Buchsbaumzünsler: Bekämpfen oder verzichten? Ablesen oder Gift?
28.05.2013
Buchsbaumzünsler: Bekämpfen ohne Calypso und Bienenvergiftung (Calypso enthält Thiacloprid, ein bienengefährliches Neonicotinoid)
Buchsbaum, Buchsbaumzünsler und Gift
Umweltgefahr durch bienengiftige Neonicotinoide, u.a. das Mittel Calypso
Auch im Jahr 2013 fallen immer mehr Buchsbäume
in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz dem Buchsbaumzünsler zum Opfer. Der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling aus der Familie der Crambidae, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt und er verbreitet sich auch in Deutschland immer schneller.
Eine Ursache der Plage: Geiz ist geil
Wir alle verdienen gerne 30 Euro in der Stunde und kaufen gleichzeitig liebend gerne Produkte, die in China unter Sklavenhalterbedingungen für einen Stundenlohn von 50 Cent produziert wurden. Der Buchsbaum wurde viele hundert Jahre in Deutschland und Europa gezüchtet und vermehrt. Aber der Import aus China war für Baumärkte und Gartencenter im Zeitalter der Globalisierung einfach billiger. Und mit dem "billigen" Import haben wir uns den neuen aggressiven Schädling eingefangen. Manchmal schlägt die Natur einfach zurück und zeigt, dass Geiz ziemlich teuer werden kann...
Die Buchsbaumzünzler-Bekämpfung in den Gärten
wird häufig mit sehr umwelt- und bienenschädlichen Giften durchgeführt. Zur Zeit gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Aus diesem Grund haben wir einige erste Informationen zu diesem wichtigen Garten-und Umweltthema zusammen getragen.
Buchsbaumzünsler! Was tun?
Keine Gifte, insbesondere keine bienengefährlichen Gifte wie Calypso im Hausgarten
Absammeln der Raupen (Ökologisch sehr "korrekt", allerdings nur bei kleinen Einzelbüschen wirklich machbar.)
Absaugen mit starkem Staubsauger, oder auswaschen mit starkem Wasserstrahl. (Diese Methode ist nicht unumstritten, da auch Nützlinge und andere Tiere betroffen sein können)
Abgelesene Raupen, und befallene Büsche nie auf den Kompost, sondern in einer festen Tüte in den Hausmüll. (Bei großen Pflanzen gibt es hier in den Gemeinden unterschiedliche Möglichkeiten der Entsorgung)
Nistkästen aufhängen. Noch kennen viele Vogelarten die "neu eingewanderte" Nahrungsquelle nicht. Es gibt aber erste Hinweise, dass manche Vögel die Raupen fressen. Nistkästen
Die kleinen Raupen können auch erfolgreich mit "biologischen Insektiziden" wie Bacillus thuringiensis oder Neem-Präparaten behandelt werden. (Genau die Gebrauchsanleitung beachten)
Der letzte Tipp fällt uns am schwersten.
Da eine einmalige Bekämpfung nicht ausreicht, stehen wir alle vor der Frage, ob wir wirklich jedes Jahr die oben aufgeführten mühsamen Maßnahmen mehrfach durchführen wollen und können. Diese Frage stellt sich auch für die Menschen, die noch auf Gift im Garten setzen. Vielleicht müssen wir auch auf den Buchsbaum, diesen Teil unserer Gartengeschichte und das Prunkstück nicht nur der Bauerngärten, verzichten und auf andere Pflanzen (Eiben...) oder langfristig auf resistente Sorten ausweichen. Globalisierte Warenströme und der menschengemachte Klimawandel werden uns in Zukunft immer wieder vor solche schwierigen Entscheidungen stellen. Beim Buchsbaum trifft uns dies nur härter als bei den vielen anderen Pflanzen- und Tierarten, die durch unser Zutun täglich weltweit still und unbemerkt verschwinden.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer Hier einige Informationen des BUND-Argarspezialisten Gottfried May-Stürmer:
„Provado Gartenspray“ und „Bayer Garten Spinnmilbenspray“ enthalten die Wirkstoffe Methiocarb - ein Carbamat - und Imidacloprid, ein Neonicotinoid. Carbamate sind auch für Warmblüter hochgiftig, Neonicotinoide vor allem für Bienen. Damit trifft der Buchsbaumliebhaber also auch Vögel und Bienen auf einen Schlag. Schon, dass dasselbe Mittel gegen Spinnmilben, also Spinnentiere und Schmetterlingsraupen wirkt, zeigt, wie breit, also wie wenig spezifisch die Wirkung ist.
