Diese Seite ausdrucken

274 Millionen Euro teurer Austausch der Dampferzeuger im AKW Fessenheim

21.02.2002
Die Alterungsprobleme im französischen AKW Fessenheim bekommen eine neue bedrohliche Dimension. Nach dem teuren Austausch der rissigen Reaktordeckel und der Tatsache, dass die mangelnde Erdbebensicherheit trotz "intensiver" Prüfungen erst nach über zwei Jahrzehnten Betrieb festgestellt wurde, müssen in Block 1 in diesem Jahr nun die Dampferzeuger ausgetauscht werden.

Die Dampferzeuger sind die empfindliche Schnittstelle zwischen dem hochradioaktiven Primär- und dem Sekundärkreislauf. Undichte Dampferzeugerröhren führen zu einer erhöhten radioaktiven Belastung des Sekundärkreislaufs und müssen darum verschlossen werden. In Block 1 sind jetzt beinahe 12% der Röhren versiegelt - darum müssen die stark radioaktiven Dampferzeuger zersägt, mühsam aus dem Reaktorgebäude gebracht und der Atommüll in einer jetzt geplanten Halle auf dem AKW Gelände "zwischengelagert" werden. Welche radioaktiven Belastungen durch diese Reparatur auf die Bevölkerung zukommen werden, ist offen. Ein enormes Strahlenrisiko bergen diese Arbeiten insbesondere für die Leiharbeiter, die diese ausführen müssen.

Wer eine solch teure Reparatur durchführt, will das altersschwache AKW auch noch möglichst lange betreiben, damit sich dies auch lohnt. Das versprödete und immer gefährlicher werdende Reaktordruckgefäß aber kann nicht ausgetauscht werden.

Risse im Reaktordruckgefäß, ausgetauschte Reaktordeckel, verrottete Dampferzeuger ... - all dies sind Symptome, die gegen einen Weiterbetrieb des AKW sprechen. Das AKW wird zu einer immer bedrohlicheren Gefahr für die Region.

Das Beispiel Fessenheim zeigt auch stellvertretend für deutsche AKW die zunehmende Gefahr älter werdender Atomkraftwerke.

Der Atomausstieg in Deutschland und Frankreich muss schneller kommen und der von Herrn Stoiber geforderte Ausstieg aus dem Ausstieg ist unverantwortlich.

Um bei Fessenheim im (überspitzten) Patientenbild zu bleiben das nur für AKWs gilt: Der altersschwache Patient leidet u.a. an massiver Arterienverkalkung und ist nur durch eine unglaublich teure Organverpflanzung zu retten.

Angesichts der anderen Krankheitssymptome und der Gefahr, die von diesem Patienten ausgeht, empfiehlt BUND Geschäftsführer Axel Mayer ausnahmsweise, sich von der teuren Apparatemedizin abzuwenden, auf die Organtransplantation zu verzichten und ein baldiges, friedliches Ende herbeizuführen. Die Beerdingung wird für die einzigen trauernden Angehörigen EDF und ENBW und damit für alle Stromkunden teuer genug.

In der Anlage senden wir Ihnen einige Hintergrundinformationen; zusammengestellt von der französischen Umweltorganisation CSFR.

Weitere Fessenheim Infos für Sie und Ihre LeserInnen unter

www.bund-freiburg.de

Fessenheim Hintergrundinfo - Austausch der Dampferzeuger

  • 2 Reaktoren von je 890 MW.(elektrisch)
  • 3 Dampferzeuger pro Reaktor (Sekundärkreislauf)
  • 3888 U-förmige Röhren pro Dampferzeuger. Austausch der Wärme zwischen Primär- und Sekundärkreislauf.
  • Bei Rissen im Metall der Röhre tritt Radioaktivität aus dem Primärkreislauf in den Sekundärkreislauf. Darum wird die Röhre lahmgelegt und an beiden Enden zugestopft.
  • Bei 12% lahmgelegten Röhren muss der Dampferzeuger - aus wirtschaftlichen und Sicherheitsgründen - ersetzt werden. Dies war in Fessenheim nicht vorgesehen (wie auch nicht in Beznau CH und in Bugey.I, F).
  • Jeder Dampferzeuger wiegt 300 Tonnen.
  • Um die Dampferzeuger aus dem Reaktorgehäuse herauszubekommen, müssen sie in 2 Teile zerlegt werden.
  • Jeder Dampferzeuger hat eine Radioaktivität von 74 TBq ( TerraBecquerel )( 1 TBq= 1 000 000 000 000 Bq). Wegen dieser hohen Radioaktivität dürfen die zerlegten Dampferzeuger nicht transportiert werden. Dies macht auch das zerlegen problematisch.
  • Im südlichen Teil des AKW-Geländes soll ein Atommülllager von 29m x 25,35m und 8m Höhe errichtet werden. Dort sollen die 6 und später 12 Dampferzeugerteile untergebracht werden.
    Seitenwände: 0,80m dick.
    Vorder- und Hinterwände: 0,30m dick.
    Flaches Betondach: 0,30m dick.
    3 Entlüftungsstellen mit Betonhut.
  • Das Gebäude ist nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert. Solange ein AKW auf dem Gelände steht, kann das Gebäude da bleiben
  • Auswechseln der Dampferzeuger:
  • Block 1): während des Jahres 2002 (nahe bei 12% lahmgelegten Röhren)
    Block2): offiziell noch nicht festgelegt (Juli 2001: 5,8% lahmgelegte Röhren)
    Dampferzeuger 1: 7,2%
    Dampferzeuger 2: 3,4%
    Dampferzeuger 3: 6,6%
  • Das Auswechseln eines Dampferzeugers kostet:
    600 Millionen Francs = 91.469.406,00 Euro
    ...wenn alles gut geht!
  • 1 Reaktor: 274 .408 .218 ,00 Euro (3 Dampferzeuger)
  • 2 Reaktoren: 548 .816 .436 ,00 Euro (6 Dampferzeuger)
    ...und nocheinmal: wenn alles gut läuft!
  • Trotzdem bleiben es zwei alte Meiler.
  • Dazu kommt: pro Tag Betrieb bringen beide Reaktorblöcke in Fessenheim rund 2 Million Francs = 304 898,02 Euro ein.
  • Jeder Tag, an dem ein Reaktor lahmgelegt ist, bedeutet einen Verlust von: 1 000.000 Francs = 152 449,01 Euro
  • Man schätzt die Stillegung eines Reaktors - für den Aus- und Einbau der Dampferzeuger - auf 6 Monate (wenn alles gut läuft).
  • Mit all diesem Geld könnten innerhalb von 2-3 Jahren Energieeffizienz, Kraft-Wärme-Kopplung, Gasturbinen, eine nachhaltige Energieversorgung für das Elsass entwickelt werden!




Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/dampferzeuger-fessenheim.html">274 Millionen Euro teurer Austausch der Dampferzeuger im AKW Fessenheim</a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 920 mal gelesen und am 27.6.2007 zuletzt geändert.