26.04.2010
Starker Rückgang bei den Erdköten im Kappler Kleintal bei Freiburg

Der Arbeitskreis Naturschutz des BUND-Regionalverbandes Südlicher Oberrhein
betreut eine der bisher größten Amphibienpopulationen Südbadens. Dazu werden von ehrenamtlichen BUND-Aktiven im Kleintal in Kappel bei Freiburg beiderseits der Straße Zäune aufgestellt und die Tiere über die Straße getragen.
Die Amphibien kommen aus dem Wald östlich des Kleintalbachs und ziehen zu den Teichen eines Landwirtes unmittelbar westlich dieses Baches. Hauptsächlich werden hier Erdkröten (Bufo bufo), aber auch Grasfrösche (Rana temporaria) und Bergmolche gefunden.
Selbst wenige Fahrzeuge reichen aus, an einem feuchten und relativ warmen Frühjahrsabend zu einem wahren „Schlachtfest“ auf der Straße zu führen. Jeden Abend waren auch in diesem Frühjahr deshalb HelferInnen mit Stirnlampen an Ort und Stelle.
Die diesjährige Amphibienwanderung setzte durch niedrige Temperaturen und späten Schneefall vergleichsweise spät am 17. März ein. Während weniger Erdkröten als in 2008 und 2009 gezählt wurden, gab es Rekordzahlen für den Grasfrosch.
Die gezählten 1855 männlichen und 409 weiblichen Erdkröten auf der Hinwanderung liegen im unteren Bereich bisher dokumentierter Jahre. Schwankungen von Jahr zu Jahr sind natürlich bedingt, unter anderem durch Nahrungsangebot und Witterung. Auf eine Verschlechterung des Lebensraums im Kleintal deuten die Daten nicht hin. Der anspruchsvollere Grasfrosch lag mit 1229 gezählten Exemplaren, darunter hauptsächlich Pärchen, deutlich oberhalb der Funde früherer Jahre.
Deutlich an Größe eingebüßt hat die Population jedoch seit den 90er Jahren, als weit mehr als 5000 Tiere gezählt wurden. Gefährdet sind Kappler Amphibien auch durch Infektion mit dem aus Afrika eingeschleppten Chytrid-Pilz (Batrachochytrium dedrobatidis), der in Freiburg im letzten Jahr nachgewiesen wurde. Laut einer Studie am Berliner Naturkundemuseum scheint sich dieser Pilz besonders in waldreichen Biotopen auszubreiten.
Nachtrag:
Zusätzlich zur Gefährdung der Amphibien durch Autoverkehr, könnte langfristig eine Infektion mit dem aus Afrika eingeschleppten Chytrid-Pilz (Batrachotrychium dedrobatidis) kommen, der im letzten Jahr im Gebiet Waldsee nachgewiesen wurde. Bei einer vom NABU Freiburg im Jahr 2010 durchgeführten Untersuchung, für eine Studie am Berliner Naturkundemuseum, wurden 35 Schleimproben von Erdkröten, Salamandern und Bergmolchen aus dem Bereich Freiburg Waldsee untersucht. Dabei konnte bei drei Erdkrötern und einem Salamander die Infektion festgestellt werden. "Dieses Ergebnis ist als vorsichtig bzw.wenig sensitiv anzusehen....Insgesamt ist der Befall dieser Population als überdurchschnittlich hoch anzusehen; was unter anderem an dem bewaldeten Habitat liegen könnte." Es wurden so wenig Proben entnommen , weil die Amphibienwanderung fast beendet war, als die Untersuchungsröhrchen aus Berlin ankamen. So wurde nur ein Grasfrosch untersucht.
Gisela Friederich, (NABU)
Eine US-amerikanische Studie zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen hoher Amphibiensterblichkeit und dem weltweit meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittel „RoundUp“ des Agrochemie-Konzerns „Monsanto“ auf.
Der tatkräftige Einsatz von über 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern rettete die Kappler Amphibien in diesem Jahr wieder vor dem Straßentod. Auch 2011 sucht der BUND wieder aktive NaturschützerInnen.
Elke Brandes Arbeitskreis Naturschutz im BUND Regionalverband
Mehr Infos zum Amphibienschutz im Kleintal bei Kappel und Möglichkeiten selber aktiv zu werden: hier