Wind, Windenergie,Windräder: Debatte um Landschaft, Landschaftsschutz,
07.05.2003
Angesichts der aktuellen Debatte um Windenergie hat der BUND Regionalvorstand beschlossen die folgende Erklärung zu veröffentlichen:
Die Windenergie sorgt für Streit. Auch im Schwarzwald und Südbaden wird über Für und Wider der Windenergie, insbesondere aber über den Landschaftsschutz kontrovers diskutiert.
Es ist gut, dass endlich auch über Landschaft und Landschaftsschutz eine öffentliche Debatte stattfindet. Erstaunlich ist allerdings, dass es diese Debatte immer nur dann gibt, wenn es um umweltfreundliche Energieerzeugung durch Windkraft geht, und dass die großen anderen Probleme des Landschaftsschutzes viel zu wenig diskutiert werden.
Wo bleibt die Debatte über Landschaftsschutz, wenn neue Straßen gebaut, Flächen zubetoniert und neue Hochspannungsmasten in die Landschaft gesetzt werden?
Wo bleibt, abseits der Sonntagsreden der Politiker, das aktive Handeln von Politik und Behörden gegen die Landschaftszerstörung und den Flächenverbrauch?
Von den meisten der bisher öffentlich vorgetragenen Argumenten gegen die Nutzung der Windkraft sind bei ordnungsgemäßem Bau und Planung der Anlagen eigentlich nur zwei Aspekte übrig geblieben:
1)Die Windenergie widerspricht den Gewinninteressen der Atom- und Kohlelobby und deren politischer Lobby in den Parlamenten
2)Die Frage des Landschaftsschutzes
Gerade bei den Energieversorgungsunternehmen wie EnBW, RWE und Eon, kann man den Eindruck gewinnen, dass sie im Hintergrund an den Strippen des Widerstandes gegen die Windenergienutzung ziehen, auch wenn sie zwischenzeitlich selber einige Alibianlagen bauen. Nachdem jahrzehntelang in den Broschüren der Atomlobby gesagt wurde "Windenergie kann nicht funktionieren", wird diese Form der Energieerzeugung, die sehr gut funktioniert, jetzt massiv bekämpft. Jedes Windrad kleiner Betreiber ist eine Konkurrenz zu den nicht ausgelasteten Atom- und Kohlekraftwerken und behindert den langfristig geplanten Ausstieg aus dem Atomausstieg.
Es gibt aber erfreulicherweise auch Menschen, die ein echtes Interesse an unserer Landschaft haben.
Die Argumente dieser kleinen Gruppe, die sich nicht nur gegen Windräder, sondern auch gegen die vielen anderen Veränderungen in der Landschaft wehren, müssen ernst genommen werden. Aus diesem Grund sind wir auch nicht generell und überall für den Einsatz von Windrädern und setzen große Hoffnungen in Offshore Windparks vor den Küsten. Der BUND hat zu diesem Themenbereich auch wichtige Ausschlusskriterien und Stellungnahmen erarbeitet. Auch die farbliche Anpassung der Windräder an die Landschaft muss dringend weiter entwickelt werden. Hier haben die Planer und Erbauer eine Bringschuld.
Aber gerade in Südbaden können wir nicht egoistisch alle Probleme der Energieerzeugung nach Norddeutschland oder gar nach Frankreich abschieben.
In den Abwägungsprozess um den Landschaftsschutz müssen auch die großen "Alternativen" zur Windenergienutzung einbezogen werden, und das sind eben Kohle und Atom.
Bei der Windenergienutzung fällt kein Atommüll an, und bei einem Unfall im Windpark müssen keine riesigen Landstriche dauerhaft evakuiert werden. Nach wenigen Monaten Betrieb hat sich ein Windrad energetisch amortisiert. Windräder produzieren kein CO2 und sind ein wichtiger Ausweg aus der drohenden Klimakatastrophe. Bei der Windenergienutzung müssen keine Menschen in Uran- und Kohlegruben sterben und Kriege um Wind sind im Gegensatz zum Krieg um Öl ebenso nicht sehr wahrscheinlich. Bei der sinnvollen Diskussion um Ästhetik und Landschaftsschutz sollten diese wichtigen Umweltargumente mit einfließen.
Die Windenergie ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. Andere Alternativenergien und Energiesparen (wohin mit 60 MW Abwärme bei der MVA Bremgarten?) sind ebenso wichtig.
Wenn es zur zunehmenden Landschaftszerstörung durch Bebauung und zur zunehmenden Verscheußlichung Deutschlands eine angemessene Debatte gäbe, dann wären auch die Konflikte um Windenergieanlagen nachvollziehbar. Der flächendeckende Widerstand gegen den Naturschutz zeigt, woher der Wind tatsächlich weht.
So bleibt der Eindruck, dass es auch um symbolische Politik geht, dass hier am Thema Windkraft ein Exempel statuiert werden soll, um von den massiven Landschaftszerstörungen an anderer Stelle dieses Landes und von den ökonomischen Verhinderungsinteressen der Atom- und Kohlelobby abzulenken.
Axel Mayer Geschäftsführer BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Ein Argument für Windenergie
Langzeitmessungen von atmosphärischem Kohlendioxid, Messtelle Schauinsland Quelle: Umweltbundesamt, Messstation Schauinsland
Dieser Artikel wurde 570 mal gelesen und am 6.9.2007 zuletzt geändert.
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