Eine kurze Zusammenfassung

Strommasten verschönern nicht die Landschaft - in der Debatte um Windenergie bleiben sie unerwähnt
Die Windenergie sorgt für Streit.
Vom Schwarzwald bis an die Nordsee wird über Für und Wider der Windenergie, insbesondere aber über den Landschaftsschutz kontrovers diskutiert.
Es ist gut, dass endlich auch über Landschaft und Landschaftsschutz eine öffentliche Debatte stattfindet. Erstaunlich ist allerdings, dass es diese Debatte immer nur dann gibt, wenn es um umweltfreundliche Energieerzeugung durch Windkraft geht, und dass die großen anderen Probleme des Landschaftsschutzes viel zu wenig diskutiert werden.
Wo bleibt die Debatte über Landschaftsschutz, wenn neue Straßen gebaut, Flächen zubetoniert und neue Hochspannungsmasten in die Landschaft gesetzt werden?
Wo bleibt,
abseits der Sonntagsreden der Politiker, das aktive Handeln von Politik und Behörden gegen die Landschaftszerstörung und den Flächenverbrauch?
Von den meisten
der bisher öffentlich vorgetragenen Scheinargumenten gegen die Nutzung der Windkraft sind bei ordnungsgemäßem Bau und Planung der Anlagen eigentlich nur zwei Aspekte übrig geblieben:
1)Die Windenergie widerspricht den Gewinninteressen der Atom- und Kohlelobby und deren politischer Lobby in den Parlamenten
2)Die Frage des Landschaftsschutzes
Gerade bei den Energieversorgungsunternehmen wie EnBW, RWE, Vattenfall und Eon,
kann man den Eindruck gewinnen, dass sie im Hintergrund an den Strippen des Widerstandes gegen die Windenergienutzung ziehen, auch wenn sie zwischenzeitlich selber einige Alibianlagen bauen. Nachdem jahrzehntelang in den Propagandabroschüren der Atomlobby gesagt wurde "Windenergie kann nicht funktionieren", wird diese Form der Energieerzeugung, die sehr gut funktioniert, jetzt massiv bekämpft.
Jedes privat gebaute Windrad kleiner Betreiber ist eine Konkurrenz zu den nicht ausgelasteten Atom- und Kohlekraftwerken und behindert den langfristig geplanten Ausstieg aus dem Atomausstieg.
Eine neuer Typ von Atomkraftwerk,
der sogenannte Euroreaktor EPR, finanziert von der EnBW mit unseren Stromgeldern und realisiert von Siemens und der französischen Areva, soll in Frankreich (Fessenheim?) und nach einem Regierungswechsel auch in Deutschland gebaut werden. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für Erneuerbare Energien halbiert haben. Windenergie wird zur ernsthaften und bedrohlichen Konkurrenz für Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke und darum aus ökonomischen Interessen mit allen Mitteln bekämpft. Diese Haltung der Atomkonzerne ändert sich langsam. Massiv bekämpft werden aber immer noch die Anlagen privater Betreiber.
Eine gezielte Spaltung der Umweltbewegung
in Sachen Windkraft kann durchaus eine der geschickten Durchsetzungsstrategien für den neuen Europäischen Druckwasserreaktor EPR sein. Menschen die sich für eine nachhaltige Energieversorgung einsetzen sollten genau überlegen von wem sie ihren Strom beziehen. Von den Atomkonzernen und deren sogenannten Umwelttöchtern, oder von tatsächlich umweltfreundlichen Energieversorgungsunternehmen wie der EWS Schönau.
Es gibt aber erfreulicherweise auch Menschen, die ein echtes Interesse an unserer Landschaft haben.
Die Argumente dieser kleinen Gruppe, die sich nicht nur gegen Windräder, sondern auch gegen die vielen anderen Scheußlichkeiten in der Landschaft wehren, müssen ernst genommen werden. Der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach weiter, freier, technisch nicht überformter Landschaft und der Nutzung des Windes lässt sich im Binnenland nicht konfliktfrei lösen. Ein Meinungsstreit zu diesem Thema ist legitim. Aus diesem Grund sind wir auch nicht generell und überall für den Einsatz von Windrädern und setzen große Hoffnungen in Offshore Windparks vor den Küsten.
Der BUND hat zu diesem Themenbereich
