Atommüll in Deutschland: Wohin mit den Abfällen die eine Million Jahre strahlen?
Atommüll
fällt bei der Nutzung der Atomenergie zur Stromerzeugung, bei der Forschung, in der Industrie und in der Medizin an. Mehr als 90 Prozent des Atommülls in Deutschland ist schwach- oder mittelradioaktiv. Dies sind nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) etwa 120 000 Kubikmeter. Hinzu kommen rund 2000 Kubikmeter hochradioaktive und extrem gefährliche Abfälle, was etwa 12 500 Tonnen abgebrannten Brennelementen entspricht. Wenn die 17 noch laufenden Atommeiler bis etwa 2020 schrittweise vom Netz gehen, würde sich die Menge auf 17 100 Tonnen erhöhen. Doch die Atomindustrie will die Gefahrzeitverlängerung und dadurch auch mehr Atommüll.
Zwischenlager
Seit Beginn der Kernspaltung im ersten deutschen Atomreaktor FRM I im Jahr 1957 wurden bis Ende 2007 rund 12.500.000 Kilogramm tödlich strahlender Brennelementmüll erzeugt. Noch kein Kilo Kernbrennstoff wurde entsorgt. Alles wurde und wird in drei zentralen oberirdischen (!) Zwischenlagern in Gorleben, Ahaus und Rubenow (auch unter den Namen Lubmin oder Greifswald oder Nord geführt) und in dreizehn AKW-Standort-Zwischenlagern (Brunsbüttel, Brokdorf, Krümmel, Esenshamm/Unterweser, Lingen/Emsland, Grohnde, Biblis, Philippsburg, Neckarwestheim, Obrigheim ((erst beantragt)), Gundremmingen, Ohu/Isar, Grafenrheinfeld) abgestellt.
Diese Zwischenlager sind nicht als Bunker sondern als einfache Hallen gebaut, da im Falle eines Einsturzes die Luftkühlung der sich infolge anhaltenden Kernzerfalls gefährlich erwärmenden Castoren noch funktionieren soll und dies bei leichten Hallentrümmern eher gewährleistet ist.
Jeder Castor in diesen Zwischenlagern enthält etwa soviel mittel- und langdauernde Radioaktivität wie insgesamt in Tschernobyl frei gesetzt wurde. Nach dem derzeitigen Atomgesetz müssen die Zwischenlager nach vierzig Jahren wieder geräumt werden. Aber es gibt kein Endlager...

Atommüll = e.on, RWE, Vattenfall, EnBW
Knapp 47 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Atommüll
lagern unsachgemäß in der niedersächsischen Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel, in die Wasser eindringt. Das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter (ebenfalls Niedersachsen) soll bis 2013 als Endlager für solchen Atommüll in Betrieb gehen und bis zu 270 000 Kubikmeter aufnehmen. In einem einsturzgefährdeten Salzstock in Morsleben (Sachsen-Anhalt) liegen weitere knapp 37 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall, der vor 1998 eingelagert wurde. Quelle: dpa 22.8.08
Nach dem Atomgesetz
ist der Bund verpflichtet, ein Endlager für hochradioaktive Abfälle zu schaffen, das bis 2030 betriebsbereit sein soll. Wo dieses Lager sein wird, ist noch nicht entschieden, doch die Atomindustrie und ihre Lobbyisten in den Parlamenten würden den Atommüll gerne in Gorleben einlagern.
Woher kommt der hochradioaktive deutsche Atommüll?
Hochradioaktiver Müll, der eine Million Jahre strahlt, entsteht insbesondere in Atomkraftwerken.
Gorleben im Wendland
ist Standort für das geplantes Endlager für radioaktiven Abfall. Seit der Standortentscheidung im Jahr 1977 werden die Endlagerpläne von Anwohnern und Mitgliedern der Anti-Atomkraft-Bewegung erfolgreich verhindert. Das Zwischenlager in Gorleben konnte nicht verhindert werden, die jährlichen Atomtransporte, die „Castor-Transporte“ allerdings werden jedes Jahr von vielfältigen Aktionen und massiven Protesten begleitet.
!Dank!