„Schädlingsfrei Careo“ enthält Acetamiprid. Der Wirkstoff gehört auch zu den Neonicotinoiden und ist daher als Bienenkiller verdächtig. Die sehr breite Wirkung - gegen Milben, Fliegen, Blattläuse, Käfer, Schmetterlinge - spricht für sich. Calypso enthält Thiacloprid, auch ein Neonicotinoid.
Weniger problematisch ist der Hinweis auf Neem- und Bacillus-thuringiensis-Präparate. Dipel ist ein Bacillus-thuringiensis-Präparat. Es wird gegen unterschiedliche Schmetterlingsraupen eingesetzt. Im Gegensatz zu den chemischen Mitteln dürfte es wenigstens einigermaßen gruppenspezifisch wirken. Außerdem wird das Bt-Toxin unter Sonnenlichteinwirkung relativ schnell abgebaut. Allerdings steht unter den Auflagen (die laut LRA "strikt zu beachten" sind): „Es ist eine dicht schließende Schutzbrille, ein Schutzanzug und eine Gummischürze zu tragen.“ Welcher Hobbygärtner und Buchsbaumliebhaber macht das schon?
Auch Neem-Präparate und Spruzit sind weniger gefährlich als die chemischen Mittel, können jedoch Kollateralschäden unter Insekten zur Folge haben.
Wir tragen hier erste Informationen und Tipps zusammen. Wenn Sie selber Erfahrungen mit der giftfreien Bekämpfung des Buchsbaumzünslers gemacht haben und nützliche, praktikable Tipps haben, dann informiereren Sie uns. bund.freiburg(at)bund.net
Einige Links zum Thema Buchsbaumzünsler & Buchsbaum:
Einen klug-frechen Beitrag zum Thema Buchsbaumzünsler, Buchsbaum und Gift finden Sie in der schweizer WOZ
Buchsbaumzünsler: Mehr Gift im Garten auf Empfehlung des Landratsamtes?
Frau
Landrätin Dorothea Störr-Ritter
Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald
Stadtstraße 2
79104 Freiburg
13.6.2012
Buchsbaumzünsler: Mehr Gift im Garten auf Empfehlung des Landratsamtes?
Sehr geehrte Frau Landrätin,
am 16. Juni 2012 ist der 14. GEO-Tag der Artenvielfalt, der auf die bedrohte Vielfalt der Arten aufmerksam machen soll. Die globale und regionale Biodiversität ist vielfältig gefährdet. Eine der Ursachen dieser Bedrohung ist auch der massive Gifteinsatz (nicht nur) in der Landwirtschaft.
Gerade in Hausgärten sollte auf den Einsatz von Giften verzichtet werden. In den letzten Jahren haben neben dem BUND erfreulicherweise auch Behörden für den „giftfreien Garten“ geworben.
Um so erschrockener war unser BUND-Vorstandsmitglied Ulrike Treidel aus Au, als sie das „Buchsbaumzünsler-Info“ im Hexentäler Amtsblatt vom 1.6.2012 las. Was der Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes dort schrieb, insbesondere die Empfehlung von bienengefährlichen Neonicotinoiden ist ein Rückfall in die umweltpolitische Steinzeit. (Text im Anhang.) Wir fragen: Arbeitet der Fachbereich für´s Landratsamt oder für Bayer?
Hier einige Informationen des BUND-Argarspezialisten Gottfried May-Stürmer zu den empfohlenen „Mitteln“:
„Provado Gartenspray“ und „Bayer Garten Spinnmilbenspray“ enthalten die Wirkstoffe Methiocarb - ein Carbamat - und Imidacloprid, ein Neonicotinoid. Carbamate sind auch für Warmblüter hochgiftig, Neonicotinoide vor allem für Bienen. Damit trifft der Buchsbaumliebhaber also auch Vögel und Bienen auf einen Schlag. Schon, dass dasselbe Mittel gegen Spinnmilben, also Spinnentiere und Schmetterlingsraupen wirkt, zeigt, wie breit, also wie wenig spezifisch die Wirkung ist.