auch wichtige Ausschlusskriterien und Stellungnahmen erarbeitet. Auch die farbliche Anpassung der Windräder an die Landschaft muss dringend weiter entwickelt werden. Warum werden hier nicht endlich einmal Fachleute zu Rate gezogen. Bei jeder Armee der Welt gibt es Spezialisten, deren Aufgabe es ist Gebäude "in der Landschaft zu verstecken und zu tarnen". Man kann Windrädern keine Tarnkappe aufsetzen. Es müsste aber möglich sein sie so zu bauen, dass sie bei den meisten Wetterlagen aus einiger Entfernung nicht mehr auffallen. Hier haben die Planer und Erbauer eine Bringschuld und auch eine gestalterische "Nachrüstung" mancher Windräder wäre notwendig.
Gerade in Südbaden,
mit unserem Blick auf das AKW Fessenheim und die Gefahren neuer EDF / EnBW Atomreaktoren, können wir nicht egoistisch alle Probleme der Energieerzeugung nach Norddeutschland oder gar nach Frankreich abschieben. In Baden-Württemberg wird die Energiepolitik des Landes in der Konzernzentrale der EnBW gemacht. Aus diesem Grund gibt es eine flächenhafte Verhinderungsplanung. An schlechten, windarmen Standorten "dürfen" Windräder gebaut werden.
In den Abwägungsprozess um den Landschaftsschutz
müssen auch die großen "Alternativen" zur Windenergienutzung einbezogen werden, und das sind eben Kohle und Atom. Bei der Windenergienutzung fällt kein Atommüll an, und bei einem Unfall im Windpark müssen keine riesigen Landstriche dauerhaft evakuiert werden. Nach wenigen Monaten Betrieb hat sich ein Windrad energetisch amortisiert. Windräder produzieren kein CO2 und sind ein wichtiger Ausweg aus der drohenden Klimakatastrophe. Bei der Windenergienutzung müssen keine Menschen in Uran- und Kohlegruben sterben und Kriege um Wind sind im Gegensatz zum Krieg um Öl ebenso nicht sehr wahrscheinlich.
Windräder lassen sich demontieren.
Sie müssen im Gegensatz zum Atommüll nicht über eine Million Jahre endgelagert werden. Der neue Euroreaktor EPR soll ein Exportschlager werden. Wer Atomkraftwerke hat, kann in Kürze aber auch Atombomben bauen. Da ist es doch besser Windräder und Blockheizkraftwerke zu exportieren und den Weltfrieden nicht zu gefährden wie dies die EnBW und Siemens mit ihrem neuen Atom- Exportprojekt tun. Die Windenergie ist ein Teilstück einer umweltfreundlichen Energieversorgung. Bei der Diskussion um Ästhetik und Landschaftsschutz sollten diese wichtigen Argumente mit einfließen.
Windräder
sind wichtige Bausteine für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung. Nicht mehr und nicht weniger. Andere Alternativenergien und Energie sparen (wohin mit 60 MW Abwärme bei der MVA Bremgarten?) sind ebenso wichtig. Es ist unredlich Windenergie gegen Sonne, Holz, Biomasse und Geothermie auszuspielen. Wir brauchen das gesamte breite Spektrum an Alternativenergie für eine nachhaltige Zukunft.
Den zerstörerischen Traum
von dauerhaftem, unbegrenzten Wachstum im begrenzten System Erde können allerdings auch die Alternativenergien nicht erfüllen. Wer das amerikanische Wachstumsmodell mit Energie- und Rohstoffverschwendung auf den Rest der Welt übertragen will, der fährt diesen Planeten mit und ohne Windenergie gegen die Wand. Mit Windenergie geht das dann nur ein wenig langsamer.
Wenn es
zur zunehmenden Landschaftszerstörung durch Bebauung und zur zunehmenden Verscheußlichung Deutschlands eine angemessene Debatte gäbe, dann wären auch die Konflikte um Windenergieanlagen zumindest nachvollziehbar. Der flächendeckende Widerstand gegen den Naturschutz und gegen die Windenergie zeigt, woher der Wind tatsächlich weht.
So bleibt der Eindruck,
dass es um symbolische Politik geht, dass hier am Thema Windkraft ein Exempel statuiert werden soll, um von den massiven Landschaftszerstörungen an anderer Stelle dieses Landes und von den ökonomischen Verhinderungsinteressen der Atom- und Kohlelobby abzulenken.
Axel Mayer
Ein "kleines", regionales Argument für die Windenergie

Und noch ein "kleines" Argument für die Windenergie

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