Wir bedanken uns bei den Aktiven in und um Gorleben, für ihren jahrzehntelangen, kreativen und gewaltfreien Protest. Sie stoppen nicht nur die „Castor-Transporte“ sondern auch die bundesweiten Pläne der reichen und einflussreichen Atomkonzerne e.on, RWE, Vattenfall, EnBW und ihrer Vertreter in den Parlamenten, die mit Atomanlagen unser aller Leben bedrohen.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist das Ziel
der Atomtransporte aus dem nordfranzösischen La Hague, nicht der unterirdische Salzstock von Gorleben, sondern das oberirdische Transportbehälterlager Gorleben. Die Brennelemente der deutschen Atomanlagen werden in Cap la Hague "wiederaufbereitet". Zusätzlich zu den gefährlichen Atomtransporten kam es in den dortigen Wiederaufarbeitungsanlagen zu einer radioaktiven Vergiftung des Meeres und der Luft.
Atommüll, Castor Transporte, Laufzeitverlängerung und Widerstand
Der heftige und gewaltfreie Widerstand gegen den Castortransport im November 2008 steht auch im Zusammenhang mit dem Versuch der Konzerne die Gefahrzeit für AKW zu verlängern. Der gut gemeinte, politisch und juristisch aber schlecht gemachte Atomausstieg von Rot-GRÜN hat auch eine politische Dimension, die mit zum aktiven Widerstand beiträgt. Der Ausstieg sollte die Anti-Atom Bewegung, einen wichtigen Teil der Gesellschaft, befrieden. Der "Ausstieg aus dem Ausstieg" zeigt die Machtverhältnisse in unserem Land überdeutlich.
Dieses Land wird (auch) von als Volksvertretern getarnten Industrievertretern regiert.
Die politisch nicht legitimierten Atomkonzerne e.on, RWE, Vattenfall, EnBW und Siemens
regieren über die Lobbyisten der Atomparteien CDU, CSU und FDP , aber auch über Menschen wie Herr Wolfgang Clement von der SPD heftig mit. Der Ausstieg aus dem Ausstieg lässt in einem Teil der Bevölkerung den Glauben an demokratische Veränderungen schwinden. Dies kann, in letzter Konsequenz, auch zu einer Entfriedung führen, die politisch niemand wollen kann.
Die Atomkonzerne EnBW, RWE, E.ON und Vattenfall und die Atomparteien brauchen unbedingt eine "vorzeigbaren" Deponie um endlich Akzeptanz für Laufzeitverlängerung und für alte und neue AKW zu schaffen.

Atommüll & e.on, RWE, Vattenfall, EnBW
Wie gefährlich ist Atommüll?
In einem AKW entsteht in einem Jahr pro Megawatt Leistung ungefähr die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heißt, allein im RWE - AKW Biblis mit seinen beiden schon im so genannten "Normalbetrieb" gefährlichen Reaktoren entsteht jährlich die Radioaktivität von ca. 2525 Hiroshimabomben. Ein Teil dieser Radioaktivität zerfällt nach relativ kurzer Zeit. Manche radioaktiven Abfälle haben eine kurze Halbwertszeit von wenigen Jahren, z.B. Krypton-85: 10,76 Jahre. Andere radioaktive Gifte haben extrem lange Halbwertszeiten, z.B. Jod-129: 17 000 000 Jahre. Ins Endlager kommt ein "Cocktail" aus vielen gefährlichen Abfallstoffen. Ein atomares Endlager muss also Sicherheit über mindestens eine Million Jahre geben, über Zeiträume, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Es fällt schwer, sich die Gefahren und Gefährdungszeiträume von Atommüll vorzustellen.
Das Beispiel Plutonium
Beim Betrieb eines AKW mit 1000 MW Leistung entstehen pro Jahr ca. 200 - 250 kg Plutonium.
Der giftigste Stoff der Welt
"Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist der giftigste Stoff, den es gibt. Seine kurzreichende Alpha-Strahlung reißt gewissermaßen tiefe Schneisen in jedes lebende Gewebe und zerstört es. Dabei kann es nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden, es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur etliche Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken..."
