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Biosphärengebiet Südschwarzwald: Natur & Kulturlandschaft & Naturschutz Hand in Hand



Biosphärengebiet Südschwarzwald:
Erhalt der Kulturlandschaft und Naturschutz gehen Hand in Hand



Geplantes „Biosphärengebiet im Naturpark Südschwarzwald“

Im April 2012 hat Minister Alexander Bonde in Schönau den Startschuss für die Einrichtung des „Biosphärengebiets im Naturpark Südschwarzwald“ gegeben. Seither ist einiges passiert. So wurden bei den interessierten Gemeinden die Suchkulisse für das Zonierungskonzept vorgestellt und diskutiert. Im Wesentlichen ging es dabei um die Eingrenzung der Kernzone und Pflegezone. Bei den Terminen wurde deutlich gemacht, dass die Entscheidung über Kern-, Pflege und Entwicklungszone letztendlich bei den Gemeinden liegt.


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg skizziert anlässlich des Tages der Parke am 24. Mai die Eckpunkte für ein künftiges Biosphärengebiet im Südschwarzwald.

„Ein Biosphärengebiet im Südschwarzwald
wäre als eines der bedeutendsten Großschutzgebiete des Landes ein Leuchtturm für ganz Baden-Württemberg und würde Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus entwickeln“, sagte BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender anlässlich des Tages der Parke am 24. Mai. Ein Biosphärengebiet sei die logische Fortführung des erfolgreichen Naturschutzgroßprojektes Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental. Daher müsse dem Naturschutz auch entsprechendes Gewicht in der Ausrichtung, in den Gremien und bei den Fördermitteln des künftigen Biosphärengebiets eingeräumt werden.

Ein wichtiges Ziel des Biosphärengebiets
sei die Sicherung der Allmendweiden und Mähwiesen. Diese sind sowohl für den Erhalt der Artenvielfalt als auch kulturhistorisch von Bedeutung. Sie sind ein wichtiges kulturelles Erbe, deren Erhalt durch ein Biosphärengebiet am Besten gesichert werden könne. Die Vermehrung der Bannwaldflächen sei ein weiteres wichtiges Ziel. „Wir brauchen im Sinne der Naturschutzstrategie des Landes eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Bannwälder“, so Dahlbender, „hierfür ist der Südschwarzwald ein idealer Ort. Für die Anerkennung des Biosphärengebiets durch die UNESCO ist eine Kernzone von 3 % der Gesamtfläche erforderlich. Dies kann durch einen entsprechend ausgewiesenen Bannwald ebenfalls erfüllt werden.“

Das Biosphärengebiet würde als besonderes Schutzgebiet innerhalb des bestehenden Naturparks Südschwarzwald diesen weiter aufwerten. „In einem Biosphärengebiet steht der Naturschutz in Ergänzung zu Tourismus und Regionalentwicklung stärker im Vordergrund als in einem Naturpark“, erläutert Dahlbender, „das bedeutet aber auch, dass das Naturerlebnis für die Besucher des Biosphärengebiets noch intensiver wird.“ Besonders wichtig sei es bei der Finanzierung, dass das Biosphärengebiet mit ausreichenden Mitteln ausgestattet wird und dem Naturpark keine Gelder wegnimmt. „Biosphärengebiet und Naturpark müssen sich inhaltlich und finanziell sinnvoll ergänzen können“, sagte die BUND-Landesvorsitzende. Auch personell müssen geeignete Voraussetzungen geschaffen werden: Eine volle Fachkraft muss von Anfang an für eine einheitliche Landschaftspflegestruktur sorgen und die Landschaftserhaltungsverbände der beteiligten Landkreise koordinieren.

Bereits in der Planungsphase
des Biosphärengebiets müssen die betroffenen Naturschutzverbände mit einbezogen werden. „Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden“, mahnt Brigitte Dahlbender, „nur die Naturschutzverbände haben das nötige Fachwissen und die Erfahrung, die bei der Einrichtung eines solchen Großschutzgebiets notwendig sind.“ Für das spätere Entscheidungs- und Beratungsgremium des Biosphärengebiets dient die für Landschaftserhaltungsverbände vorgegebene Drittelparität aus Landnutzung, Kommunalverwaltung und Naturschutz als Leitbild.