„Schädlingsfrei Careo“ enthält Acetamiprid. Der Wirkstoff gehört auch zu den Neonicotinoiden und ist daher als Bienenkiller verdächtig. Die sehr breite Wirkung - gegen Milben, Fliegen, Blattläuse, Käfer, Schmetterlinge - spricht für sich. Calypso enthält Thiacloprid, auch ein Neonicotinoid.
Weniger problematisch ist der Hinweis auf Neem- und Bacillus-thuringiensis-Präparate. Dipel ist ein Bacillus-thuringiensis-Präparat. Es wird gegen unterschiedliche Schmetterlingsraupen eingesetzt. Im Gegensatz zu den chemischen Mitteln dürfte es wenigstens einigermaßen gruppenspezifisch wirken. Außerdem wird das Bt-Toxin unter Sonnenlichteinwirkung relativ schnell abgebaut. Allerdings steht unter den Auflagen (die laut LRA "strikt zu beachten" sind): „Es ist eine dicht schließende Schutzbrille, ein Schutzanzug und eine Gummischürze zu tragen.“ Welcher Hobbygärtner und Buchsbaumliebhaber macht das schon?
Auch Neem-Präparate und Spruzit sind weniger gefährlich als die chemischen Mittel, können jedoch Kollateralschäden unter Insekten zur Folge haben.
Nach BUND-Ansicht ist die Empfehlung von Neonicotinoiden zum Einsatz durch Gartenbesitzer sehr problematisch. Das Bienensterben im Jahr 2008 wurde durch Neonicotinoiden ausgelöst.
Was nach unserer Meinung im Landratsamt-Info leider absolut fehlt, sind Hinweise auf giftfreie Bekämpfungsmethoden des Buchsbaumzünslers. Gerade Hinweise einer Behörde für Gartenbesitzer sollten immer in Richtung „giftfreier Garten“ gehen, auch wenn Bayer und Co. dann weniger verdienen. Giftfreie Gärten sind ein kleiner Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, nicht nur am GEO-Tag der Artenvielfalt.
Aus diesem Grund tragen wir jetzt auf unserer Homepage erste Tipps zur giftfreien Bekämpfung zusammen.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer, Geschäftsführer
Das vom BUND kritisierte „Buchsbaumzünsler-Info“ im Hexentäler Amtsblatt vom 1.6.2012 Buchsbaumzünsler wieder aktiv
Schmetterlingsraupen bedrohen erneut Buchspflanzen. Seit Ende März findet man an vielen Buchspflanzen die noch kleinen Raupen des Buchsbaumzünslers (Glyphodes perspectalis), welche versteckt überwintert haben. Dieser aus Asien eingeschleppte Falter ist mittlerweile in der ganzen Rheinebene zwischen Weil und Offenburg zu finden und bedroht den Bestand der Buchspflanzen. Der Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes möchte daher allen Betroffenen Hinweise zum richtigen Umgang mit befallenen Pflanzen geben:
Die Pflanzen sollten sobald wie möglich behandelt werden. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist dabei eine gute Benetzung der Pflanzen auch im Inneren. Deshalb sollten dichte Büsche mit Stäben o. ä. auseinander gedrückt werden. Sinnvoll ist es, wenn mehrere benachbarte Gartenbesitzer eine gemeinsame Bekämpfung organisieren. So wird verhindert,
dass sich an unbehandelten Pflanzen Falter entwickeln und es so durch Zuflug aus der Nachbarschaft zu erneutem Befall kommt. Auch Dienstleistungsunternehmen (z. B. Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus) können mit der Durchführung der Spritzungen beauftragt werden.
Zugelassen im Hausgarten sind etwa „Provado Gartenspray“, „Bayer Garten Spinnmilbenspray Plus“, „Schädlingsfrei Careo Spray“ oder „Bayer Garten Schädlingsfrei Calypso“.
Bei der Bekämpfung von Buchsblattfloh und anderen saugenden Insekten mit den pflanzlichen Neem- oder Pyrethrine-Präparaten („Spruzit Gartenspray“ u. a.) wird der Buchsbaumzünsler mit erfasst.