Zitat: Frankfurter Rundschau

Plutonium und der Pharao
Wenn der bekannte ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW 4 Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000 kg Plutonium zusammengekommen. Bei einer Halbwertszeit von 24 110 Jahren (Plutonium 239) wären heute noch 877 kg vorhanden. Nach 10 Halbwertszeiten, also nach 241 100 Jahren, müssten immer noch ca. 0,1 % der Ausgangsmenge, also 1 kg Plutonium, dauerhaft sicher gelagert werden. Mit der schon im Normalbetrieb krebserzeugenden, gefährlichen Nutzung der Atomenergie (Harrisburg, Tschernobyl) hat die Atomindustrie weltweit ein unglaubliches Gefahrenpotential für die nachfolgenden Generationen geschaffen.
(Wenn Sie bei den Atomkonzernen oder ihren so genannten "Umwelttöchtern" Ihren Strom beziehen, dann sollten Sie dies schleunigst ändern!)
Halbwertszeiten einiger anderer radioaktiver Nuklide:
| Element | Formelzeichen | Halbwertszeit |
Tellur | 128Te | ca. 7·10^24 Jahre (7 Quadrillionen Jahre) | | Bismut | 209Bi | ca. 1,9·10^19 Jahre (19 Trillionen Jahre) |
| Thorium | 232Th | 14,05 Mrd. Jahre> |
| Uran | 238U | 4,468 Mrd. Jahre |
| Uran | 235U | 704 Mio. Jahre |
| Plutonium | 239Pu | 24.110 Jahre |
| Kohlenstoff | 14C | 5.730 Jahre |
| Radium | 226Ra | 1.602 Jahre |
| Plutonium | 238Pu | 87,74 Jahre |
| Caesium | 137Cs | 30,2 Jahre |
| Tritium | 3H | 12,36 Jahre |
| Kobalt | 60Co | 5,3 Jahre |
| Schwefel | 35S | 87,5 Tage |
| Radon | 222Rn | 3,8 Tage |
| Francium | 223Fr | 22 Minuten |
| Thorium | 223Th | 0,6 Sekunden |
| Polonium | 212Po | 0,3 µs |
| Beryllium | 8Be | 9 · 10-17 s (90 Trillionstelsekunden) |
Atommüll: Pleiten, Pech, Pannen, Lügen und Gefahren
Das von Ingenieuren, Technikern und Politikern für hunderttausende von Jahren absolut sicher gehaltene atomare Endlager in Morsleben droht bereits wenige Jahrzehnte nach der Inbetriebnahme zusammenzustürzen. In das Atommülllager Asse dringt Wasser ein. Die von allen Experten "für absolut sicher" erklärte Giftmülldeponie Stocamine im Elsass brannte aus und musste geschlossen werden.
Wann wurde jemals ein Verantwortlicher
für diese Umweltverbrechen hart bestraft? Uns ist bisher keine angemessene Verurteilung bekanntgeworden.
Wem kann die Bevölkerung glauben?
Den teuren, psychologisch geschickten Werbekampagnen der Atomlobby und der Atomkonzerne? Oder den kritischen Fachleuten und den Umweltschützern? Und wo geht bei Prognosen über derart lange Zeiträume Ingenieurwissen in Glauben und Hoffnung über?
Atommüll, Laufzeitverlängerung und neue Atomkraftwerke
(Nicht nur) die deutsche Atomindustrie will endlich Tschernobyl vergessen machen und nach der geplanten Gefahrzeitverlängerung der AKW neue Atomkraftwerke bauen. Um diese psychologisch geschickt durchzusetzen, braucht es unbedingt ein "vorzeigbares" Endlager. Es geht dabei um ein hundert Milliarden Euro Geschäft. Kein Wunder also, dass Geld bei der Durchsetzung des Endlagers keine Rolle spielt.
Gefahren für Anwohner und Umwelt
Gefahren bringt ein Atomlager auf jeden Fall. Die Atommülltransporte und die konkrete Einlagerung wären unfallgefährdet, und jeder Castortransport ist ein ideales Angriffsziel für Terroristen. Unfallmöglichkeiten gibt es bei der Einlagerung der Abfälle, und ein schwerer Unfall heißt bei Plutonium und anderen radioaktiven Stoffen immer auch Katastrophe und langfristige Räumung von großen Gebieten.
Wohin mit dem Atommüll?
