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Druckwasserreaktor - Atomreaktor - Kernreaktor: Funktion und Gefahren


Wie funktioniert ein Druckwasserreaktor?
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Viele Atomkraftwerke
werden mit Druckwasserreaktoren betrieben. In diesem sehr häufig gebauten Reaktortyp wird durch Kernspaltung in den Brennelementen Wasser im Reaktor bei einem Druck von ca. 150 bar auf eine Temperatur von ca. 320 Grad Celsius erwärmt. Steuerstäbe dienen zur Regelung und zur Abschaltung eines Atomreaktors. Wenn sich ein Steuerstab im Reaktorkern befindet, absorbiert er einen Teil der durch die Kernspaltung freigesetzten Neutronen, so dass diese nicht für weitere Kernspaltungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise wird das unkontrollierte Anwachsen der Kettenreaktion im Reaktor verhindert. Das auf 320 Grad erhitzte Wasser gibt die Wärme in Wärmetauschern (die gleichzeitig Dampf erzeugen) an den Sekundärkreislauf ab. Der im Sekundärkreislauf entstehende Dampf treibt die Turbine an.

In jedem AKW,
also auch in jedem Druckwasserreaktor, wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in einem Atomkraftwerk mit 1200 MW Leistung im Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 1200 Hiroshima-Bomben entsteht. Ein Teil dieser radioaktiven Stoffe zerfällt sehr schnell, andere (Plutonium) sind bei Halbwertszeiten von über 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Alternde, laufzeitverlängerte AKW mit versprödeten Reaktordruckgefäßen vergrößern die Unfallgefahr.

Technisch sicher ist dieser Reaktortyp nicht,
wie u.a. die Kernschmelze 1979, im fast neuen Druckwasserreaktor in Harrisburg USA, zeigte. Bei einem Unfall oder Terroranschlag wird das AKW mit Hilfe der Steuerstäbe zwar abgeschaltet, dennoch wird durch den radioaktiven Zerfall der Spaltprodukte weiterhin noch mehrere Tage Wärme produziert.

Um die Nachzerfallswärme
auch in Katastrophenfällen sicher abführen zu können, besitzen alle Atomkraftwerke Notkühlsysteme. Wenn diese, redundant angelegten Systeme versagen,(Harrisburg...) kann es durch die steigenden Temperaturen zu einer Kernschmelze kommen.

Wenn mehrere Kernbrennstäbe miteinander verschmelzen,
verstärkt sich die Kettenreaktion und es kommt zu einer enormen unkontrollierten Aufheizung. Hält das Reaktorgebäude nicht stand oder tritt eine größere Menge radioaktiver Stoffe aus, wird vom Super-Gau gesprochen.



Druckwasserreaktor - Nicht sicher gegen Terroranschläge und Flugzeugabsturz


Das Ökoinstitut Darmstadt hat die räumlichen Folgen einer solchen Katastrophe am Beispiel des Druckwasserreaktors im französischen AKW Fessenheim berechnet (Hintergrund der Studie war ein angenommener schwerer Atomunfall im französischen EDF-/EnBW-Atomkraftwerk Fessenheim):




Bei lebhaftem Südwestwind mit Regen würde sich eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen.

Klaus Traube, der Atomexperte und ehemalige Direktor des Fachgebiets Kernreaktoren der AEG bei General Dynamics in San Diego und zuletzt als geschäftsführender Direktor der Kraftwerk-Union-Tochterfirma Interatom schreibt:
Die Analyse zahlreicher schwerwiegender Reaktorstörfälle zeigt, dass sie in der Regel so, wie in Harrisburg, übrigens auch in Tschernobyl, durch das unerwartete Zusammentreffen von technischen Störungen und Bedienungsfehlern ausgelöst werden, die einzeln betrachtet als trivial erscheinen. Dieses Muster ergibt sich auch aus den aufwändigen Risikostudien, die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten katastrophalen Versagens von Kernreaktoren analysieren. Sie bestätigen: Jeder betriebene Reaktor ermöglicht jederzeit Unfälle, die zu Kernschmelzen mit nachfolgendem katastrophalem Freisetzen von Radioaktivität führen. Nicht diese Sentenz, sondern lediglich die Eintrittswahrscheinlichkeit ist in der Fachwelt strittig. Es ist auch nicht strittig, dass Terrorakte – darunter auch, aber nicht nur, der gezielte Absturz eines Großflugzeugs – eine Reaktorkatastrophe auslösen können. Streiten kann man hier wieder nur über die Wahrscheinlichkeit.


