünscht und sich daher nicht so gut eignen wie Opalinuston. Das Kristallin-Gebiet liegt außerdem noch näher an der deutschen Landesgrenze als Benken und ist räumlich nicht sehr ausgedehnt. Ein Gebiet, das in den 80er Jahren eher ausgeschlossen wurde, wird jetzt wieder ins Gespräch gebracht, dieses mal aber eher mit dem Focus auf den Opalinuston. (der ursprünglich nur als abdeckendes Gestein für die Endlagerung im Kristallin angedacht war)

Ob die Nagra diesen politisch günstigeren Standort tatsächlich in Betracht zieht, oder ob es nur darum geht die geschickte Illusion von Ausweichstandorten vorzutäuschen, ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz allerdings offen. Ähnlich wie Benken ist auch der Bözberg geologisch eher zweite Wahl. In Deutschland und vielen anderen Ländern kämen solche Standorte mit viel zu dünnen Schichten Opalinuston nicht in die engere Auswahl. Aus geologischen Gründen ist es in der Schweiz generell schwierig, Standorte für ein Atommülllager zu finden. Ein solches Lager muss nach Ansicht des BUND und der Experten Sicherheit für eine Million Jahre bieten. Um Akzeptanz für neue AKW zu schaffen braucht die Schweizer Atomlobby ein „vorzeigbares“ Endlager. Dem Anschein nach auch auf Kosten der Sicherheit.

Mehr Infos - Atommüll Schweiz:
Mehr Infos: Geld und Atom
Mehr Infos: Atomkraft Schweiz

BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein / Axel Mayer / Geschäftsführer / Tel. 0761/30383
BUND Regionalverband Hochrhein / Markus Wursthorn / Mitglied des Regionalvorstandes


Dieser Artikel wurde 520 mal gelesen und am 6.6.2007 zuletzt geändert.
Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/atommuell-boezberg.html">Atommüll Schweiz: Bözberg statt Benken und immer in Grenznähe?</a>