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Bedenkt - Hans Dieter Hüsch

Bedenkt, daß jetzt um diese Zeit
der Mond die Stadt erreicht,
für eine kleine Ewigkeit
sein Milchgebiß uns zeigt.
Bedenkt, daß hinter ihm ein Himmel ist,
den man nicht definieren kann.
Vielleicht kommt jetzt, um diese Zeit,
ein Mensch dort oben an.
Und umgekehrt wird jetzt
vielleicht ein Träumer in die Welt gesetzt,
und manche Mutter hat erfahren,
daß ihre Kinder nicht die besten waren.
Bedenkt auch, daß ihr Wasser habt und Brot,
daß Unglück auf der Straße droht
für die, die weder Tisch noch Stühle haben
und in der Not die Tugend auch begraben.
Bedenkt, daß mancher sich betrinkt,
weil ihm das Leben nicht gelingt,
daß mancher lacht, weil er nicht weinen kann,
dem einen sieht man´s an, dem andern nicht.
Bedenkt, wie schnell man oft ein Urteil spricht;
Und daß gefoltert wird, das sollt ihr auch bedenken
- gewiß, ein heißes Eisen – ich wollte Niemand kränken
doch werden Bajonette jetzt gezählt,
und wenn eins fehlt,
es könnte einen Menschen retten, der jetzt, um diese Zeit
in eurer Mitte sitzt
von Gleichgesinnten noch geschützt.
Wenn ihr dies alles wollt bedenken,
dann will ich gern den Hut, den ich nicht habe, schwenken.
Die Frage ist, sollen wir sie lieben, diese Welt,
sollen wir sie lieben?
Ich möchte sagen, wir wollen es üben.

Hans Dieter Hüsch


Dieser Artikel wurde 900 mal gelesen und am 11.5.2007 zuletzt geändert.
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