Würenlingen & Zwilag - Atommüllzwischenlager oder Garage?
20.06.2001
An die Medien
Trotz grosser technischer Probleme hat die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK), der Betreiberin des Zentralen Zwischenlagers in Würenlingen (CH) Zwilag, die Freigabe für den Betrieb der Lagerhalle für hochradioaktiven Atommüll und Brennelemente erteilt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisiert diese Entscheidung, die das jetzt schon vorhandene, enorme atomare Risiko an der schweizer - deutschen Grenze nochmals erhöht.
Wenn eine Autogarage geplant und gebaut und nach dem Bau festgestellt wird, dass bei der Planung von absolut falschen Tatsachen ausgegangen worden war, dann wird der Bau abgerissen. Wenn die gefährlichsten Gifte der Menscheit "zwischengelagert" werden sollen dann wird über solche Planungsfehler grosszügig hinweggesehen.
Ursprünglich und fälschlicherweise war angenommen worden, dass die Atommüllbehälter in der neuen Atommüllhalle nur 60 Grad heiss werden dürfen. Doch in Wirklichkeit werden die Atommüllbehälter bis zu 120 Grad heiss. Laut HSK hat die Betreiberfirma mit technischen Berichten nachgewiesen, dass das Lager auch bis zu 120 Grad heiße Behälter verkraftet. Hinter dieser Genehmigung sieht der BUND aber insbesondere den enormen finanziellen und politischen Druck.
In der aktuellen Berichterstattung über diese skandalöse Genehmigung fällt auf, dass das Gefahrenpotential dieser Lagerhalle in der öffentlichen Diskussion absolut keine Rolle spielt. Es geht aber nicht um ein Lager für Reifen, Farben oder Chemikalien. Plutonium, Strontium und andere Ultragifte aus den Atomanlagen der Schweiz entsprechen dem radioaktiven Potential von vielen hundert Hiroshimabomben. Sie müssen dauerhaft sicher gelagert werden. Kompromisse bei der Sicherheit kann es hier nicht geben.
Die Anpassung der Genehmigung an die Realität der viel zu heissen Behälter findet ihre Entsprechung in der Verringerung der geologischen Anforderungen an das geplante atomare Endlager, das in Benken am Rheinfall realisiert werden könnte.
Für die vier Nachbargemeinden von Würenlingen aber hat sich das Lager (und das Abstimmungsverhalten bei den Volksabstimmungen zu diesem Thema) zumindest finanziell ausgezahlt. Sie erhalten jährlich 1,9 Millionen Franken und das 25 Jahre lang.
Axel Mayer, BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Martin Volkmann, BUND Regionalverband Hochrhein
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