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Greenwash am Südlichen Oberrhein

17.07.2003
An die Medien

Gerade in der Umweltregion Südlicher Oberrhein häufen sich Greenwash-Versuche. Hier im Dreyeckland liegen wichtige Wurzeln der bundesweiten Umweltbewegung und gerade in dieser Region laufen zur Zeit Akzeptanzbeschaffungsversuche für umweltbelastende Firmen und Projekte auf vielen Ebenen.
Greenwash beim AKW Fessenheim

Am 26. Juni 2003 erhielt das französische Atomkraftwerk Fessenheim in Paris die Umweltzertifizierung nach ISO 14001]. In den "Sit Infos" des Atomkraftwerks wird auch sehr schön beschrieben, wofür dieses Zertifikat verliehen wurde, nämlich für "Schutz von Fauna und Flora und Orchideen um das Kernkraftwerk, für Mülltrennung, für einen Umweltschutz-Notfallwagen bei nichtnuklearen Betriebsunfällen usw."

Das ist zwar erfreulich, aber umweltfreundliches Papier einzusetzen, Wasser zu sparen, Orchideen zu schützen und Energiesparlampen einzusetzen, sollte eigentlich in jedem Haushalt geschehen. Ein solches Umweltzertifikat für ein AKW ist vor allem Greenwash, der Versuch, durch die Überbetonung von umweltschützerischen Selbstverständlichkeiten von den Gefahren der Anlage abzulenken.

Mit den menschengefährdenden Problemen des Kernkraftwerks, d.h. mit den Fragen der atomaren Sicherheit, mit den Fragen der Sicherheit vor Flugzeugabstürzen, der Versprödung des Reaktordruckgefäßes, der ungeklärten Atommüllfrage und der ungeklärten Frage der Erdbebensicherheit beschäftigte sich die Zertifzierung nach ISO 14001 nicht.

Die "schützenswerten Orchideen" stehen auf dem bestbewachten Biotop der Regio. Wo irgendwann zwei Euroreaktoren von EDF und EnBW gebaut werden sollen, ist auf dem festungsartig eingezäunten Gelände für diese zwei weiteren AKWs ein wunderbares, gut bewachtes Biotop entstanden. Von der Hausmülltrennung und dem Orchideenschutz auf dem Werksgelände soll ein postiver Imagetransfer auf das ganze AKW ausgehen. So dient die ISO 14001 der Desinformation und Akzeptanzbeschaffung.

Mit der Gründung des so genannten Umweltvereins "Au fil du Rhin" (dt.: "Am Rhein entlang") in Fessenheim durch EnBW und EDF versuchen die beiden AKW Betreiber den Begriff der Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und die Umweltbewegung zu spalten. Auch die Kampagne für den Euroreaktor ERP, der von Siemens und Framatome irgendwann in Fessenheim gebaut werden soll, läuft unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit. Das Trinationale Umweltzentrum Weil (TRUZ) hat erfreulicherweise sofort nach Bekanntwerden der Hintergründe die Mitgliedschaft in "Au fil du Rhin" ruhen lassen.
Greenwash bei der Firma Stracel in Strassburg

Dass ein Zertifikat nach ISO 14001 an umweltschädigende Firmen verliehen wird, ist kein Einzelfall:

Wie sich Nasen täuschen können. Da hatten die BürgerInnen in Kehl und Umgebung lange Jahre unter dem Gestank und den Schadstoffen der Straßburger Papierfabrik Stracel gelitten. Dennoch erhielt das Unternehmen im Jahr 1999 als eine der ersten französischen Papierfabriken ein Umweltzertifikat nach ISO 14001.

Ein Ökozertifikat für eine Firma, die den Menschen auf beiden Rheinseiten seit Jahren die Luft nimmt? Haben sich die Nasen doch nicht getäuscht? Über den realen Schadstoffausstoß und die Belastung der Menschen kann dieses sogenannte Umweltzertifikat nichts aussagen.Vermutlich gab es dieses für irgendeinen Betriebsablauf, der mit der realen Umweltverschmutzung wenig zu tun hat.

Umweltzertifikate wie ISO 14001, werden durch einen solchen häufigen und gezielten Missbrauch diskreditiert und stellen sich selbst und die damit verbundene, auswuchernde Bürokratie in Frage.

Exemplarische Beispiele für umweltgefährdende Firmen, die nach ISO 14001 zertifiziert wurden:

Cogema - la Hague (F) Atommüll Aufarbeitung
Fessenheim (F) AKW
Isar 1 (D) AKW
Isar 2 (D) AKW
Beznau (CH) AKW
Stracel (F) Papierfabrik

Wenn im AKW Tschernobyl und in den Chemieanlagen von Union Carbide in Bhopal und Hoffmann-La Roche in Seveso der Müll sauber getrennt, Orchideen gepflegt und ein Umweltmangagement erstellt worden wäre, hätte einer Zertifizierung nach ISO 14001 sicher nichts im Wege gestanden.
Greenwash bei der Firma Ciba in Basel

In der Basler Zeitung war vor Jahren ein umfangreicher, lobender Bericht über ein wunderschönes Biotop im Basler Hafen. Das wertvolle Biotop gehörte der Firma CIBA, welche die wertvollen und seltenen Pflanzen eigens von einem Biologen pflegen ließ. Was aus dem Bericht nur am Rande hervorging, war die Tatsache, daß "eingebiotopt" in der Mitte der Blumenwiese das Auslieferungslager für Agrochemikalien der Firma liegt, also das Lager für die Stoffe, mit denen weltweit die Wildkräuter bekämpft werden.
Greenwash beim Mais

Vom Hauptproblem ablenken ist eine andere wichtige Strategie. Überall an den Maisäckern der Region finden sich im Sommer Hinweisschilder, die darauf aufmerksam machen, wie viel Sauerstoff ein solcher Acker produziert. Das Problem beim Mais ist aber nicht die Luft, sondern das Grundwasser, das häufig mit Spritzmitteln und Dünger belastet wird. Von diesem Hauptproblem auf einen Nebenschauplatz ablenken sollen die Hinweistafeln an den Maisäckern.

Dies sind nur einige klassische regionale Beispiele für Greenwash, die zeigen, dass nicht in jeder Verpackung, auf der "Öko" draufsteht, auch "Umwelt "drin ist.

Axel Mayer