Da haben die Atomindustrie und ihre Paten in der Politik uns und den nachfolgenden Generationen ein schier unlösbares Problem beschert. Gute und einfache Lösungen gibt es nicht. Da gibt es gefährliche Utopien "ab in die Sonne" und kluge Überlegungen (Hütekonzept). Da setzen die einen auf Salzstöcke und andere auf Granit. Marcel Burri beschreibt ein altes Diskussionspapier der atomenergiefreundlichen US Atomic Energy Commission. Diese hatte die geologischen Bedingungen an ein Endlager für hochradioaktive Stoffe folgendermaßen beschrieben:
- Mindesttiefe für das Lager 3000 Meter
- in einer unbewohnte Region
- ohne hohe Erhebungen (Berge) in der Nähe
- ohne Verbindungen zwischen den unteren Gesteinsschichten und dem Wassersystem an der Oberfläche
- Keine komplexen geologischen Strukturen (Falten, Spalten)
- Keine Erdbebengefahr
- Gewöhnliches Gestein, das wirtschaftlich bedeutungslos ist
Vergleichen Sie bitte selbst die geologische und geographische Situation in Gorleben mit diesen Anforderungen. Für ein solches Endlager müssten alle Bedingungen erfüllt sein.
Doch wer ein Endlager braucht, um neue AKW politisch durchsetzen zu können, dem sind solche Fragen egal.
Überlegungen und Diskussionsvorschläge
Wenn die (atomare) Badewanne überläuft, dann stellt man zuerst den Wasserhahn (AKW) ab, bevor man ans Aufwischen (Deponieren) geht. Angesichts der beschrieben Lagerprobleme und der Gefahren im so genannten Normalbetrieb müssen die deutschen AKW weltweit schnellstmöglich abgestellt werden. Dann müssen kritische und vor allem unabhängige Geologen in Deutschland und weltweit nach Endlagerstandorten suchen. In diesen möglichen Endlagerstandorten sollte der Atommüll rückholbar eingelagert werden (kontrolliertes Langzeitlager). Diese Atommülllager dürfen nicht der nationalen Souveränität eines einzelnen Staates unterliegen (UN - Hoheit).
Gutachten und Tricks der Atomindustrie
Gefährlich und gleichzeitig faszinierend sind die geschickten Durchsetzungsstrategien der Atomindustrie. Sie lässt sich ihre Aussagen und Studien gerne von scheinbar "unabhängigen und neutralen" Institutionen bestätigen. Doch wie neutral und unabhängig sind diese Institutionen?
Was tun?
Ein unsicheres Endlager in Gorleben bringt nicht nur dem Wendland ungeahnte Gefahren. Menschen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen wehren sich gemeinsam gegen diese Gefahr. Nur massiver, gewaltfreier Widerstand kann die Gefahr abwenden. Wenn die bundesdeutschen AKW abgestellt sind, muss ein akzeptables Endlager gesucht werden.

Ein "käufliches" Klein-Banner für Euern Balkon
Wikipedia & AKW & Atommüll
Heftig sind die Einflussversuche der Atomlobby auf viele Wikipedia Seiten. Häufig gibt es keinerlei Infos zur Abgabe von Radioaktivität im "Normalbetrieb" zu Risiken oder zur Unfallgefahr. Ein Link zu unseren BUND AKW-Seiten oder Kritik auf den Wikipedia - Atom - Seiten wird schnell gelöscht, die einseitigen Links zur Betreiberseite bleiben stehen. Wir dürfen Wikipedia nicht den Werbeabteilungen der Atomkonzerne überlassen.
Informieren Sie sich, engagieren Sie sich!
Dieses Papier und insbesondere die Diskussionsvorschläge zu Möglichkeiten der Endlagerung sollen dem Einstieg in die Diskussion dienen. Endgültige Wahrheiten gibt es hier nicht. Die Initiativen vor Ort und der BUND brauchen Unterstützung bei Ihrer Arbeit.
Wenn Sie sich diese Atom – Infos lesen, sich heftig über die Atomkonzerne und die Atomparteien ärgern, "die Faust im Sack ballen", nachts mit den Zähnen knirschen, aber ansonsten nichts tun, dann nützt das recht wenig.
- Engagieren Sie sich! Gegen unsichere Endlager, Castor Transporte, für die Stilllegung der Atomkraftwerke und gegen die geplante Gefahrzeitverlängerung und neue AKW.
