"Mehrwert statt Zuwachs" BUND-Aktion zur Tagung gegen Flächenverbrauch
12.11.2008
Am 13. November 2008 findet in Denzlingen eine wichtige Tagung des Umweltministeriums Baden Württemberg und des Regierungspräsidiums Freiburg im Rahmen des Aktionsbündnisses "Flächen gewinnen in Baden Württemberg" statt. (Kultur- & Bürgerhaus, 79210 Denzlingen, Stuttgarter Str. 30)
Eine kleine Gruppe BUND-Aktiver wird sich morgen ab 11.45 Uhr bis 13 Uhr mit einem großen Transparent vor dem Eingang der Halle aufstellen, um so die Wichtigkeit des Themas für den BUND aufzuzeigen.
Der Flächenverbrauch, die Zersiedelung und die damit verbundene Verscheußlichung der Landschaft am Oberrhein sind seit vielen Jahren zentrale Themen des BUND. Es ist erfreulich, dass die Umweltministerin Tanja Gönner und Regierungspräsident Julian Würtenberger dieses wichtige Thema aufgreifen. Gerade auch bei Herrn Würtenberger haben wir den Eindruck, dass das Flächensparen ihm ein wichtiges Anliegen ist (auch wenn wir den Widerspruch zum ebenfalls von ihm gewünschten „nachhaltigen“ Ausbau der Straßen deutlich sehen).
Generell bekommt in Sachen „Flächensparen“ zunehmend Unterstützung aus der Politik. Das Thema ist auf allen politischen Ebenen angekommen. Doch zwischen Ankündigungsrhetorik und Ausführungspraxis lagen bisher Welten. Wir hoffen, dass sich dies unter dem neuen Regierungspräsidenten ändert.
Flächenverbrauch Demonstration in Denzlingen
Hier einige von vielen regionalen Beispielen:
- Vor wenigen Wochen kritisierte das Landratsamt Emmendingen erfreulich deutlich ein geplantes neues Baugebiet in Forchheim am Kaiserstuhl, denn in der kleinen Gemeinde gibt es viele innerörtliche Baubrachen. Die wichtige Kritik kam an, der Gemeinderat will dennoch an den überzogenen Plänen festhalten.
- Im Markgräflerland wünscht sich der Gemeindeverwaltungsverband Müllheim-Badenweiler bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes 135 ha an zusätzlichen Flächen. Ähnlich überzogene Flächenwünsche gibt es auch bei der FNP-Fortschreibung im Schneckental (Gewerbegebiet Pfaffenweiler).
- Das geplante Biomassekraftwerk in Ettenheim, welches das neue Pelletswerk von German Pellets mit Wärme versorgen soll, ist zur Zeit heftig umstritten. Die Produktion von Holzpellets ist aus Sicht des BUND eine umweltpolitisch sehr sinnvolle Sache, wenn sie „anwohnerfreundlich“ realisiert wird. Doch in Ettenheim wurde der „falsche Standort“ ausgewählt. Ein Pelletswerk mit einem ganzjährig hohen Wärmebedarf gehört dorthin, wo große Abwärmemengen vorhanden sind, d. h. regional zum Beispiel in den Gewerbepark Breisgau in die räumliche Nähe der TREA. Dort ist die Wärmemenge schon vorhanden (und wird seit vier Jahren verschwendet), die jetzt das Biomassekraftwerk bringen soll.
- Im Verlauf der letzten Jahre wurden eine Anzahl Regionaler Grünzüge und Grünzäsuren des Regionalplanes gestrichen oder verkleinert.
Die Situation (nicht nur in Südbaden)
zeigt deutlich, dass wir auch hier an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Was für die Erde gilt, gilt auch für Südbaden. Wir brauchen eine nachhaltige, umweltfreundliche Entwicklung und kein hemmungsloses Wuchern. Wir werden sicher auch Lebens- und Wohnqualität neu definieren müssen. Dafür gibt es hier auch positive Beispiele wie den Stadtteil Vauban in Freiburg. Nachhaltige Entwicklung, d.h. schonender Umgang mit den Ressourcen, bedeutet nicht weniger, sondern mehr Lebensqualität. Die Alternative dazu heißt Wuchern des Flächenverbrauchs, Zerstörung von Lebensräumen, Zersiedelung der Ebene, Verlust von Natur und Erholung, also auch Verzicht auf einen Teil von dem, was das Leben hier so lebenswert macht. Wir hoffen, dass die Denzlinger Tagung Fortschritte bringt. Der Prozess der Verscheußlichung ist allerdings schon weit fortgeschritten.
Dieser Artikel wurde 187 mal gelesen und am 12.12.2008 zuletzt geändert.
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