Breisgau / Freiburg - Langfristig entwickelt sich eine stadt- und landkreisüberschreitende Großstadt
10.03.2000
Die aktuelle Diskussion um politische Strukturen im Kreis zeigt:
Langfristig entwickelt sich eine stadt- und landkreisüberschreitende Großstadt im Breisgau
Bei der Kreisbereisung von Ministerpräsident Teufel hat Landrat Dr. Volker Watzka, auch im Namen von Oberbürgermeister Böhme und Landrat Jochen Glaeser, die Übertragung der Regionalplanung auf einen erweiterten Zweckverband gefordert. Nach Ansicht des BUND RV geht diese Forderung in die falsche Richtung.
Die Diskussion um veränderte politische Strukturen im Breisgau zeigt nach Ansicht des BUND-Regionalverbandes deutlich, daß die Politik mit falschen Mitteln versucht, die Probleme der Expansion Freiburgs anzugehen, ohne sie allerdings beim Namen zu nennen. Daß Freiburg seine Grenzen sprengt, und im Breisgau langsam eine zersiedelte, flächenfressende Großstadt entsteht, wird öffentlich nicht gesagt.
Die starke Bevölkerungszunahme der letzten Jahre, die Freiburg zu einer der am schnellsten wachsenden Städte Deutschlands werden ließ, läuft, mangels Bauflächen, auf dem Stadtgebiet langsam aus. Spätestens wenn die Rieselfeldbebauung endgültig abgeschlossen ist, wird sich die weitere Stadtentwicklung Freiburgs verstärkt in den Nachbarlandkreisen Emmendingen und Breisgau - Hochschwarzwald abspielen.
Der zunehmende Flächenverbrauch, mit allen Folgen für Mensch und Natur, ist eines der großen regionalen Umweltthemen, an denen der BUND seit Jahren arbeitet. Doch auch auf die Politik, auf die politischen Gremien in Stadt und Umland wirken sich diese, nicht nur demographischen, Veränderungen aus, wie die aktuellen Äußerungen bei der Kreisbereisung von Herrn Teufel zeigen. Mehr oder weniger unbemerkt von der Öffentlichkeit werden zur Zeit Weichenstellungen angedacht und eingeleitet, die für die zukünftige Entwicklung für Mensch, Natur und Umwelt im Breisgau wichtig sind.
Der BUND vermißt in diesem Zusammenhang eine breite öffentliche Diskussion zu diesem Thema. Deutlich wird das auch am Beispiel der Regio-S-Bahn. Einem Projekt des ÖPNV, das der BUND immer gefördert und unterstützt hat. Bei aller Liebe zum ÖPNV fehlt nach Ansicht des BUND aber dennoch die Debatte um die strukturellen Auswirkungen eines solchen Projektes.
Streckt die Stadt Freiburg entlang der ausgebauten Trassen ihre Arme ins Umland ? Entstehen an den neuen und alten, besser angebundenen Haltepunkten die neuen Schlaf- und Vorstädte Freiburgs nach dem Beispiel Denzlingen? Es ist dann aber zumindest immer noch sinnvoller und flächensparender, wenn die Menschen mit Bus und Zug reisen anstatt mit dem Auto.
Die Auswirkungen der Zersiedelung und Verhäßlichung im Umland Freiburgs sind nicht zu übersehen.
Wie beschreibt Wolfgang Abel in einem seiner Regio - Bücher die Situation:
"Der Freiburger Norden, die Region zwischen Gundelfingen, Denzlingen und weiter bis Waldkirch. Emmendingen ist weitaus mehr zersiedelt und mit Straßen durchzogen als die südlichen Randgebiete (Freiburgs). Hochhäuser im Cinemascope-Format, teilweise beklemmende Perspektiven. Bausparkassenarchitektur, Dörfer, die sich immer weiter ins Land fressen ..."
Spätestens wenn Freiburgs letzte Baugebiete "voll" sind, wird sich diese negative Tendenz im Umland massiv verstärken. Ein Grund dafür ist sicher auch der südbadische Floridaeffekt, der immer mehr Menschen in den (noch) schönen Breisgau führt.
Und wenn den lokalen Politikern angesichts der Kreisbereisung des Ministerpräsidenten nicht mehr einfällt, als parteiübergreifend einfach mehr Strassen zu fordern, dann stellt sich auch für den BUND die Frage, ob ein weiterer Zweckverband tatsächlich das richtige Gremium wäre, die Probleme der Region in den Griff zu bekommen.
Die bisherige Regionalplanung hat die Zersiedelung, Verscheußlichung und den Flächenverbrauch in der Regio nur verlangsamt und manche Auswüchse verhindert. Warum angesichts zunehmender Probleme der viel zu zahme und zahnlose politische Regionalverband zum Feindbild aufgebaut wird, ist nicht nachzuvollziehen. Wir brauchen dringend mehr und konsequentere Regionalplanung im Breisgau und nicht weniger.
Axel Mayer
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