- Leben Sie energischer. Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland, oder bei den Bürgerinitiativen und der Anti-Atom-Bewegung vor Ort.
- Wichtig: Wenn Sie eine Homepage haben, dann legen Sie doch bitte einen Link zu dieser Seite
- Wenn Ihr Energieversorgungsunternehmen Sie mit Atomanlagen bedroht, dann lassen Sie sich das nicht gefallen. Wechseln Sie zu einem „echten“ Ökostromanbieter, wie z. B. dem BUND Regionalstrom von den EWS Schönau
- Bringen Sie das Atomthema zur Sprache: Bei der Arbeit, im Verein, dort wo Sie leben, arbeiten und aktiv sind.
- Setzen Sie sich ein, für Mensch, Natur, Umwelt und für eine nachhaltige, erdverträgliche Entwicklung.
- Engagieren Sie sich für die Demokratie. Die Dauerregierungsmitglieder der Energiekonzerne verstärken ihren Einfluss auf Politik und Medien und gefährden die Demokratie... Gekaufte Demokratie?
- Bekennen Sie sich zu Ihrem Engagement. Mit einem Leserbrief, einem Aufkleber im Fenster, am Rad, an der Mülltonne, am Auto oder mit einem Plakat am Hoftor (Materialien gibt's beim BUND: Onlineshop ).
- Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende Werden Sie aktiv beim BUND in Deutschland. Flugblätter und Infoarbeit kosten Geld.
- Sparen Sie Energie und gehen Sie mit uns den Weg ins Solarzeitalter.
- Elektrisches Heizen ist umweltfeindlich. Die Energiekonzerne werben massiv für diese Form der Energieverschwendung
- Schreiben Sie mal wieder einen Leserbrief
Axel Mayer
Hier finden Sie andere Links und Informationen zu wichtigen Atomthemen:
Eine umfassende Information zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier:
Hier geht´s zur Atom Ausstellung mit umfassenden Infos zu den Gefahren der Atomenergie
Hier geht´s zur Homepage der BI Lüchow Dannenberg (Gorleben)
Gorleben Mailingliste (Newsletter)
Alles zu Gorleben und den Transporten
Alles was die Gorlebener Anlagen und die Castoren-Technik betrifft
Der vielfältige Widerstand des Wendlandes

Was tun mit dem deutschen Atommüll?
Ein Handlungsprogramm des BUND Bundesverband
Stand: 30.10.2008
Wohin mit Deutschlands Atommüll? Die große Koalition wollte diese Frage eigentlich angehen, so steht es im Koalitionsvertrag. Aber von einem Fortschritt in dieser wichtigen Frage ist derzeit nichts zu sehen. CDU und CSU wollen das Problem nicht angehen sondern verschärfen. Sie setzen auf längere Laufzeiten der Atomkraftwerke und
wollen noch mehr strahlenden Atommüll produzieren. Außerdem setzen sie nach wie vor einseitig auf den – aus Sicht des BUND gänzlich ungeeigneten – Salzstock im niedersächsischen Gorleben.
Vorschläge des Umweltministeriums
Das Umweltministerium hatte im März 2008 das Konzept „Verantwortung übernehmen: Den Endlagerkonsens realisieren“ ins Spiel gebracht. Der Kern des BMU-Konzeptes: Der Standort Gorleben soll sich anhand von vorher festgelegten Kriterien einem Vergleich mit anderen Standorten stellen. Nur wenn sich andere Lagermöglichkeiten „aufdrängen“, soll in Gorleben nicht weiter untersucht werden. Dies ist aus Sicht des BUND das Hauptproblem des Gabriel-Konzeptes. Zwar wird hier immer wieder von einer vergleichenden Untersuchung mehrerer Standorte gesprochen. Dennoch birgt es die Gefahr, dass trotzdem bereits frühzeitig und ohne echte Untersuchung von Alternativen der ungeeignete Salzstock in Gorleben als Endlager feststeht. Nach Meinung des BUND muss es aber darum gehen, auf Grundlage wissenschaftlicher Kriterien und mit einer umfangreichen Beteiligung der Öffentlichkeit das vergleichsweise am wenigsten gefährliche Atommüllendlager in Deutschland zu suchen. Außerdem hatte das Umweltministerium im August 2008 einen Entwurf für „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle“ präsentiert. Der BUND begrüßt, dass in diesem Entwurf erstmals das Strahlenschutzziel festgeschrieben wurde, den Atommüll für 1 Million Jahre sicher einzulagern. Kritisch ist, dass der Entwurf nicht ausdrücklich ein Mehrbarrierensystem zum Schutz des eingelagerten Atommülls fordert. Damit halten die Sicherheitsanforderungen eine Hintertür für den Standort Gorleben offen, der nicht über mehrere geologische Schutz-Barrieren verfügt.