Radioaktivität im so genannten Normalbetrieb
Der Krebskamin und das radioaktive Abwasser
In der Propaganda der Atomkonzerne werden Atomkraftwerke häufig als "abgasfrei" bezeichnet. Doch Atomkraftwerke geben auch im so genannten Normalbetrieb über den Kamin, das Maschinenhaus und das Abwasser radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann Krebs auslösen. In der Umgebung vieler Atomanlagen wurden erhöhte Krebsraten festgestellt. Die Grenzwerte für erlaubte Radioaktivitätsabgabe des Atomkraftwerks Fessenheim zum Beispiel liegen bei 925 Milliarden Becquerel/Jahr für radioaktives Material und 74.000 Milliarden Becquerel/Jahr für Tritium (laut einer dpa-Meldung). Die erlaubte "Entsorgung durch Verdünnung", die schleichende Verseuchung über den Kamin und das Abwasser, ist ein Skandal. Dort wo die Atomlobby Wikipedia beeinflusst, heißt der Schornstein der AKW sehr häufig verharmlosend "Abluftkamin".

Krebs und AKW
Aus einer Studie, die das Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Akw-Standorten.

Es ist unerklärlich warum viele Spitzenpolitiker von CDU, CSU und FDP dieses Krebsrisiko nicht sehen wollen.
Es ist ebenso unerklärlich warum immer noch Menschen ihren Gefahrstrom bei e.on, RWE, Vattenfall und EnBW beziehen.


Die Studie zeigt aber, dass auch im weiteren Radius um AKW die Kinderkrebshäufigkeit zunimmt. Der prozentuale Anteil sinkt zwar, dafür nimmt aber die Anzahl der kranken Kinder zu, denn dort wohnen und leben mehr Kinder als in direkter Nähe des AKW.

Der Epidemiologe und Mitglied des Expertengremiums des Bundesamtes für Strahelnschutz Eberhard Greiser sagte dazu in einerm Interview der TAZ vom 18.12.07:
„Im 5-Kilometer-Kreis ist das Risiko um 60 bis 75 Prozent höher, in 5 bis 10 Kilometeren Entfernung um 20 bis 40 Prozent erhöht, weiter entfernt sinkt das Risiko bis auf sehr kleine Werte. Wenn Sie die Zahl der Bewohner nehmen, gibt es in der 50-Kilometer-Zone allerdings deutlich mehr betroffene Kinder“
„Von allen Krebserkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren, die im 50-Kilometer-Umkreis von Kernkraftwerken leben, sind 8 bis 18 Prozent auf das Wohnen in der Nähe des Atomkraftwerkes zurückzuführen.“
Info: Krebs, Kinderkrebs und AKW

Wikipedia & AKW & Atomlobby
Heftig und leider "erfolgreich" sind die gut organisierten Einflussversuche der Atomlobby auf viele deutsche und schweizer Wiki - Seiten. Häufig gibt es keinerlei Infos zur Abgabe von Radioaktivität im "Normalbetrieb" zu Krebsisiken oder zur Unfallgefahr. Ein Link zu unseren BUND AKW-Seiten wurde noch vor wenigen Wochen häufig schnell gelöscht, die einseitigen Links zur Betreiberseite bleiben stehen. Die Atomlobby hat es seit Mai 2008 sogar geschafft Links zu BUND - AKW - Seiten auf die Wiki - Spamliste zu bringen. Wenn die Links zu den Konzernseiten unkritisiert bleiben, die Links zu kritischen Seiten von Nichtregierungsoranisationen aber gelöscht werden, dann ist das ziemlich peinlich für eine "freie" Enzyklopädie. Um so wichtiger ist Eure sachliche Einmischung in die Wikipedia-Debatte und ein Link von Eurer Homepage zu dieser BUND-Seite.

Dazu passt, dass sich teilweise auch orwellsches „Neusprech“
auf den Wikipedia Seiten zur Atomkraft findet. In vielen Artikeln wird vom „Abluftkamin“ gesprochen. Gemeint ist damit der Schornstein mit dem jedes AKW im so genannten Normalbetrieb krebserzeugende Radioaktivität an die Umwelt abgibt. Aber Abluftkamin klingt im Zeitalter der „Entsorgungsparks“ einfach besser. Wir dürfen Wikipedia nicht den Werbeabteilungen der Atomkonzerne überlassen.
Mischt Euch ein! Tragt Euer Wissen und kritische wissenschaftliche Studien in die Wikipedia Atomseiten.
hier: Die freie Enzyklopädie Wikipedia und die Macht der Atomlobby



Infos zu Siedewassereaktoren finden Sie hier

Mehr Infos zu den Gefahren der Atomenergie finden Sie hier

Mehr Infos zum geplanten EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) finden Sie hier

Deutsche AKW mit Druckwasserreaktor


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Grafenrheinfeld
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Unterweser

Schweizer Atomkraftwerke mit Druckwasserreaktor


Kernkraftwerk Beznau 1 und 2
Gösgen


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Dieser Artikel wurde 13923 mal gelesen und am 20.4.2008 zuletzt geändert.
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