Neu zugelassen für den Hausgarten ist das Präparat Dipel ES. Es enthält ein Bakterium, welches nur Schmetterlingsraupen infiziert, und ist für alle anderen Lebewesen unbedenklich. Da eine Wirkung nur einsetzt, wenn die Raupen das Bakterium fressen, müssen diese aktiv sein. Zur Spritzung sollte es also mindestens für einige Stunden am Tag eine Temperatur von über 18
Grad haben. Die kleinste erhältliche Packungsgröße ist ein Kilogramm. Deshalb
eignet sich dieses Mittel nur für einen großflächigen Einsatz. Auf einen sachgerechten Einsatz der Mittel muss geachtet werden. Die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Hinweise, welche der Gebrauchsanweisung zu entnehmen sind, sind strikt zu beachten.
Nähere Angaben zum Schadbild, Biologie und Maßnahmen gegen den Buchsbaumzünsler sind in einem Merkblatt des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg zusammengefasst (www.ltz-augustenberg.de im Bereich "Pflanzengesundheit / Pflanzenschutz" und anschließend in der Rubrik "Haus- und Kleingarten").
Infos zum Gifteinsatz
Neo heisst neu und Nicotin verheisst "Genuss" – zumindest für Raucher.
Das etwas sperrige Wort „Neonicotinoid“ bezeichnet eine Stoffgruppe, die tatsächlich relativ neu ist, aber keineswegs einen Genuss verheißt. Das Verheißungsvolle dieser Gruppe an Pestiziden, die vor allem gegen Insekten eingesetzt werden, war ihre geringe Giftigkeit gegenüber Wirbeltieren. Außerdem wurde angenommen, sie seien als Saatgutbeizmittel durch die Art der Anwendung unschädlich für Bienen.
Schon in den vergangenen Jahren gab es nach dem Einsatz solcher Stoffe in der Landwirtschaft rätselhaftes Bienensterben. Man fand heraus, dass Saatgutbeizen die Auslöser waren. Weil es noch nicht bekannt war, dass Bienen -die ja gemeinhin zu Blüten hinfliegen- durch die Stoffe, die auf ein Maiskorn aufgetragen wurden, kontaminiert werden können, wollte man die Ursache zunächst nicht glauben. Dann kam heraus, dass Neonicotinoide schon in homöopathischen Dosen langfristig Bienen töten. Der Stoff Imidicloprid in der Saatgutbeize wird in der Umwelt verdriftet und schädigt das Immunsystem der Bienen so gravierend, dass sie massenhaft sterben. Außerdem nehmen Bienen den Wirkstoff aus Wassertropfen auf, die von den aus gebeizten Körnern keimenden Maispflänzchen ausgeschieden werden („Guttationswasser“).
Nun ist im Zuge der Ausbreitung des Buchsbaumzünslers ein neuer Umweltschaden zu befürchten. Denn BAYER hat es geschafft, ein anderes Neonicotinoid als einfache, schnelle Lösung salonfähig zu machen. Und diesmal ist es nicht für unsere Maisäcker bestimmt, sondern für unsere Gärten. Es heißt Thiacloprid und war bisher unter dem Handelsnamen Biscaya im Ackerbau, unter dem Handelsnamen Calypso im Obst- und Gemüsebau gegen Insekten unterschiedlichster Ordnungen zugelassen.
Bienenungiftig – von wegen!
Unter dem Markennamen „Calypso“ wird jetzt vielerorts im guten Glauben an die Unschädlichkeit eine Behandlung befallener Buchsbäume angeraten.
Seine Bienengiftigkeit wird mit „Bienenungiftig (B4)“ angegeben. Wenn man weiß, wie die Tests dafür laufen, wird man schnell stutzig: Wenn von 100 Tieren, die dem Stoff ausgesetzt werden, nach 24 bzw. 48 Stunden noch 51 leben, gilt das Mittel als ungefährlich. Moment mal: Wenn fast die Hälfte stirbt, ist etwas noch immer ungefährlich? „Da kann doch etwas nicht stimmen!“ - denkt der Nicht-Chemiker. Und er hat Recht. Und stellt eine weitere Frage: „Wie kann es dazu kommen?“ Die Pflanzenschutzindustrie passt die Kriterien an ihre Bedürfnisse an, bzw. behält veraltete Textmethoden bei, wenn sie ihr in den Kram passen.