Endlagersuche bisher erfolglos
Sowohl das DDR-Atommülllager bei Morsleben in Sachsen-Anhalt als auch das niedersächsische Versuchsendlager in Asse bei Wolfenbüttel – beide befinden sich in unterirdischen ehemaligen Salzbergwerken – erwiesen sich als nicht geeignet.
1. Morsleben
In Morsleben zeigte sich dies auf dramatische Weise: 1998, wenige Wochen nach einem Gerichtsbeschluss, der die weitere Einlagerung radioaktiver Abfälle stoppte, löste sich ein 2000 Tonnen schwerer Gesteinsbrocken aus dem Deckgebirge über dem Salzstock und stürzte in einen Hohlraum des Bergwerks. Rein zufällig lagerte direkt unter
dem herabstürzenden Gestein kein Atommüll. Kurz nach diesem Vorfall wurde die endgültige Stilllegung des Atommülllagers bei Morsleben verfügt, von dem dort bereits eingelagerten Strahlenabfall gehen jedoch noch lange Zeit große Gefahren aus.
2. Asse
Seit 1988 ist bekannt, dass täglich etwa 12.000 Liter Grundwasser aus dem Deckgebirge in das Grubengebäude eindringen und eine gesättigte Salzlösung ("Lauge") bilden. Das Bergwerk mit dem Atommüll droht abzusaufen. Dringt die Salzlösung in die Einlagerungskammern, dann kann eine Kontamination des Grundwassers mit
Radionukliden langfristig nicht verhindert werden. Mensch und Umwelt sind durch die in der Asse lagernden atomaren Abfälle bedroht. Nach dem vom niedersächsischen Umweltministerium erstellten "Statusbericht über die Schachtanlage Asse II", der am 2. September 2008 präsentiert wurde, gab es bereits von Anfang an Laugenzuflüsse. Schon beim Abteufen des Schachtes II in der Jahren 1906 bis 1908 kamen bis zu 43 Kubikmeter Flüssigkeit aus der Wand. Anfang der 40er-Jahre flossen zeitweise bis 100 Kubikmeter Lauge täglich in das Bergwerk, 1979 sogar 432 Kubikmeter. Allein seit 1988 wurden 32 weitere aktive Zutrittsstellen festgestellt. Nunmehr liegt der Zufluss seit Jahren bei knapp 12 Kubikmetern. Mindestens zwei Fässer enthalten nach Angaben von Bundesumweltminister Gabriel Kernbrennstoffe, und insgesamt sollen in der Asse rund 9 Kilogramm Plutonium lagern.
Schacht Konrad und Gorleben sind ungeeignet
Seit Jahrzehnten wird um zwei weitere Standorte in Niedersachsen gerungen: Konrad bei Salzgitter sowie Gorleben. Im Frühjahr 2006 erlaubte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, die frühere Eisenerzgrube Schacht Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll zu nutzen. Die fehlende Langzeitsicherheit des Schachtes wurde
in dem Urteil ausgeklammert. Darüber hinaus wurde den Klägern keine Revisionsmöglichkeit gegen das Urteil eingeräumt. Mehrere Kläger versuchen derzeit, eine Revisionszulassung zu erreichen. Darüber muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Nach Angaben des Umweltministeriums könnte Konrad nach sechs Jahren
Umbauzeit in Betrieb genommen werden. Der größte Streit in der Endlager-Debatte dreht sich nach wie vor um Gorleben. Insbesondere die Betreiber der Atomkraftwerke, aber auch Teile der Politik setzen darauf, dass die Endlagersuche schließlich auf diesen Standort hinausläuft. Diese Präferenz hat kurzfristige wirtschaftliche und ideologische Motive. Zum einen wurden in Gorleben schon erhebliche Summen investiert. Zum anderen befindet sich hier bereits ein Großteil des hochradioaktiven Mülls aus deutschen AKW – eingeschlossen in Castor-Behältern in der oberirdischen Zwischenlagerhalle, die nicht noch einmal durch Deutschland reisen müssten. Unter
Sicherheitsaspekten ist ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Gorleben inakzeptabel: Geologische Gutachten verweisen auf ein unzureichendes Deckgebirge und Verbindungen zum Grundwasser. Derzeit gilt für das Lager in Gorleben ein Baustopp; dieses Moratorium gilt bis 2010, kann jedoch jederzeit aufgehoben werden.#
BUND Handlungsprogramm für die Endlagersuche
Niemand kann garantieren, dass der gefundene Standort für einen Zeitraum von einer Million Jahre sicher ist. Es geht allein darum, den vergleichsweise am wenigsten gefährlichen Ort zu finden. Und selbst wenn er gefunden wurde, führt kein Weg am schnellen Ausstieg aus der Atomkraft vorbei. Nur so lassen sich die zusätzlich
entstehenden Atommüllmengen begrenzen, die wir nachfolgenden Generationen hinterlassen.
