Diese Seite ausdrucken

Grundwasserversalzung -- Umweltskandal am Oberrhein

22.03.2002
Seit Jahren engagiert sich der BUND in einem der schlimmsten Umweltskandale am Südlichen Oberrhein und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Eine Strafanzeige durch den BUND gegen die Verursacher der Grundwasserversalzung hat zur größten Polizeiaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes geführt.

Kaliabbau in Südbaden


Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wurde und wird im Oberrheingraben Kalisalz abgebaut. Als Abfallprodukt fällt Natrium-Chlorid ("Steinsalz") an. Die "Kalimandscharos", die Abraumhügel in Buggingen und Heitersheim, zeugen von diesem, in Baden historischen Abbau.Das Salz dieser Hügel wird seit Jahrzehnten durch den Regen ausgespült und trägt so zur Grundwasserversalzung bei. Um weitere Auswaschungen zu verhindern, darf nach Ansicht des BUND die Abdeckung des Bugginger Salzhügels nicht noch länger aufgeschoben werden. Hier beschleunigt unsere Anzeige den Fortschritt.

Das Kalibecken bei Mulhouse


Das Hauptproblem aber geht von den Minen im elsässischen Kalibecken (Mines de Potasse d'Alsace) bei Mulhouse (F) aus. Dort fand sich mehr Kali im Untergrund als in Südbaden und darum sind dort die ökologischen Folgeprobleme auch größer. Die Abraumhalden bei den großen Minen in Wittelsheim und Pulversheim, die jetzt gerade abgetragen werden, bilden grandiose, landschaftlich faszinierende Erosionslandschaften, die an tibetische Höhenzüge erinnern - allerdings bestehen die heimischen Hügel bis zu 90% aus Salz. So ergibt sich eine makabere Ästhetik der Umweltzerstörung. Die durch den Regen verursachten Auswaschungen der "Kalimandscharos" im Süden des Elsaß versalzen große Teile des Grundwassers der elsässischen Rheinebene bis in den Raum Sélestat! Hundert Jahre Industriegeschichte haben dazu geführt, dass ein wichtiger Teil des Grundwassers der Rheinebene zur Trinkwassergewinnung nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch bei der aktuellen Sanierung dieser Hügel wurden unglaubliche Fehler begangen.

Salz im Rhein, Salz im Grundwasser


Auch die massive Versalzung des Grundwassers auf der badischen Rheinseite zwischen Bremgarten und Breisach ist indirekt auf die Kaliberge bei Mulhouse zurückzuführen. In einer offenen Betonrinne, einer Todesfalle für Wildtiere, wird seit Jahrzehnten hochkonzentrierte Salzlauge in den Rhein geleitet. Am AKW Fessenheim vorbei fließt die Salzbrühe in den kanalisierten Rhein. Bis zu 350 Kilogramm Salz pro Sekunde wurden vor wenigen Jahrzehnten noch eingeleitet. Noch 1991 strömten so in jeder Sekunde 115 Kilogramm Salz in die Haupttrinkwasserader von Millionen Europäern - jährlich 3,6 Mio. Tonnen Natrium-Chlorid. Erst durch massiven juristischen Druck der holländischen Umweltschützer und der Wasserwerke am Rhein wurde diese eingeleitete Menge reduziert.

In der Zeit von 1957 bis 1976 gab es zu allem Übel auf der Fessenheimer Rheininsel, gegenüber von Bremgarten, undichte, offene Zwischenlagerbecken für 520 000 m³ hochkonzentrierte Salzlauge. Diese großen Salzwasserbecken sollten sich nach Ansicht der "Experten" durch den im Salzwasser enthaltenen Lehm selbst abdichten. Leider hatten sich die "Experten" geirrt: Eine Million Tonnen Salz sind durch diese unglaubliche Schlamperei der Betreiber der Kaliminen, der Experten und der Kontrollbehörden "einfach so" ins Grundwasser versickert.

Auswirkungen


Wenige Kilometer unterhalb der Fessenheimer Rheininsel finden sich auch in Südbaden bereits jetzt bis zu 50 Gramm Salz in einem Liter Grundwasser - Meerwasser enthält im Schnitt nur 35 Gramm! Diese Salzlauge fließt ca. 100 Meter unterhalb der Geländeoberkante langsam nach Norden. Die verdünnte Spitze der Salzfahne bereitet der Wasserversorgung in Breisach langsam Probleme. Das versalzte Tiefenwasser darf unter keinen Umständen mit dem sauberen Oberflächenwasser vermischt werden. Einschränkungen beim Kiesabbau sind zu erwarten.

Längerfristige Prognosen für die Rheinebene nordwestlich des Kaiserstuhls sind schwer zu erstellen; Probleme für die Wasserversorgung, ähnlich wie in Breisach, sind möglich. Die wertvollsten Grundwasserreserven des Oberrheingebiets sind betroffen.

Verursacherprinzip?


Der BUND hat es auch hier im Dreyeckland immer wieder erlebt, wie Firmen jahrelang profitabel gearbeitet haben und die ökologischen Folgekosten ihres Handelns auf die Allgemeinheit abwälzten. Die Kaliminen im Elsaß arbeiten noch bis zum Jahr 2004; dann sind die Vorkommen erschöpft. Solange die Staatsfirma noch Geld hat, sollte das Verursacherprinzip strikt angewendet werden - wie bei kleinen Umweltsündern auch. Nicht die Wasserverbraucher, sondern die Betreiber der Kaliminen sollen die Zeche zahlen! Es ist Aufgabe des BUND, dafür zu sorgen, dass Umweltschutz nicht nur auf dem Rücken der Kleinen praktiziert wird.

Strafanzeigen


Aus diesen Gründen hatte BUND-Geschäftsführer Axel Mayer die Verursacher des Umweltskandals (Mines de Potasse d'Alsace und die Kali Salz AG) auf beiden Rheinseiten angezeigt. Die französische Staatsanwaltschaft hat das Verfahren mit folgender fadenscheinigen Begründung eingestellt: "Der BUND ist selbst nicht betroffen und er ist auch kein französischer Umweltverband." Die betroffene Stadt Breisach könnte also klagen. Das Verfahren in Sachen Buggingen und Kali Salz AG läuft noch. Die BUND-Anzeige hat immerhin die größte Polizeiaktion in der Geschichte des Freiburger Wirtschaftskontrolldienstes ausgelöst. Bei der beschuldigten Firma in Norddeutschland wurden Unterlagen beschlagnahmt. Diese klagen jetzt gegen die Genehmigungsbehörden im Landkreis Breisgau Hochschwarzwald. Wir sind gespannt, wie das Verfahren ausgehen wird.


Dieser Artikel wurde 453 mal gelesen und am 16.1.2007 zuletzt geändert.
Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/grundwasserversalzung-umweltskandal-am-oberrhein.html">Grundwasserversalzung -- Umweltskandal am Oberrhein</a>