Es macht der Biene nichts stimmt also nicht. Kontaminierte Pollen können durchaus etliche Tiere töten. Kleine Populationen gefährdeter Wildbienen könnten durchaus zu Aussterbefällen werden. Südbaden hat eine hohe Verantwortung für Deutschlands Wildbienenarten. Deshalb dürfte allein schon aus Artenschutzgründen der Einsatz oftmals kritisch sein. Auch Honigbienen nutzen unsere Gärten und produzieren oft sehr gute Honige.
Artenvielfalt durch Einsatz in Gärten stärker gefährdet als auf dem Acker
Gärten beherbergen auch aufgrund der chemisierten Landwirtschaft im Umfeld der Ortschaften einen wichtigen Teil unserer Artenvielfalt. Gerade Bauerngärten stellen oft regelrechte Refugien dar, in denen überlebt, was sonst kaum noch eine Chance hat. Gerade dort finden sich häufig die beliebten Buchsbäume.
Weitergedacht: Umgang mit Neubürgern (Neozoen) in der Zukunft - Anpassungsstrategien unseres Handelns an den Klimawandel
Das Einwandern von Neubürgern vor allem unter den Insekten ist eine mehrfache Globalisierungsfolge. Zum einen durch die neuen Bedingungen, sprich anderes Klima, zum anderen durch die Zunahme von Warentransporten, die als Vektoren der Einwanderung gelten. Wir werden in den nächsten Jahren vermehrt neue Arten bekommen, für die hier noch keine natürlichen Gegenspieler existieren. Wie sollen wir damit umgehen?
Wir können uns das Recht nehmen, unsere Lieblingspflanzen ein paar Jahre lang über die Klimaerwärmungsfolgen hinweg zu retten, z.B durch chemisch-synthetische Mittel. Wir werden uns dabei immer wieder Kollateralschäden einhandeln. Einmal direkt bei uns und unserer Gesundheit, denn ein Stoff, der zunächst als ungefährlich gilt, kann in seinen Metaboliten (Zwischenstufen des Abbaus) dann doch für den menschlichen Organismus ein Problem darstellen - und Metabolite werden überhaupt nicht untersucht. Und dann auch indirekt über den Mechanismus der Verringerung der natürlichen heimischen Artenvielfalt, was nicht bedeutet, dass dies alles auf jeden Fall passieren wird, aber wir machen eben einen Freilandversuch.
Jedesmal, wenn eine Wirkstoffklasse als umweltschädlich erkannt und nach jahrelangen Diskussionen verboten wurde, hat die Chemieindustrie eine neue, angeblich völlig umweltfreundliche Wirkstoffgruppe angepriesen und auf den Markt gebracht – und jedes Mal haben sich nach einiger Zeit katastrophale Wirkungen herausgestellt. Auf DDT und Lindan folgten Phosphorsäureester wie E 605, dann kamen die „der Natur nachgebauten“ synthetischen Pyrethroide, die sich im Nervengewebe anreichern, und jetzt sind die Neonicotinoide dran, die die Bienen auszurotten drohen. Wir können weiter jedes neue Gift anwenden, das die Chemieindustrie anpreist, aber wenn das unsere Hauptstrategie ist, dann haben wir auf Dauer eine Welt mit einem immer schwächeren Netz an gut austarierten Wechselbeziehungen in der Natur. Denn dieses Netz an Wechselbeziehungen lebt von seinen Knoten, sprich heimischen Tier- und Pflanzenarten.
Niemand wird den Buchsbaumzünsler und andere Neubürger wieder ganz zurückdrängen oder gar ausrotten, wenn sie einmal Fuß gefasst haben - auch nicht mit Hubschrauber-Kopf-durch-die-Wand Totaleinnebelungen. Der einzige Weg ist besonnene, weit-voraus-gedachte Anpassung unsererseits. Der Maiswurzelbohrer lässt sich nicht durch Gifte ausrotten, aber durch Fruchtfolgen weit unter wirtschaftlichen Schadschwellen halten. Die Kastanienminiermotte lässt sich vermutlich durch Förderung von Meisen besser eindämmen als durch irgendwelche Gifte. Wenn wir mit diesen Folgen der Globalisierung weise und überlegt umgehen wollen, dann sind wir gut beraten, denjenigen Industriezweigen zunächst zu misstrauen, die in der Vergangenheit viel Leid (v.a bei Menschen) und Biodiversitätsverluste (die hinten herum uns Menschen treffen) verursacht haben.
Buchsbaumzünsler & Gift: Demo in Freiburg gegen Bienenvergiftung
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