1. Atomausstieg vor Genehmigung eines Endlagers
Dies ist eine entscheidende Bedingung für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ein Endlager, das den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ermöglicht und so die Atommüllberge weiter wachsen lässt, ist nicht akzeptabel und wird überall auf Widerstand stoßen. Die Genehmigung eines konkreten Endlager-Standortes darf erst dann erfolgen, wenn der Atomausstieg vollzogen ist.
2. Mit der vergleichenden Endlagersuche neu beginnen
Die Endlagersuche muss neu beginnen. Sie muss nach vorher festgelegten wissenschaftlichen Kriterien erfolgen und mehrere Standorte vergleichen. Die Entscheidung kann letztlich nur nach einem unterirdischen Vergleich getroffen werden. Radioaktiver Abfall, der in Deutschland produziert wurde, gehört in ein deutsches Endlager. Es ist keine
Lösung, Atommüll ins Ausland zu exportieren. Auch, um diesen Diskussionen endlich den Riegel vorzuschieben, ist eine ernsthafte Endlagersuche in Deutschland mehr als überfällig.
3. Ein Endlager für den gesamten Atommüll – Schacht Konrad nicht in Betrieb nehmen
Der BUND fordert, dass nur ein Endlager zur Aufnahme des gesamten Atommülls (sowohl schwach-, wie auch mittel- und hochradioaktiv) errichtet wird.
4. Endlagerung in tiefen geologischen Schichten
Die Endlagerung sollte in tiefen geologischen Formationen erfolgen, welche die maßgeblichen Langzeitbarrieren bilden. Als Strahlenschutzziel muss mindestens gelten: Radioaktive Stoffe müssen für mindestens eine Mio. Jahre sicher von der Biosphäre abgeschlossen sein.
5. Breite Öffentlichkeitsbeteiligung
Neben den geo-wissenschaftlichen Aspekten müssen jedoch auch sozialwissenschaftliche Kriterien wie Akzeptanz und Bevölkerungsdichte berücksichtigt werden. Und die Öffentlichkeit muss am gesamten Genehmigungsverfahren beteiligt werden.
6. Die Kosten tragen die AKW-Betreiber
Alle Kosten für die Endlagersuche müssen die Betreiber der Atomkraftwerke tragen. Dies muss auch für die aufwändige vergleichende Standortsuche mit Öffentlichkeitsbeteiligung gelten. Die Betreiber haben jahrzehntelang viel Geld mit ihren Atomkraftwerken verdient. Jetzt müssen sie auch dafür aufkommen, dass ein Endlager für den Strahlenmüll gefunden wird, von dem die wenigsten Gefahren ausgehen.
7. Die Kontrolle liegt beim Staat
Die Suche nach dem Standort, dessen Genehmigung und die Öffentlichkeitsbeteiligung sind staatliche Aufgaben. Dazu sollte eine öffentliche Institution geschaffen werden, die von einem unabhängigen Gremium kontrolliert wird.
Kontakt und weitere Informationen:
Thorben Becker,
Teamleiter Klimaschutz
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Tel.: 030-27586-421
thorben.becker
bund.net