Und auch die Expertise der Bürgerinnen und Bürger vor Ort darf nicht außer Acht gelassen werden. „Das Biosphärengebiet Südschwarzwald muss ein bürgernahes Großschutzgebiet werden“, betont Brigitte Dahlbender.




Weidbuchen im geplanten Biosphärengebiet Südschwarzwald


Zu den schönsten und beeindruckendsten Baumgestalten im im geplanten Biosphärengebiet Südschwarzwald, zählen die Weidbuchen. In ihrer bizarren Form drückt sich auch Geschichte aus. Geschichte von Menschen und von Bäumen, vor allem aber Geschichte von guten und schlechten Zeiten auf dem Wald...











Früher standen Weidbuchen
fast überall auf den alten Weidfeldern im Südschwarzwald. Heute sind diese landschaftsprägenden Baumgestalten leider selten geworden.

Weidbuchen sind eine besondere Wuchsform
der Rotbuche. Ursache für ihr eigentümliches, skurriles Wachstum ist der Verbiss durch das Vieh, denn die Rinder auf den Weiden fressen gerade in Mangeljahren neben Gras und Kräutern auch gerne die Blätter und Triebe junger Buchen. So litten die Jungbuchen in wirtschaftlich armen Zeiten jahrzehntelang unter dem Verbiss und dem Tritt des Viehs. Trotz Verbiss trieben einige der kleinen Buchenbüsche jedes Jahr erneut aus. So wurde aus den kleinen jungen Pflanzen langsam ein „Kuhbusch“. Ein kleines, unscheinbares Büschlein kann bis 50, in manchen Fällen auch über 100 Jahre alt sein.


Der Lebensweg der Weidbuchen


Zum Vergrößern von Bildern und Grafik einfach anklicken
(Diese leicht überarbeitete Grafik ist dem Buch "Weidbuchen im Schwarzwald und ihre Entstehung durch Verbiß des Wälderviehs" entnommen - sie können das Buch hier erwerben.)


Nach vielen Jahrzehnten reicht das Kuhmaul
nicht mehr in die Mitte des Kuhbusches und die mittleren Triebe wachsen schnell in die Höhe. Die kleinen Stämme wachsen eng aneinander und manchmal sogar zu einem dicken Stamm zusammen. So wird aus dem "badischen Bonsai" nach Jahrzehnten ein Baum und nach über hundert Jahren eine beeindruckende, landschaftsprägende Baumgestalt, die auch von der Geschichte des Schwarzwaldes erzählt. Manche Weidbuchen im Schwarzwald haben einen Umfang von bis zu sieben Metern. Irgendwann, nach 200 Jahren brechen die Weidbuchen zusammen und aus vermoderndem Holz wächst neues Leben.

Die Weidbuchen im Wiesental, am Schauinsland und Belchen
wurden in den Jahren 2003 bis 2006 zahlenmäßig erfasst. An 1600 Stellen, wurden noch Weidbuchen gefunden: kleine Kuhbüsche, Jungbäume, beeindruckende, freistehende Exemplare und uralte Bäume.


Die heutige Form der Kuhhaltung und der Milchwirtschaft
würde die Entwicklung vom Kuhbusch zur Weidbuche nicht mehr zulassen. Am Wiedener Eck gibt es erste Versuche von Naturschützern und Biologen eine neue Generation von Weidbuchen wachsen zu lassen.



Die "katholischste" aller Weidbuchen ist die alte Buche beim "Balzer Herrgott" - eine eingewachsene steinerne Christusfigur bei Wildgutach im Schwarzwald.


Text und Fotos: Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer





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  • Link: Homepage des Naturpark Südschwarzwald mit Themenseite Weidbuchen
  • Link: Webgeo, interessante Informationen und Grafiken zum Thema Weidbuchen
  • Link: Weidbuchenwanderungen im Naturpark Südschwarzwald
  • Info: Bedrohte Artenvielfalt am Oberrhein

    Notwendiger Nachtrag:
    Die wenigen, erhalten gebliebenen, historischen Altstädte und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.

    Axel Mayer












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    Dieser Artikel wurde 416 mal gelesen und am 17.11.2013 zuletzt geändert.